«Stadtwärts»: Heissblütige Krienser und effiziente Emmer

Die Bezeichnungen Luzern Süd für Gebiete in Kriens und Luzern Nord für Emmen sind nicht völlig aus der Luft gegriffen, wie Stefan Dähler, Ressort Stadt/Region Luzern, erfahren durfte.

Stefan Dähler
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Stefan Dähler

Stefan Dähler

Beliebt sind sie nicht. In Kriens wie auch in Emmen hat sich der Einwohnerrat bereits mittels Vorstössen dafür ausgesprochen, vom Gebrauch der in der Raumplanung verwendeten Begriffe «Luzern Süd» für Gebiete in Kriens beziehungsweise «Luzern Nord» für Emmer Gebiete abzusehen. Weil die Kommunen so als Anhängsel der Stadt Luzern daherkämen.

Ob dabei eine Rolle spielte, dass die Wahrheit manchmal schwer zu ertragen ist? Denn so unzutreffend sind diese von der Geografie abgeleiteten Begriffe nicht, wie ich kürzlich erfahren durfte. Normalerweise berichte ich aus dem Krienser Einwohnerrat. Letzte Woche besuchte ich jedoch aufgrund eines Personalengpasses ausnahmsweise eine Sitzung des Emmer Parlaments.

Die Traktandenliste liess mich schaudern. Darauf standen unter anderem das Budget 2020 inklusive Aufgaben- und Finanzplan mit einer Steuererhöhung, der Gegenvorschlag zur Wachstums-Initiative, ein Zusatzkredit, der viel höher ausfiel als erwartet, sowie Vorstösse zu ausländischen Sozialhilfeempfängern oder Verkehr. Start war um 14 Uhr. An Krienser Verhältnisse gewohnt, rechnete ich mit einer Spätschicht. Doch: Um 18 Uhr war bereits Schluss.

Es nahm praktisch nur eine Person pro Fraktion zu einem Geschäft Stellung. Einzelsprecher gab’s – im Gegensatz zum Krienser Einwohnerrat – so gut wie keine. Und folglich auch kaum argumentatives Ping-Pong zwischen zwei Kontrahenten. Ungläubig die Augen rieb ich mir, als der Vorstoss zu den ausländischen Sozialhilfeempfängern an die Reihe kam. Der Interpellant, ein SVP-Politiker, verzichtete doch tatsächlich auf eine Diskussion – in Kriens fast nicht denkbar.

Fazit meines Besuchs in Emmen? Die Geografie lügt nicht. Im Parlament des südlicher gelegenen Kriens gehen immer wieder mal die Emotionen mit den Rednern durch, das heissblütige, südländische Temperament scheint hier durchzudrücken. Im nördlich gelegenen Emmen dagegen arbeitet man effizient und schliesst die Geschäfte schnell ab.

In einem Punkt trifft das Nord-Süd-Klischee jedoch nicht zu: Auf die öffentlichen Finanzen hat die Geografie keinen Einfluss. Die sind zwar beiderorts nicht besonders rosig – doch alles in allem steht das nördlich-effiziente Emmen noch etwas schlechter da als das südlich-heissblütige Kriens.