Ständeratswahlen: Prominente Luzerner FDP-Frauen helfen SVP-Kandidat

Die drei bürgerlichen Luzerner Ständeratskandidaten weibeln derzeit intensiv um bekannte Personen, die sie im Wahlkampf unterstützen. Dabei hat sich SVP-Mann Franz Grüter die Hilfe von zwei FDP-Frauen gesichert. 

Lukas Nussbaumer
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Helft ihr uns, unterstützen wir euch. Diese Vereinbarung werden CVP und FDP für die nationalen Wahlen vom 20. Oktober mit hoher Wahrscheinlichkeit eingehen. Konkret: Bei den Ständeratswahlen ist Damian Müller als Amtsinhaber von der FDP genauso Teil der gemeinsamen Liste wie CVP-Kandidatin Andrea Gmür. Und bei den Nationalratswahlen soll wie 2015 eine Listenverbindung eingegangen werden.

Es ist deshalb Usus, dass sich diese Übereinkunft in den Unterstützungskomitees der Ständeratsanwärter niederschlägt. So macht beispielsweise Regierungsrat Guido Graf als CVP-Vertreter in den Komitees seiner Parteikollegin Andrea Gmür und von FDP-Ständerat Damian Müller mit (siehe Kasten am Ende). Und von der FDP tut etwa Kantonsrätin Heidi Scherer das Gleiche.

Support für SVP-Grüter, aber auch für Parteifreund Müller

Ungewöhnlich ist jedoch, wenn FDP-Grössen dem Herausforderer der SVP, Franz Grüter, Support leisten. Genau dies trifft auf FDP-Vizepräsidentin Anne-Sophie Morand (links) und auf Karin Ruckli, Präsidentin der FDP-Frauen, zu.

(Bilder: Philipp Schmidli/PD)

(Bilder: Philipp Schmidli/PD)

Morand sagt, sie sei schon einige Male auf ihre Mitgliedschaft im Komitee von Grüter angesprochen worden. Sie habe jedoch bereits vor einem halben Jahr versprochen, den SVP-Vertreter zu unterstützen, wenn dieser kandidiere. «Ich kenne ihn und teile sein Engagement im Bereich Digitalisierung und Innovationen.» Und Morand betont:

«Die Partei ist für mich nebensächlich. Es ist der Mensch, der für mich zählt.»

Dass ihr Support für den Konkurrenten von Damian Müller bei der FDP-Spitze schlecht ankommt, glaubt Morand nicht. Sie sei dem Komitee von Grüter ja vor ihrer Wahl zur FDP-Vizepräsidentin beigetreten. Ausserdem unterstütze sie auch Müller, dessen Wiederwahl für sie Priorität habe. Ein Austritt aus dem Komitee von Grüter sei deshalb «kein Thema». Doch hätte Morand, wenn sie ihre Hilfe nicht Grüter versprochen hätte, Andrea Gmür als einzige bürgerliche Frau im Luzerner Ständeratswahlkampf unterstützt? «Das kann ich so nicht sagen. Selbstverständlich werde ich als Vizepräsidentin der FDP aber hinter dem Entscheid unserer Delegierten vom 22. August stehen», so die promovierte Juristin.

Karin Ruckli kandidiert wie Morand für den Nationalrat und sitzt ebenfalls in den Komitees von Franz Grüter und Damian Müller. Dass das Engagement der Präsidentin der FDP-Frauen für einen SVP-Mann nicht überall gut ankommt, sei ihr «schon klar, aber es ist kein Problem. Ich unterstütze die Personen, die ich gut finde.»

Heisst das, Ruckli hat das Heu mit Andrea Gmür nicht auf der gleichen Bühne? Sie verneint und sagt:

«Ich schätze Andrea Gmür sehr, habe aber Mühe mit der Politik der CVP.»

Während Anne-Sophie Morand und Karin Ruckli ihre Meinungen gemacht haben, steht dies dem kantonalen KMU- und Gewerbeverband (KGL) noch bevor. Präsident Peter With und Direktor Gaudenz Zemp haben ihre Anträge an den Vorstand zwar formuliert, doch dieser entscheidet erst am Mittwoch.

