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STÄNDERAT: Yvette Estermann: «Nur fürs Protokoll rede ich nicht»

SVP-Nationalrätin Yvette Estermann will in die Kleine Kammer, weil ihr CVP-Mann Konrad Graber zu wenig bürgerlich ist. Mehr Freude bereitet ihr Guido Graf.
SVP-Ständeratskandidatin Yvette Estermann (48 spielt Scrabble in drei Sprachen – zu Hause mit ihrer Familie in Kriens. (Bild Philipp Schmidli)

SVP-Ständeratskandidatin Yvette Estermann (48 spielt Scrabble in drei Sprachen – zu Hause mit ihrer Familie in Kriens. (Bild Philipp Schmidli)

Interview Lukas Nussbaumer

Yvette Estermann, spielen Sie bloss aus Spass Scrabble?

Yvette Estermann: Auch, aber nicht nur. Man muss – wie das auch in der Politik manchmal der Fall ist – das Beste aus dem machen, was man erhält. Aber der Spass steht natürlich im Vordergrund. Wir spielen Scrabble jeweils dreisprachig, auf Deutsch, Englisch und Slowakisch.

Wer Scrabble spielt, muss flexibel sein, Geistesblitze haben, vif sein. Attri­bute, die auf die Politikerin ­Yvette Estermann zutreffen?

Estermann: (lacht) Es wäre von Vorteil, all diese Eigenschaften immer abrufen zu können. Es gelingt mir aber nicht immer.

Sie waren in der letzten Legislatur die fleissigste Nationalrätin, waren bei 99,8 Prozent der Abstimmungen dabei. Muss eine gute Parlamentarierin fast immer anwesend sein?

Estermann: Ich bin sehr pflichtbewusst. Ich bin nicht im Nationalrat, um nur zu debattieren und um Vorstösse zu schreiben. Entschieden wird beim Abstimmen.

Sie haben hingegen wenig Vorstösse eingereicht und in acht Jahren nur 41-mal das Wort verlangt.

Estermann: Ich schreibe nur Vorstösse, wenn mir etwas wirklich auf dem Herzen liegt. Nur fürs Protokoll rede ich nicht.

Kollegen aus Kommissionen bezeichnen Sie als «sehr passiv» und «sehr ruhig» (siehe Kasten).

Estermann: Ich melde mich nur dann, wenn ich sehe, dass etwas schief läuft.

Sie seien in der Geschäftsprüfungskommission «isoliert», findet Kollege Andy Tschümperlin.

Estermann: Isoliert wäre ich dann, wenn ich eine andere Meinung hätte, diese aber nicht sagen würde.

Sie sagen, dass Ihnen das Amt der Nationalrätin Spass bereitet. Warum wollen Sie dann in den Ständerat?

Estermann: Der Arbeitsplatz im Stöckli ist ruhiger (lacht). Im Ernst: Der Ständerat muss bürgerlicher werden. Er bewegt sich immer mehr auf Mitte-links-Kurs.

Haben Sie Beispiele?

Estermann: Der Atomausstieg. Und es werden immer mehr Vorschriften erlassen, Hürden aufgebaut, der Verwaltungsapparat aufgebläht.

Welche Luzerner Anliegen würden Sie als Ständerätin vertreten?

Estermann: Ich würde mich für KMU und die Landwirte einsetzen. Sie leiden besonders stark unter der Vorschriftenflut und haben im Gegensatz zur Grossindustrie keine Lobby. Und ich würde dafür kämpfen, dass Luzern vom NFA-Nehmer- zum Geber-Kanton wird.

Das ist eine Kritik an die Adresse von Konrad Graber (CVP) und Georges Theiler (FDP). Wie zufrieden sind Sie mit ihnen?

Estermann: Mit Konrad Graber bin ich nicht zufrieden. Er sollte bürgerliche Anliegen konsequenter vertreten, statt Mitte-links-Positionen zu beziehen. Das zeigt sich ja auch darin, dass der Luzerner Gewerbeverband beide Augen zugedrückt hat, als er Graber die Unterstützung zusagte. Mit Georges Theiler habe ich mich ab und zu ausgetauscht.

Wie beurteilen Sie Ihre Wahlchancen?

Estermann: Die sind gut. Platz 2 im ersten Wahlgang wäre super.

Angenommen, Sie landen hinter Konrad Graber, und die FDP tauscht für den zweiten Wahlgang ihren Kandidaten aus: Würden Sie dann zugunsten eines Freisinnigen zurückstehen?

Estermann: Das werden wir nach dem Wahlsonntag beurteilen. Aber zwei Luzerner Bürgerliche im Ständerat sind mir ein grosses Anliegen.

Der Luzerner Gesundheits- und Sozialdirektor Guido Graf (CVP) schreibt Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga regelmässig Briefe, weil er mit der Asylpolitik des Bundes nicht zufrieden ist. Finden Sie das richtig?

Estermann: Guido Graf hat sich in der Luzerner Regierung gut entwickelt. Er getraut sich, auch Unangenehmes auszusprechen.

Wäre es nicht effizienter, Graf würde seine Anliegen den Luzerner Vertretern in Bundesbern mitteilen?

Estermann: Bei der SVP wäre er mit seinen Anliegen willkommen gewesen. Wie es bei den CVP-Vertretern ausgesehen hätte, weiss ich nicht. Wichtig ist: Graf hat im Interesse des Kantons Luzern gehandelt. Ich ziehe meinen Hut vor ihm.

Gilt das auch für die CVP, die bei den Nationalratswahlen mit der FDP eine Listenverbindung eingegangen ist?

Estermann: Nein. Wenn sich zwei Kranke verbünden, wird daraus nicht automatisch ein Gesunder. CVP und FDP machen nur aus Angst gemeinsame Sache.

Dann sind Sie zuversichtlich, den 2011 an die GLP verlorenen Sitz zurückholen zu können?

Estermann: Klar hoffe ich das. Aber wir kämpfen nicht gegen jemanden, sondern für unsere Sache.

Wie lange wollen Sie in Bern noch politisieren?

Estermann: Solange das Feuer brennt, Gott mir Gesundheit schenkt und meine Familie mitmacht. Würde ich Ständerätin, wären zwei Legislaturen sinnvoll.

In der Kleinen Kammer würden Sie bis zu 150 000 Franken statt «nur» etwas mehr als 130 000 Franken verdienen. Welche Nebeneinkünfte haben Sie als Nationalrätin?

Estermann: Fast keine. Geld ist nicht mein Antrieb, die Entschädigung als Nationalrätin reicht für unsere Familie.

Damian Müller (FDP) gibt für seinen Wahlkampf 80 000 Franken aus. Sie?

Estermann: Nur zwischen 20 000 und 30 000 Franken. Die ideelle Unterstützung ist wichtiger als ein dickes Portemonnaie.

Sie sind während des Wahlkampfs fast jeden Abend unterwegs. Wohin verreisen Sie nachher in die Ferien?

Estermann: Ich mache nie Ferien. Ich habe den Pilatus und die Rigi vor der Haustüre, kann in den See baden gehen. Als Nationalrätin bin ich so viel unterwegs, dass ich sehr gerne zu Hause bin.

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