«Stadtwärts»: Von der Sonne in die Traufe

Man kann es drehen und wenden wie man will: Luzern ist die Schlechtwetter-Hauptstadt der Schweiz. Da kommt ein sich anbahnender Sonnen-Rekord gerade recht.

Robert Knobel
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Robert Knobel, Ressortleiter Stadt/Region.

Robert Knobel, Ressortleiter Stadt/Region.

Bild: Dominik Wunderli

Vergangene Woche ist in Luzern Historisches passiert: Der Sonnen-Rekord aus dem Jahr 2003 (total 1865 Stunden Sonnenschein) wurde geknackt. Damit nicht genug: Sofern es Petrus ganz gut meint, könnten wir dieses Jahr sogar die 2000er-Grenze überschreiten (siehe auch Ausgabe vom 16. Oktober).

Wer nun, geblendet von soviel Sonnenlicht, bereits das Mittelmeer am Horizont zu sehen glaubt, sollte erst mal die rosa-getönte Brille von der Nase nehmen. Denn die Sonnen-Statistik lässt einige Wölkchen über dem Luzerner Stadthimmel aufziehen: Alle grossen Schweizer Städte sind mit deutlich mehr Sonne gesegnet als Luzern. Sogar in der Bundesstadt zeigt sie sich mit geradezu beamtenhafter Zuverlässigkeit. Die Berner mögen langsam sein, aber an der magischen Grenze von 2000 Sonnenstunden sind sie schon vor Wochen vorübergezogen. Gleiches gilt für Zürich, Basel, Genf - und auch St. Gallen hat uns überholt.

Wie kann das sein? Der Meteorologe bei Meteoschweiz beschwichtigte mich am Telefon: Luzern sei mitnichten das Schlusslicht der Schweiz. Andere hätten noch viel weniger Sonne. Glarus zum Beispiel. Glarus? Also wirklich! Luzern, das sich bisweilen als «nördlichste Stadt des Südens» brüstet, strebt nach anderen Vergleichen. Muss ja nicht gleich Locarno sein.

Vielleicht, so dachte ich mir, liegt es daran, dass die Sonne bei der Messstation im Luzerner Eichwald aus topografischen Gründen einfach früher untergeht als etwa in Zürich. Also analysierte ich den Standort mit einem Online-Tool, das die maximal mögliche Sonnenscheindauer berechnet. Anschliessend verglich ich die Werte mit der Wetterstation vom Zürichberg. Doch Fehlanzeige: In Luzern könnte die Sonne theoretisch sogar jeden Tag ein paar Minuten länger scheinen als in Zürich - wenn sie denn eben schiene.

Man kann es drehen und wenden, wie man will: Luzern ist keine Sonnenstube. Und ja: Schuld ist das Wetter, nicht die Topografie. Das wusste schon der selige Kurt H. Illi, der den arabischen Touristen eine Regen-Garantie versprach und Luzern so zu Reichtum verhalf. Mit diesem Alleinstellungsmerkmal sollte man wieder vermehrt um Touristen werben. Wie wär`s mit «Luzern - die sonnigste Regen-Hauptstadt der Schweiz»? Dumm nur, dass dieser Titel zurzeit den St. Gallern gebührt. Diese Stadt hatte bisher nicht nur mehr Sonne, sondern auch viel mehr Regen als wir. Doch das Jahr hat ja noch 52 Tage, um die Ostschweizer zu schlagen. Wenn nicht im Fussball, dann beim Wetter.