Kolumne

«Stadtwärts»: Nicht ganz dreissig

Dreissig werden ist nicht einfach. Das musste unser Journalist Simon Mathis am eigenen Leben erfahren – obwohl es sich nur um einen Fehlalarm handelte.

Simon Mathis
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Simon Mathis, redaktioneller Mitarbeiter Ressort Stadt/Region Luzern

Simon Mathis, redaktioneller Mitarbeiter Ressort Stadt/Region Luzern

Wer im Jahr 1990 geboren ist, hat’s beim Errechnen seines Alters leicht. Trotzdem stellt mich diese denkbar einfache Rechenaufgabe alljährlich vor eine Herausforderung. Dieses Jahr bin ich an der Aufgabe gleich komplett gescheitert – und habe mich souverän verrechnet. Als mich ein Arbeitskollege fragte, wie alt ich denn nun sei, sagte ich prompt: «Jetzt bin ich dreissig!»

Sowie der Satz über meine Lippen gekommen war, löste er in meinem Kopf ungeahnte Gedanken aus: «Ich bin schon dreissig! Vor kurzem ging ich noch zur Uni und genoss das studentische Lotterleben. Jetzt bin ich berufstätig und – ja, kann es sein? – erwachsen! Andere haben bereits geheiratet und ziehen Kinder gross! Und ich?»

Eine verfrühte Midlife Crisis packte mich. Oder war es eine verspätete Quarterlife Crisis? Egal, denn ich bemerkte meinen Fehler schnell. «Moment Mal, ich bin doch erst 29!», seufzte ich erleichtert. Und die Krise war verflogen. Der Freud’sche Versprecher machte mir klar, dass symbolische Altersgrenzen eben doch Gewicht haben. Und noch etwas Gutes hatte er: Ich konnte für den Moment trockenüben, an dem ich wirklich dreissig werde. Mehrere Personen haben versichert, dass es gar nicht so schlimm ist. Aber das glaube ich erst, wenn ich es selbst erlebt habe.