Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Interview

Luzerner Ständeratskandidat David Roth: Vom Aussenseiter zum SP-Spitzenkandidat

Es besteht eine echte Chance auf einen zweiten SP-Sitz in Bundesbern. David Roth will im Ständerat die alten Machtverhältnisse aufbrechen.
Ismail Osman

Mit seinen 34 Jahren verfügt David Roth bereits über eine 18-jährige Politerfahrung (siehe Kasten unten). Auf ihm ruhen nun die Hoffnungen einer Partei, deren Erwartungshaltung für diese Wahlen deutlich gestiegen sind.

Wir befinden uns hier bei der Voliere auf dem Inseli in Luzern. Was sagt dieser Ort über Sie aus?

David Roth: Da gibt es eine persönliche Verbindung. Die Voliere wird vom Luzerner Kultur- und Jugendradio 3fach betrieben. Als ich vor etwas über zehn Jahren Mitglied des 3fach-Vorstands war, arbeitete ich ein Konzept für eine Bar aus, die einen Platz in der Stadt neu beleben könnte. Daraus entstand eine temporäre Bar auf dem Bahnhofplatz, die schliesslich zur Voliere führte. Das Inseli galt früher als gefährlichster Ort der Stadt. Dadurch, dass man es belebt statt abgeschottet hat, wurde es zu einem der schönsten Flecken der Stadt.

Nun zieht es Sie in Richtung Bundesbern. Weshalb haben Sie sich für eine Kandidatur entschieden?

Luzern befindet sich im Wandel. Die alten bürgerlichen Mehrheiten sind nicht mehr ein korrektes Abbild eines Kantons, der diverser geworden ist. Ich bin Teil dieses Wandels und vertrete jene Menschen, die eine Umwelt wollen, in der man in 100 Jahren noch leben kann und die auf bezahlbare Prämien sowie preiswerte Wohnungen angewiesen sind.

In Ihrer Zeit als Parteipräsident konnte die SP beachtliche Erfolge feiern wie etwa drei Sitzgewinne bei den letzten Kantonsratswahlen oder den Sieg vor Bundesgericht in Bezug auf die Prämienverbilligungen. Könnten Sie in Luzern nicht mehr bewegen als in Bern?

Die Erfolge der Partei verteilen sich auf viele Schultern. Ich bin davon überzeugt, dass politische Arbeit auf jeder Ebene gleich wertvoll ist. Was mich angeht, bin ich mit der Arbeit in Bern vertraut, dort auch gut vernetzt und überzeugt, die Interessen unseres Kantons effektiv vertreten zu können.

Für die Nationalratswahlen traten Sie bereits 2015 an. Sind Sie heute wählbarer als noch vor vier Jahren?

Vor vier Jahren war ich für viele – auch in der eigenen Partei – noch ein Aussenseiter-Kandidat. Von meinem Abschneiden als Dritter war man etwas überrascht. Als Parteipräsident vertiefte ich mich in die Parteiarbeit und stand in regem Austausch mit den Sektionen. Davor nahmen viele nur jene Arbeit wahr, die in den Medien stattfand. In den letzten vier Jahren, haben viele auch gesehen, wie intensiv ich vor allem auch abseits der Öffentlichkeit arbeite. Wie beispielweise die mehrjährige Arbeit für eine bessere Prämienverbilligung, von der letztlich über 8000 Familien profitieren konnten.

Bei Ihnen hiess es jedoch schon früh «der Roth geht irgendwann nach Bern». Wie hoch ist der Druck, dieser «Prophezeiung» diesmal gerecht zu werden?

Das ist doch der Running Gag, den jeder, der in die Politik einsteigt, zu hören bekommt! Als Druck würde ich es nicht beschreiben. Natürlich will ich es machen und habe mich darauf vorbereitet. In der Politik muss man aber immer auch eine Niederlage in Kauf nehmen und damit leben können.

Ist Ihre Ständeratskandidatur lediglich Mittel zum Zweck, sprich zu Gunsten eines zweiten Sitzes im Nationalrat?

Nein. Meine Kandidatur als Ständerat ist eine ernsthafte. Die Entwicklungen der vergangenen Jahre zeigen klar auf, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis das alte FDP/CVP-Machtkartell bricht. Ein zweiter Wahlgang ist wahrscheinlich. Dann geht es vor allem um das Mobilisieren – und wir haben bewiesen, dass wir genau das sehr wohl können.

Es gab Stimmen, die lieber eine SP-Ständeratskandidatin gesehen hätten.

Mit Nationalrätin Prisca Birrer-Heimo bilde ich das geschlechterparitätische Spitzenduo. Die SP lebt diese Gleichstellung in alle Richtungen, sowohl im Parteivorstand, als auch auf der Wahlliste und bei Ämtern auf allen Ebenen. Wir sind die einzige Fraktion, die im Kantonsrat wie auch im Nationalrat mit mehr Frauen als Männern vertreten ist.

Was brächten Sie für Luzern nach Bundesbern mit, das dort in der heutigen Konstellation fehlt?

Aus Perspektive des Kantons muss man eines klar sehen: Regionen, die rein bürgerlich abgebildet sind, haben in Bern weniger Gewicht. Das Resultat ist, dass Projekte wie der Durchgangsbahnhof auf die lange Bank geschoben werden, bei uns keiner der Innovationsparks gebaut wird und Bundesbetriebe in der Zentralschweiz Stellen abbauen.

Wofür würden Sie sich auf nationaler Basis einsetzen?

Durch das gesamte politische Spektrum hinweg scheint mir ein Verständnis dafür zu fehlen, dass in die Themen wie aussenpolitischer Öffnung, Klimawandel oder Digitalisierung auch die Interessen Normalverdienender mit einbezogen werden müssen. Sind die angestrebten Entwicklungen in diesen Fragen für die Bevölkerung existenzbedrohend, werden sie nicht erfolgreich sein, sondern an der Abwehr scheitern.

Steckbrief zur Person

Der Präsident der SP Kanton Luzern ist gebürtiger Stadtluzerner und seit seiner Kindheit politisch aktiv. Das müssen Sie noch über ihn wissen:
- Alter: 34
- Wohnort: Luzern
- Beruf: Zentralsekretär bei der Gewerkschaft Syndicom
- Hobbys: Kulturveranstaltungen, Bergsteigen, Jassen und Fussball. Ausserdem singt er in einem Chor
- Erstes politisches Engagement: Mitglied des Kinderparlaments der Stadt Luzern mit 8 Jahren
-Politischer Werdegang: David Roth wurde, damals noch als Juso-Mitglied, 2008 in den Luzerner Grossstadtrat gewählt. Den Sprung in den Kantonsrat schaffte er 2011. Im gleichen Jahr übernahm er das Amt als Präsident der Juso Schweiz (bis 2014) und das Vizepräsidium der SP Schweiz (bis 2015). Seit vier Jahren ist David Roth Präsident der SP Kanton Luzern.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.