STÄNDERAT: Birrer-Heimo distanziert Estermann deutlich

Dass Konrad Graber klar gewinnen wird, war absehbar. Nicht aber das gute Resultat von Prisca Birrer-Heimo – und das weniger gute für Yvette Estermann. Der Grund liegt bei zwei Parteien.

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Prisca Birrer-Heimo analysierte am Sonntagnachmittag im Restaurant Libelle in Luzern das Wahlresultat mit ihren Genossen von der SP. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)

Prisca Birrer-Heimo analysierte am Sonntagnachmittag im Restaurant Libelle in Luzern das Wahlresultat mit ihren Genossen von der SP. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)

Ihre Kandidatur habe sich «auf jeden Fall gelohnt», sagt eine bestens gelaunte Prisca Birrer-Heimo am Sonntagnachmittag. Schliesslich habe sie weit über das eigene Lager hinaus Stimmen geholt, analysiert die SP-Nationalrätin ihr Resultat vor den geschlossenen Türen des Regierungsgebäudes (siehe Kasten).
Das trifft zwar zu. Dennoch ist der Abstand zu FDP-Mann Damian Müller im Vergleich zum ersten Wahlgang nur minim geringer geworden. Am 18. Oktober trennten die beiden 17 751 Stimmen, gestern 17 220. Gegen die gemeinsame Liste von CVP und FDP sei es «schwierig gewesen», erklärt Birrer-Heimo.

Bild: Keystone / luzernerzeitung.ch
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Ständerat:  Konrad Graber, CVP, Kriens, dipl. Wirtschaftsprüfer, Betriebsökonom HWV, 1958.
Ständerat:  Damian Müller, FDP, Hitzkirch, Leiter Verkauf Aussendienst, 1984.
Nationalrat:  Ida Glanzmann-
Hunkeler, CVP, Altishofen, Kauffrau und Politikerin, 1958.
Nationalrat:  Leo Müller, CVP, Ruswil, Rechtsanwalt und Notar, 1958.
Nationalrat:  Andrea Gmür, CVP, Luzern, lic. phil. I, Geschäftsführerin
Stiftung Josi J. Meier, 1964.
Nationalrat:  Yvette Estermann, SVP, Kriens, Ärztin/ Buchautorin, 1967.
Nationalrat:  Felix Müri, SVP, Emmenbrücke, Unternehmer, 1958.
Nationalrat:  Franz Grüter, SVP, Eich, Unternehmer, CEO green.ch, 1963.
Nationalrat:  Peter Schilliger, FDP, Udligenswil, Unternehmer
Gebäudetechnik, 1959,
Nationalrat:  Albert Vitali, FDP, Oberkirch, Unternehmer, 1955.
Nationalrat:  Prisca Birrer-Heimo, SP, 
Rothenburg, Wirtschaftsingenieurin/ 
Konsumentenschützerin, 1959.
Nationalrat:  Louis Schelbert, Grüne, Luzern, 1952.
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Ständerat:  Joachim Eder, FDP, Unterägeri, alt Regierungsrat/ früher Sekundarlehrer phil. I, 1951.
Ständerat: Peter Hegglin, CVP, Edlibach, Regierungsrat, 1960,
Nationalrat:  Gerhard Pfister, CVP, Oberägeri, Dr. phil., 1962.
Nationalrat:  Thomas Aeschi, Baar, lic. oec. HSG/ Harvard MPA/ Unternehmensberater,
 1979.
Nationalrat:  Bruno Pezzatti, FDP, Edlibach, Dipl. Ing.
Agr. ETH, Vorstand
Schweizer Obstverband,
1951.
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Ständerat:  Isidor Baumann-Karli, CVP, Wassen, alt Regierungsrat,
1955.
Ständerat: Josef Dittli, FDP, Attinghausen,
Regierungsrat/ Finanzdirektor, 1957
Nationalrat: Beat Arnold, Schattdorf, dipl. Bauingenieur FH/MAS Wirtschaftsingenieur FH/Regierungsrat, 1978.
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Ständerat:  Erich Ettlin, CVP, Kerns, dipl. Steuerexperte / dipl. Wirtschaftsprüfer, 1962.
Nationalrat:  Karl Vogler, CSP, Bürglen/Lungern, Rechtsanwalt/Notar, 1956
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Ständerat: Hans Wicki, FDP, Hergiswil, lic.oec. publ., Regierungsrat, 1964,
Nationalrat: Peter Keller, SVP, Hergiswil, lic. phil. I/ Journalist, 1971
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Ständerat: Peter Föhn, SVP, Muotathal, Verwaltungsratspräsident
Möbelfabrik Betschart, 1952.
Ständerat: Alex Kuprecht, SVP, Pfäffikon,
Relation Manager, 1957.
Nationalrat:  Pirmin Schwander, SVP, Lachen, Unternehmer/ Dozent, 1961.
Nationalrat:  Petra Gössi, FDP, Küssnacht, Juristin, 1976.
Nationalrat:  Alois Gmür, CVP,Einsiedeln, Braumeister, 1955.
Nationalrat:  Marcel Dettling, SVP, Oberiberg, Landwirt, 1981. (Bild: pd)

