Nach der Kür für Gmür: Die Luzerner CVP im Dilemma

Die Luzerner CVP-Basis will Nationalrätin Andrea Gmür in den Ständerat hieven. Das schmälert laut Politologe Oliver Dolder die Chancen der Partei, ihren dritten Nationalratssitz halten zu können. Auch das Mandat im Stöckli wackelt – wenn die SVP antritt.

Lukas Nussbaumer
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Andrea Gmür freut sich über ihre Nomination als Ständeratskandidatin der Luzerner CVP. Links von ihr Regierungsrat Reto Wyss. (Bild: Boris Bürgisser, Sursee, 29. Januar 2019)

Andrea Gmür freut sich über ihre Nomination als Ständeratskandidatin der Luzerner CVP. Links von ihr Regierungsrat Reto Wyss. (Bild: Boris Bürgisser, Sursee, 29. Januar 2019)

Gegensätzlicher hätten sich der frühere CVP-Präsident Pirmin Jung und alt Regierungsrat Markus Dürr am Dienstagabend nicht äussern können. Jung sprach sich vor mehr als 500 CVP-Delegierten gegen eine Doppelkandidatur für die National- und Ständeratswahlen aus, Dürr explizit dafür. Auch die als Ständeratskandidatin nominierte Nationalrätin Andrea Gmür würde eine Doppelkandidatur bevorzugen. Die Parteileitung um Präsident Christian Ineichen will sich nach den kantonalen Wahlen entscheiden.

Ob eine Doppelkandidatur einer Partei nützt, lässt sich nicht mit Studien belegen. Sicher ist: Bei SVP, SP und Grünen wird diese Taktik seit Jahrzehnten angewendet. Der Luzerner Politologe Olivier Dolder von Interface Politikstudien kann das nachvollziehen. «Damit wird die Zugkraft einer Person für die Partei genutzt.»

Bedeutet dies im Umkehrschluss, dass die CVP bei einem Verzicht auf eine Doppelkandidatur von Andrea Gmür mehr Mühe hätte, ihren gefährdeten dritten Nationalratssitz zu halten? «Das wäre sicher ein Nachteil für die CVP. Als bekannte bisherige Politikerin könnte Andrea Gmür auch mehr Stimmen bei den Nationalratswahlen holen», so Dolder.

SVP-Nationalrat Franz Grüter würde auf beiden Listen antreten

Für SVP-Nationalrat Franz Grüter stellt sich die Frage einer Doppelkandidatur «eigentlich gar nicht. Es wäre unlogisch, darauf zu verzichten», so der 55-jährige Eicher, dem Ambitionen auf einen Wechsel ins «Stöckli» nachgesagt werden. Grüter sagt denn auch:

«Wenn ein Sitzverlust droht und ein Bisheriger nicht mehr antritt, ist das für eine Partei ein klarer Nachteil.»

Entscheide er sich für den Angriff auf den CVP-Sitz in der Kleinen Kammer, würde er auch wieder für den Nationalrat antreten. Ob der frühere SVP-Präsident dies tut, wie gemunkelt wird? «Das entscheide ich nach den kantonalen Wahlen.»

Klar ist seit Dienstagabend: Die Chancen auf eine Kandidatur Grüters sind mit der Nomination von Gmür gestiegen. Der Wirtschafts- und Finanzspezialist könnte seine Stärken gegen die Bildungspolitikerin Gmür voll ausspielen. Gegen die nicht nominierte Yvonne Hunkeler, die sich in den gleichen Themen profiliert wie Grüter, wäre die Abgrenzung viel schwieriger.

Hat die CVP einen Plan für den zweiten Ständerats-Wahlgang?

Intakt wären die Chancen für Unternehmer Franz Grüter auch deshalb, weil er auf die Unterstützung aus FDP-Kreisen zählen könnte. Das wiederum führt CVP-intern schon für wilde Spekulationen, gestreut von hochrangigen Vertretern. Man müsse sich bei einem guten Abschneiden von Grüter im ersten Wahlgang überlegen, für die zweite Ausmarchung die Kandidatin Gmür auszutauschen – gegen einen der beiden Regierungsräte Reto Wyss oder Guido Graf.

CVP-Präsident Christian Ineichen kommentiert das Gerücht nicht. Zu einer möglichen Doppelkandidatur von Andrea Gmür – es wäre die erste in der Geschichte der Partei – verweist Ineichen auf die am Dienstagabend eingenommene Haltung der Basis. Diese hat sich dem Vorschlag der Parteileitung angeschlossen, die Frage einer Doppelkandidatur abklären zu lassen und an der Nominationsversammlung für die Nationalräte am 28. Mai zu diskutieren.

Parteivizepräsidentin Yvonne Hunkeler und Fraktionschef Ludwig Peyer verweisen ebenfalls auf die offizielle Haltung der Partei. Sie persönlich, sagt Hunkeler, hätte «bei einer Nomination als Ständeratskandidatin ausschliesslich für die Kleine Kammer kandidiert».

Yvonne Hunkeler blickt nach vorne

CVP-Vizepräsidentin Yvonne Hunkeler steckt ihre Nicht-Nomination als Ständeratskandidatin gut weg. «Klar wäre ich gerne angetreten. Doch ich schaue immer nach vorne», sagt die Kantonsrätin aus Grosswangen. Ob sie nun im Herbst für den Nationalrat kandidiere, will die 51-jährige selbstständige Unternehmensberaterin nach den kantonalen Wahlen vom 31. März entscheiden. Sie werde sich zudem mit dem amtierenden Ruswiler Nationalrat Leo Müller absprechen, der wie sie dem Wahlkreis Sursee angehört. Eher unwahrscheinlich ist, dass sich Hunkeler in vier Jahren als Regierungsrätin bewirbt. «Ich kann viele interessante Mandate wahrnehmen. Diese aufzugeben, wäre schon ein sehr grosser Schritt.»

An den gleichen Zeitplan wie Hunkeler hält sich der ebenfalls nicht als Ständeratskandidat nominierte Willisauer Ludwig Peyer. Der 54-jährige Chef der CVP-Kantonsratsfraktion sagte am Dienstagabend, er überlege sich eine Kandidatur für die Grosse Kammer. «Aber letztlich entscheidet die Partei, wer auf die Nationalratsliste gesetzt wird», so der Geschäftsführer des Verbands der Luzerner Gemeinden. (nus)