STANDORTSTÄRKUNG: Gemeindeverband zieht die Konsequenzen und baut ab

Der für das Luzerner Hinterland und das Entlebuch zuständige Entwicklungsträger Region Luzern West steht vor einem Umbruch. Die Kürzung der Mittel durch den Kanton zwingt den Gemeindeverband, auf bisherige Aufgaben zu verzichten.

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Auf den Entwicklungsträger Region Luzern West kommen massive finanzielle Herausforderungen zu: Vor einem Jahr wurde der Planungsbericht über die Regionalentwicklung im Kantonsrat zur Kenntnis genommen. Einer der zentralen Punkte darin: Künftig erhalten alle vier Gemeindeverbände gleich hohe Beiträge vom Kanton. Für die Region West bedeutet dies eine Kürzung von 370 000 auf jährlich 100 000 Franken (siehe Grafik).

Nun zieht man bei der Region Luzern West die Konsequenzen. Zum einen reduziert man die Anzahl der Kernaufgaben. Zum anderen verlangt man von den 28 Verbandsgemeinden eine Beitragserhöhung von 2 Franken auf neu 8.50 Franken pro Kopf.

Kernaufgaben werden neu definiert

Bisher betrieb die Region Luzern West Standortförderung durch das Ausüben einer breiten Palette von Aufgaben. Nun will man sich auf sechs Kernaufgaben konzentrieren. Es sind dies: wirtschaftliche Entwicklung, Verkehr, Raumplanung, Vollzug von Förderinstrumenten, öffentliche Finanzen und Kultur.

Andere Aufgaben wie Energie, Bildung, Gesundheit oder Tourismus sollen nicht mehr aktiv bearbeitet werden. Die heutigen Arbeitsgruppen dieser Themenfelder will man in «Netzwerke» umfunktionieren. In der Praxis heisst dies, dass man sich einmal jährlich austauscht, statt sich mehrmals jährlich zu konkreten Gesprächen zu treffen. Durch diese Priorisierung der Aufgaben sollen rund 140 000 Franken eingespart werden.

Das wirft Fragen auf. So ist beispielsweise in der Region Entlebuch der Tourismus durchaus ein wichtiges Thema. So wurde 2010 in Sörenberg ein Reka-­Feriendorf eröffnet – nicht zuletzt durch die Unterstützung der Region Luzern West. «Das ist absolut der Fall», sagt Wendelin Hodel, Präsident von Region Luzern West und Stadtammann von Willisau. «Allerdings sind gerade Tourismusregionen wie etwa Sörenberg-Flühli mit eigenen Tourismusvereinen schon gut aufgestellt. Aber auch Vereine wie Pro Wiggertal übernehmen schon heute Tourismusförderung. Es sind solche Doppelspurigkeiten, die wir konsequent aufheben wollen», sagt Hodel.

Die volle Wucht der Mittelreduktion trifft den Gemeindeverband erst im kommenden Jahr. Grund dafür ist eine Übergangsfinanzierung des Kantons, die den Effekt für die Jahre 2016 und 2017 abfederte. Zudem wurde das Eigenkapital angezapft.

Dennoch: Die noch verbleibende Finanzierungslücke von 130 000 Franken soll durch die angesprochene Erhöhung der Beiträge gedeckt werden. Die 28 Trägergemeinden bestehen aus insgesamt rund 67 000 Einwohnerinnen und Einwohnern.

Um die zukünftigen Erwartungen der Gemeinden an den Entwicklungsträger zu erfassen, wurden Ende 2016 mehrere Workshops durchgeführt. Dort sei die Möglichkeit einer Beitragserhöhung bereis angesprochen worden, sagt Wendelin Hodel. «Wir haben im Nachzug zu den Workshops eine Vernehmlassung durchgeführt. Darin wurde auch die Frage zur nun vorgeschlagenen Beitragserhöhung gestellt.»

Am 26. Juli findet die Delegiertenversammlung des Gemeindeverbandes in Zell statt. Dort traktandiert sind sowohl der neue Aufgabenkatalog wie auch die vorgeschlagene Beitragserhöhung. Verbandspräsident Hodel ist zuversichtlich, dass diese Zustimmung finden wird: «Aus den Antworten zur Vernehmlassung wird ersichtlich, dass eine Mehrheit der Trägergemeinden die Massnahme akzeptiert und als richtig empfindet.»

Idee Seetal: Keine Beitragserhöhung

Der zweite Entwicklungsträger, der von der Kürzung der kantonalen Mittel betroffen ist, ist die Idee Seetal. Sie vertritt 10 Gemeinden. Die Idee Seetal musste eine Reduktion der Mittel um 130 000 Franken hinnehmen. «Wir sind im gleichen Prozess wie die Region Luzern West», sagt Fredy Winiger, Präsident der Idee Seetal, auf Anfrage. «Wir haben ähnliche Workshops mit unseren Verbandsgemeinden durchgeführt und sind im Prozess, unsere Ausrichtung neu zu definieren.» Eine Erhöhung der Gemeindebeiträge sei derzeit jedoch keine Option, sagt Winiger.

Ismail Osman

ismail.osman@luzernerzeitung.ch