Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Kolumne

«Stadtwärts»: Hesch mer en Stutz?

In seiner Kolumne schreibt Robert Knobel, Leiter Ressort Stadt/Region, über Begegnungen mit Gassenleuten, die in Luzern eine besondere Qualität haben.
Robert Knobel
Robert Knobel

Robert Knobel

Wann haben Sie diesen plumpen Spruch zum letzten Mal gehört? Schon lange nicht mehr? Dann geht es Ihnen wie mir. In Luzern, so scheint es, geht die Kontaktaufnahme auf der Gasse viel anständiger vonstatten als anderswo. Man weiss jeweils sofort, was nun folgt, wenn man etwa mit «Entschuldigung, darf ich Sie etwas fragen?» angesprochen wird. Man zückt dann intuitiv das Portemonnaie, wechselt ein paar nette Worte und wünscht sich noch einen schönen Tag, bevor sich die Wege wieder trennen.

Es ist tatsächlich auffallend, wie unkompliziert Junkies und Passanten in der Stadt Luzern miteinander verkehren. Wendet man seinen Blick anderswo geniert ab, sobald man einen «Randständigen» kreuzt, so entschuldigt man sich beim Verkäufer der Lozärner Gasseziitig, dass man leider «schon eine» habe. Dieses ungezwungene Miteinander ist indessen kein Zufall. Es ist zu einem grossen Teil das Verdienst des legendären Gassenarbeiters Sepp Riedener. Er hat gegen erbitterte Widerstände nicht nur dafür gekämpft, das Los der Drögeler zu verbessern, sondern auch deren Akzeptanz in der Bevölkerung.

Denn die Gassenleute brauchen nicht nur Almosen, sondern – mindestens so wichtig – auch Würde. So gesehen lautet die weihnächtliche Erkenntnis, dass die eigentliche gute Tag nicht der «Stutz» ist, sondern vielmehr die paar netten Worte auf Augenhöhe. Denken Sie daran, wenn Sie nächstes Mal beim Reusssteg jemand «etwas fragen» will.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.