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Graber und Müller Rücken gestärkt

Dieses Argument, die starke Verbindung der Mitteparteien, verwendet kurz nach Bekanntwerden der Resultate auch Yvette Estermann. Doch es gibt einen grossen Unterschied zu Birrer-Heimo: Holte die SP-Frau gegenüber dem ersten Wahlgang nur knapp 3000 Stimmen weniger, musste Estermann eine Einbusse von über 9000 Stimmen hinnehmen. Dennoch gab sich die SVP-Nationalrätin nicht etwa enttäuscht. Sie sei stolz auf ihr Resultat, schliesslich sei in der Geschichte der Luzerner SVP erstmals eine der Ihren zu einem zweiten Wahlgang bei den Ständeratswahlen angetreten. Der Wahlkampf sei sowohl für sie als auch für ihre Partei «eine gute Erfahrung gewesen». Dazu hätten die drei gescheiterten Kandidaten letztlich Konrad Graber und Damian Müller den Rücken gestärkt, weil beide zwei Mal klar vorne lagen.

Auch der dritte nicht gewählte Kandidat, der parteilose Rudolf Schweizer, bereut seine Kandidatur nicht. Und er hat weitere Ambitionen: Bei den nächsten Regierungs- und Kantonsratswahlen 2019 würden die Parteilosen mit mehreren Listen antreten.

Graber legt als Einziger zu

Trotz guter Miene zum Resultat: Schweizer geht es wie Müller, Birrer-Heimo und Estermann: Auch er hat gegenüber dem ersten Wahlgang weniger Stimmen geholt (siehe Tabelle). Die Ausnahme ist Konrad Graber. Der bisherige CVP-Ständeherr konnte trotz einer um 10 Prozentpunkte tieferen Wahlbeteiligung zulegen. Auch deshalb, weil sich der Grüne Louis Schelbert und der Grünliberale Roland Fischer nach der ersten Ausmarchung zurückgezogen hatten und Graber einen Teil dieser Stimmen gewinnen konnte (siehe Nachgefragt).

Gab es im ersten Wahlgang mit Graber, Müller, Birrer-Heimo und Estermann vier Kandidaten, die zumindest in einer Gemeinde am meisten Stimmen holten, wurden gestern nur noch zwei Sieger ausgezählt: Graber und Müller. Der CVP-Mann siegte in 60 Gemeinden, der FDP-Vertreter in 23. Am 18. Oktober machte Graber in 61 Gemeinden das beste Resultat, Müller in 19, Estermann in 2 und Birrer-Heimo in 1.

Lukas Nussbaumer

Ist das Ihre letzte Legislatur?

Konrad Graber, haben Sie mit einem derart deutlichen Vorsprung auf Damian Müller gerechnet?
Konrad Graber:
Nein, ich habe ein knapperes Resultat erwartet. Besonders freut mich, dass ich in der Stadt Luzern das beste Ergebnis erzielt habe. Im 1. Wahlgang lag ich hinter Prisca Birrer-Heimo und Louis Schelbert auf Platz 3.

Ihnen haben wohl die Listen, auf denen auch Prisca Birrer-Heimo (SP) aufgeführt war, genützt?
Graber:
Damit habe ich mich nicht auseinandergesetzt, weil das Sache der Parteien ist. Geholfen hat mir sicher, dass mit dem Grünen Louis Schelbert und mit dem Grünliberalen Roland Fischer zwei Kandidaten aus dem ersten Wahlgang nicht mehr angetreten sind. Ein Teil ihrer Stimmen fielen nun mir zu.

Sie treten die dritte Legislatur an – Ihre letzte?
Graber:
Das ist völlig offen. Ich freue mich auf die kommenden vier Jahre und richte den Blick nicht weiter voraus.

Neben Ihnen wird der Kanton Luzern mit dem 31-jährigen Damian Müller, dem jüngsten Ständerat, im Stöckli vertreten sein. Welche Tipps geben Sie ihm?
Graber
: Keine. Er wird seinen Weg selber finden, denn er hat das Vertrauen der Luzerner Bevölkerung.

Sie sind gegen die zweite Gotthardröhre, Damian Müller dafür. Damit sind Sie in einer wichtigen Frage uneins.
Graber:
Auch Müllers Vorgänger, Georges Theiler, war für die zweite Röhre.

Erachten Sie eine Differenz in dieser wichtigen Frage nicht als schädlich?
Graber:
Nein. Es handelt sich um ein Geschäft. Wir sind in ganz vielen Fragen, zum Beispiel beim Durchgangsbahnhof Luzern, gleicher Ansicht.