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Kolumne

«Stadtwärts»: Mit Fragen zum Sitzplatz

Auf Wahlplakaten sieht man zurzeit viele lächelnde Gesichter. Ganz anders im Alltag – vor allem im ÖV, wie unsere Redaktorin Sandra Monika Ziegler feststellte.
Sandra Monika Ziegler
Sandra Monika Ziegler

Sandra Monika Ziegler

Es ist unübersehbar. So viele Konterfeis wie in diesen Wochen lächeln einem einzig vor Wahlen an. Leider nur von Plakaten. Dabei wäre überall ein lachendes Gesicht so viel motivierender als ein grimmiges. Eine grosse Auswahl an freudlosen Gesichtern sind – wie könnte es anders sein – im ÖV zu entdecken, besonders zur frühen Morgenstund.

Wer zusätzlich einen Rucksack am Rücken trägt und bei jeder Drehung seine Nachbarn touchiert, produziert damit gleich noch mehr miese Laune. Und besetzt auch noch eine Einkaufstasche den Nebensitz, dann kann es erst recht giftig werden. Natürlich mit Hilfe von Blicken, denn der Mund bleibt geschlossen.

Ein höfliches Fragen wie «Dürfte ich mich auf den Platz setzen?», wäre doch die Lösung, denkt sich frau. Doch sie dachte falsch. Der Ort des Geschehens ist für einmal nicht im Bus, sondern auf dem Dampfschiff. Es war rappelvoll und die Suche nach einem Sitzplatz ein Spiessrutenlauf.

Da sehe ich von weitem einen Platz, also nichts wie hin. Doch auf der Bank liegt ein Koffer. Ich frage, ob ich mich hier hinsetzen könnte und den Koffer unter die Bank legen soll. «Nein» heisst es deutsch und deutlich. «Hier sitzt meine Frau.» «Ah, wo ist denn ihre Frau», frage ich den Herrn. Sie sitzt da vorne und der Mann zeigt Richtung Bug.

Das motiviert mich Richtung Bug zu gehen. Da entdecke ich die Frau auf der vordersten Bank, eine grosse Tasche neben sich. Ich frage wieder «Dürfte ich mich da hinsetzen?» Sie reagiert nicht, schaut an mir vorbei. Ich lass nicht locker und sage ihr, dass ihr Mann ja da hinten einen Platz für sie reserviert habe. «Das weiss ich», schnaubt sie zurück. Und das war das Ende der Diskussion.

Erstaunt ziehe ich von dannen. Ein Paar auf dem Deck hat die Szenerie beobachtet. Die Frau spricht mich lächelnd an: «Kommen Sie, setzen sie sich hier hin, wir rutschen zusammen.» Ich nehme den Platz und bin glücklich. Fragen lohnt sich eben alleweil.

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