Kolumne

«Stadtwärts»: Nur Freude war nicht im Angebot

Wieso rennen am «Black Friday» alle in die Läden? Das fragt sich unsere Autorin – zumal die meisten Schnäppchenjäger keinen glücklichen Eindruck machen.

Sandra Monika Ziegler
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Sandra Monika Ziegler

Sandra Monika Ziegler

Pius Amrein

Der Rummel um Weihnachten und die damit verbundene Kaufwut können ganz schön anstrengend sein. Ein Sturm aufs Angebot in Orkanstärke war natürlich die ganze letzte «schwarze Woche» - nicht nur am «Black Friday». Die sonst schon Unterpreisware wurde noch billiger angeboten und die Kauf­freudigen kamen in Scharen. Auch ich machte mich auf den Weg – bewusst ohne Einkaufszettel und ohne Kaufabsicht. Mir gefällt es, die Menschen in ihrem Tun und Lassen zu beobachten. In die vollgepackten Einkaufswagen zu blicken und amüsiert den Kommentaren der Kauffreudigen zu lauschen. «Das war jetzt wirklich ein Schnäppchen, wer weis denn schon, wie lange es der alte noch macht, so sind wir auf der sicheren Seite», sagt ein Mann bedeutungsvoll zu seiner Begleiterin und sie nickt. Das Gespräch handelt von einem kabelfreien Stielstaubsauger mit Aufladestation. Solche Putzinstrumente sind übrigens aktuell auffällig häufig im Angebot.

Sauberkeit scheint den Grossverteilern – zumindest denen mit vier Buchstaben im Namen – ein grosses Anliegen zu sein. Sie setzen gezielt auf einen sauberen Jahresstart. Nicht nur Handfestes, sondern auch Kulinarisches wird in Mengen abtransportiert. «Meinst du nicht, dass wir übertrieben haben? Ein Pack hätte doch gereicht?», sagt eine Frau zum Mann. Und er antwortet kurz: «Lass gut sein, wir essen ja sonst nie Lachs.»

So stapeln sich rot leuchtende Weihnachtssterne, Grosspackungen Weihnachtsgebäck, Megapapierrollen und schäumende Getränke im Einkaufswagen. Dazwischen bunte zusammengerollte Fleecedecken oder Plastikbehälter in diversen Grössen und Farben. Es wird gekauft, was das Zeug hält. Alle, die an mir vorbei ziehen, scheinen das gefunden zu haben, was sie wollten oder es zumindest glaubten, dass sie das wollten, was sie gekauft haben. Doch glückliche Gesichter zu ihren Einkäufen machen die wenigsten. Die Kauffreudigen mühen sie sich eher freudlos ab. Freude war wohl nicht im Angebot erhältlich – eigentlich schade.

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