2015 empfahl der Verband alle drei bürgerlichen Kandidaten für den Ständerat, also Damian Müller (FDP), Konrad Graber (CVP) und Yvette Estermann (SVP). Dazu die damaligen Nationalratsanwärter Franz Grüter und Andrea Gmür. Wie der Entscheid heuer ausfalle, sei «offen», sagt Zemp. Er und With würden in Komitees jene Kandidaten unterstützen, die den offiziellen Support des KGL hätten.

Politologe: Gute Durchmischung der Komitees ist entscheidend

Sicher ist, dass die Kandidatur von IT-Unternehmer Franz Grüter in Wirtschaftskreisen gut ankommt. Die Liste der Männer und Frauen, die in seinem Komitee aufgeführt sind, ist mit prominenten Namen durchsetzt. So mit jenen von Stadler-Rail-Besitzer Peter Spuhler, Siga-Mitinhaber Reto Sieber, ex FCL-Präsident Ruedi Stäger oder mit dem von Thomas Meier, Mitbesitzer des Versandhauses Lehner und frisch gewählter FDP-Kantonsrat.

Breit zusammengesetzte und gut durchmischte Komitees sind für Politikberater Mark Balsiger wichtig. «Die Mitglieder verleihen einer Kandidatur eine grössere Glaubwürdigkeit und Durchschlagskraft. Zudem wirken sie als Multiplikatoren, die in verschiedene Wählersegmente ausstrahlen.» Breit zusammengesetzt bedeutet für Balsiger auch parteiübergreifend. «Das entwickelt Strahlkraft, im Gegensatz zu einem Komitee, das bloss mit Leuten aus derselben Partei bestückt ist.»

Die Strategie von Franz Grüter ist für den Politologen nachvollziehbar. «Er muss aufgrund des CVP-FDP-Päcklis erst recht angreifen. Wenn er die Phalanx von CVP- und FDP-Notablen aufbrechen kann, ist das zumindest ein Nadelstich gegen das Duo Gmür/Müller.»

Anzahl Mitglieder: Gmür vor Müller und Grüter

Wer die Mitglieder in den Komitees von Müller, Gmür und Grüter durchsieht, stellt schnell fest: Gmür und Müller können bis jetzt auf mehr Supporter zählen als Grüter. Im Komitee von Gmür machen derzeit rund 400 Personen mit, in jenem von Müller etwa 300, und für Grüter weibeln zirka 200 Personen.

Obwohl die blosse Anzahl der Komitee-Mitglieder laut Balsiger «wenig Bedeutung» hat und Breite sowie Strahlkraft der Mitglieder wichtiger sind, verleitet sie doch zu einem Vergleich: Dem Frauenkomitee der Grünen Regierungsratskandidatin Korintha Bärtsch gehörten im Frühjahr mehr als 1200 Frauen an.

Regierungsräte handeln unterschiedlich

Regierungsräte als Wahlkampfhelfer sind besonders begehrt, weil sie zu den bekanntesten Politikern im Kanton zählen. Sie werden deshalb auch mit Anfragen überhäuft. Doch nicht alle Magistraten gehen mit den Bitten um politischen Support gleich um. Regierungspräsident Paul Winiker (SVP) beispielsweise hat sich entschieden, bei den nationalen Wahlen ausschliesslich seinen Parteikollegen Franz Grüter zu unterstützen.

Anders der parteilose Marcel Schwerzmann: Er macht sowohl im Unterstützungskomitee von Franz Grüter als auch in jenem von Damian Müller (FDP) mit. Die FDP und die SVP hätten ihn im zweiten Wahlgang der Regierungsratswahlen unterstützt, deshalb tue er jetzt das Gleiche. Guido Graf (CVP) hilft Parteikollegin Andrea Gmür und Damian Müller. Das hat auch Reto Wyss, der zweite CVP-Regierungsrat, vor. Der abtretende Robert Küng (FDP) sitzt bis jetzt in keinem Komitee der drei bürgerlichen Ständeratskandidaten, Parteikollege und Neo-Regierungsrat Fabian Peter in jenem von Damian Müller. (nus)