Kolumne
«Stadtwärts»: Wenn Namen von Wohnsiedlungen die Grilllust wecken

Für die Bezeichnung von Neubauprojekten reichten früher irgendwelche Flurnamen. Heute aber muss ein solcher Name Emotionen wecken. Bei unserem Redaktor hat's geklappt.

Roman Hodel
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Roman Hodel.

Roman Hodel.

Bild: Dominik Wunderli

Ich weiss nicht, ob Sie es in unserer Zeitung gelesen haben. Aber in Meggen wird gerade eine neue Wohnsiedlung mit dem Namen Grace hochgezogen. Gemeint ist die Grazie, nicht die Gnade, sagte die zuständige Vermarkterin. Diesen Unterschied zu erwähnen, finde ich nicht unerheblich. Grace also. Kann man machen. Die Promotoren befinden sich damit jedenfalls in bester Gesellschaft.

Früher reichten für Neubauprojekte meist Flurnamen. Irgend etwas mit -rain oder -acker oder -matt. Doch heute muss eine Bezeichnung Emotionen wecken, gerne auf Englisch. So wie «Lakefall Diamond», ein Projekt in Luzern. Das klingt nach James Bond. Und tatsächlich ist es kein Haus für sozialen Wohnungsbau. Oder wie wär's mit «Dryade» in Vitznau, einem Villenprojekt? Laut Wikipedia handelt es sich bei Dryaden um Baumgeister in der griechischen Mythologie. Ich musste ehrlich gesagt an «Dry aged beef» denken. Und damit an die nächste Nahrungszufuhr.

Vor meinem geistigen Auge sehe ich mich gerade beim Grillieren des am Knochen gereiften Rindfleisches. Notabene auf einer dieser ausladenden Terrassen der Siedlung Grace. Als Bewohner derselbigen würde ich dann jeden Abend «Amazing Grace» ab Konserve laufen lassen. Oder noch besser: Selber singen. Das hab ich drauf. Echt. Stichwort FCL. Zu Meisterzeiten, also vor sehr sehr langer Zeit, gehörte «Amazing Grace» zum Repertoire der Fantribüne. Der Text war nicht anspruchsvoll. Eigentlich nur olé olé. Dafür singbar in jedem Zustand. Ich wage zu behaupten, die Grace-Nachbarn würden auf meine Sangeskünste stehen. Wetten?

Das «Olé olé» gibt es ab 1:38 zu hören: