Städtebau
Kritik an Hochhäusern und Bevölkerungswachstum in Luzern Süd

Die bauliche Entwicklung von Luzern Süd erhält klare Leitplanken. Doch das neue «Regelwerk Luzern Süd» stösst nicht überall auf vorbehaltlose Zustimmung.

Stefan Dähler
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Blick auf das Gebiet Luzern Süd mit der Autobahn A2 und dem Nidfeld-Areal auf Krienser Boden im Vordergrund.

Blick auf das Gebiet Luzern Süd mit der Autobahn A2 und dem Nidfeld-Areal auf Krienser Boden im Vordergrund.

Bild: PD

Mit dem neuen Regelwerk Luzern Süd soll die bauliche Entwicklung im Gebiet zwischen Kriens, Horw und Luzern koordiniert werden. Es wurde gemeinsam von Vertretern der Gemeinden sowie dem Kanton und unter Federführung des Gemeindeverbands Luzern Plus erarbeitet. Es soll behördenverbindlich sein und sieht unter anderem vor, dass ein zusammenhängendes Gerüst an Freiraum geschaffen werden kann und möglichst wenig zusätzlicher Autoverkehr entsteht (wir berichteten).

Fast 300 Rückmeldungen sind eingegangen

Nachdem letzten Herbst eine öffentliche Mitwirkung durchgeführt wurde, hat nun der Vorstand von Luzern Plus das Regelwerk verabschiedet, wie er mitteilt. Bei der Mitwirkung seien 295 Rückmeldungen von 47 Teilnehmenden eingegangen. Geäussert hätten sich Parteien, Verbände, andere Organisationen, Private und Immobilienentwickler.

Grundsätzlich sei der Tenor positiv gewesen, sagt Armin Camenzind, Geschäftsführer von Luzern Plus. Bei vielen Rückmeldungen sei es um Detailfragen gegangen, etwa Auswirkungen auf die bauliche Entwicklung einzelner Parzellen. Camenzind sagt:

«Was in einigen Stellungnahmen mitschwingt, ist eine grundsätzliche Skepsis oder Kritik am Bevölkerungswachstum.»

Und weiter: «Es gibt keine neuen Einzonungen, wir verdichten nach innen, wie es das Raumplanungsgesetz auf eidgenössischer Ebene vorgibt. So versuchen wir, die Entwicklung gezielt zu lenken und ein zusammenhängendes Freiraumnetz entstehen zu lassen.»

Hochhausstandorte bleiben unverändert

Ebenfalls für mehrere Rückmeldungen sorgten die Hochhäuser. Deren Anzahl stiess teils auf Kritik. Auf der anderen Seite gibt es auch Investoren, die gerne noch höher bauen würden. Die total 14 Hochhausstandorte in Luzern Süd – inklusive jener, die bereits realisiert sind – bleiben im Regelwerk enthalten. «Das heisst aber nicht, dass diese Hochhäuser auch realisiert werden», sagt Camenzind. «Das Regelwerk Luzern Süd zeigt lediglich auf, wo diese entstehen könnten. Über die tatsächliche Realisierung wird bei der Bearbeitung eines Bebauungs- oder Gestaltungsplans weiterhin auf Gemeindeebene entschieden.»

Das oberste Ziel des Regelwerks Luzern Süd ist, dass die bauliche Entwicklung gemeindeübergreifend aufeinander abgestimmt wird. Camenzind sagt:

«Es schafft eine gegenseitige Verbindlichkeit, die wichtig ist, weil grosse Projekte stets auch Auswirkungen über die Gemeindegrenzen hinaus haben.»

Um es in Kraft zu setzen, müssen die jeweiligen Gemeinden noch den bisher gültigen Richtplan Luzern Süd aufheben. Am neuen Regelwerk schweizweit einzigartig sei, dass es behördenverbindlich ist für Kanton sowie Gemeinden und daneben auch Konzepte enthält, die nur für die Gemeinden gelten, sagt Camenzind. Ein herkömmlicher Richtplan enthalte «nur» für Kanton sowie Gemeinden verbindliche Angaben.

Das neue Regelwerk enthält unter anderem folgende Vorgaben:

  • Im Gebiet Luzern Süd werden Teilgebiete definiert, in denen stark verdichtet (zum Beispiel Mattenhof), weniger stark (Schweighof) oder kaum verdichtet (Kuonimatt) gebaut wird. Auch werden Gebiete definiert, die vor allem dem Gewerbe vorbehalten sein sollen.
  • Bei grösseren Bauprojekten muss ein Mobilitätskonzept erstellt werden, das aufzeigt, wie der ÖV oder das Velo gefördert und die Zahl der Autofahrten begrenzt wird.
  • Für ein gutes Stadtklima sollen möglichst wenige versiegelte Flächen realisiert werden. Es muss bei der Planung von Bauten darauf geachtet werden, dass der Wind zirkulieren kann. Dem öffentlichen Raum sowie weiteren Grün- und Freiräumen wird eine hohe Aufmerksam beigemessen. Ziel ist, dass eine zusammenhängende Freiraumstruktur entsteht.

Das meiste davon ist nicht neu, sondern war bereits in Entwicklungskonzepten enthalten. Diese waren bisher aber noch nicht behördenverbindlich. Als Nächstes wird die Delegiertenversammlung von Luzern Plus am 23. April über das Regelwerk Luzern Süd entscheiden. Bei einem Ja folgt die 60-tägige Referendumsfrist. Danach folgt frühestens im Sommer die Genehmigung durch den Regierungsrat.

Weitere Informationen zum Regelwerk Luzern Süd finden Sie hier: https://www.luzernplus.ch/luzernplus/themen/regelwerk-luzernsued