STANSSTAD: GSoA fordert Abbruch der Réduit-TV-Sendung

«Alpfenfestung», das Living-History-Projekt des Schweizer Fernsehens, soll gestoppt werden. Dies fordert die Gruppe für eine Schweiz ohne Armee (GSoA).

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Nationalrat Josef Lang, hier während eines Interviews. (Bild Ana Birchler-Cruz/Neue ZZ)

Nationalrat Josef Lang, hier während eines Interviews. (Bild Ana Birchler-Cruz/Neue ZZ)

«Die GSoA ist entsetzt darüber, dass der Réduit-Mythos und die damit verbundene Geschichtslüge, die Armee hätte uns vor den Nazis gerettet, durch das öffentlich-rechtliche Fernsehen wiederbelebt wird», heisst es in einer Medienmitteilung.

Alternativsendung zur selben Zeit
Die Gruppe fordert das Schweizer Fernsehen «aus Respekt gegenüber den Opfern der Schweizer Kriegsmaterialexporte, Kreditvergaben und Flüchtlingspolitik» aus, die «Réduit-Farce» sofort abzubrechen. Die ideale Sendezeit soll stattdessen für Berichte über die menschlichen Schlüsselfragen, beispielsweise das Schicksal jüdischer Flüchtlinge, zur Verfügung gestellt werden.

Bern kommt ins Spiel
Der alternative Zuger Nationalrat Josef Lang, Mitglied des GSoA-Vorstandes und Historiker, werde auf die September-Session hin eine dringliche Interpellation zum Auftritt des Verteidigungsministers an der Grossveranstaltung zum 70. Jahrestag des Ausbruchs des Zweiten Weltkriegs wie auch zur Geschichtspolitik des Schweizer Fernsehens machen.

scd

Lesermeinungen

05:44 – Ein weiterer Versuch von Josef Lang, die Schweiz zu «demontieren». Schwach, erfolgslos und beschämend.
Roli Hammer, Zürich

29.07.2008, 04:15 – Ich glaube kaum, dass die GSoA sicher mit der ganzen Materie, der Experimente von SF DRS richtig befasst hat. Wenn sie das nämlich hätte, wäre sie oder hätte sie einsteigen müssen bei «Gotthelfs Zeiten» oder bei den Sendungen der Darstellungen vom Handeln in einem Internat vor 50 Jahren. Warum hat sie das Leben der «Pfahlbauer von Pfyn» nicht bekämpft? Also Herr Jo Lang, wo waren Sie damals, als der Lehrer des «Internats» eine Schülerin gequält hat? Ach ja, das hat natürlich nichts mit der Armee zu tun. Ist doch alles klar, oder Herr Lang? Aber jetzt machen Sie mit Ihrer Organisation einen Riesenaufstand, schiessen mit Kanonen auf Spatzen, wegen dieser Darstellung der Armee vor 65 Jahren, warum Herr Lang? Besteht vielleicht die Möglichkeit, dass Sie glauben, dass vielleicht Jugendliche diese Sendungen sich auch ansehen und dann feststellen müssen: Es kann doch heute gar nicht mehr so schlimm sein, wie es damals war? Ach ja, liebe GSoA, man muss auch eine oder mehrere Niederlagen akzeptioeren können.
Johnny Betschart

20:25 - Ich bin prophylaktisch gegen diese Sendung. Der Begriff «Alpfenfestung» ist mir nicht bekannt, wer weiss vielleicht ist es ansteckend?
Beat Blaser, Unterägeri

18:23 - Ich finde, die Sendung gibt einen guten Anstoss, um sich fair und ehrlich mit der Schweiz im Zweiten Weltkrieg zu beschäftigen. Vielleicht wurde dazu in der Vergangenheit ein übertriebener, selbstherrlicher Mythos gepflegt. Aber die Verleumdungen der Bergier-Kommission und ein gewisser Links-aussen-Politiker haben auch nicht wirklich viel mit einer verantwortungsvollen historischen Analyse gemeinsam. Etwas was ein Historiker nie tun darf, ist das Verhalten früherer Generationen mit dem heutigen Wissen und nach heutigen Massstäben zu beurteilen! Genau das hat diese seltsame Kommission getan! Sie geht z.B. von der Grundvoraussetzung aus, dass die Schweiz niemals wirklich durch Hitler-Deutschland oder Mussolini-Italien bedroht war. Zwei Staaten notabene, die einen Grossteil Europas überrollt haben und sich nie um irgendwelche Neutralitäten gekümmert haben, wenn es ihnen einen Vorteil brachte. Das ist einfach absurd! Es ist ein geschichtlicher Fakt, dass Mussolini die italiensch-sprachigen Gebiete der Schweiz als sein Territorium beansprucht hat. Mussolini hat Karten gezeichnet, in denen die Schweiz bereits zwischen Italien und Deutschland aufgeteilt war. Es gäbe noch unzählige weitere solcher Beweise. Es ist schon bedenklich, wenn eine staatlich finanzierte Kommission solche Dinge einfach ignoriert und bewusst von falschen Grundvoraussetzungen ausgeht!
Markus Reinhard, Einsiedeln

17:17 – Freunde herrscht, da spielen ein paar Leute.... sagen wir dem mal «Indianerlis»..! Wieso zeigt man nicht die Leute, welche eingepfercht in Zügen durch die Schweiz reisen mussten, um dann irgendwo in einem Lager zu verschwinden? Ich denke, wenn man die Tageschau sieht und all die Kriegswirren, sei es in Afrika oder wo auch immer auf der Welt, wäre es realistischer, jenen die Aufmerksamkeit zu schenken und auch etwas dagegen zu tun! Ach, wie tun mir die Leute leid, die jetzt keine Sonne, keinen Fernseher, kalte Duschen et cetera ertragen müssen und sicher nur auf eines warten... nämlich da wieder rauszukommen! Von den Kosten nicht zu sprechen. Ganz einfach ein absoluter Blödsinn!
Armin Ringeisen, Luzern

17:10 – Viele Normalverbraucherinnen und -verbraucher lebten zur Zeit des Dritten Reiches fraglos in Angst und Schrecken, weil ihnen wichtige Informationen vorenthalten worden sind und behörden- und wirtschaftsseits nicht Vertrauen bildend kommuniziert worden ist. Mir wäre wichtig, mit den unerträglichen Mythen aufzuräumen und endlich transparent zu machen, wie die Schweiz mit Nazi-Deutschland Handel trieb und als Waffenlieferantin, zuverlässige Transitpartnerin und Drehscheibe für den Devisenhandel dem Regime zudiente. «Das Boot ist voll» gehört zu den himmeltraurigsten Kapiteln der angeblich humanitären Tradition der Eidgenossenschaft - nicht nur gegenüber Jüdinnen und Juden. Der Réduit-Sauglattismus von SF DRS ist nur peinlich.
Peter M. Wettler, Dietikon

16:39 – Schon komisch, wie viele Leute sich über eine Tatsache unserer Geschichte aufregen können. Ich finde diesen Beitrag zur Verdeutlichung, wie zu dieser Zeit gelebt wurde, sehr hilfreich zum besseren Verständnis für die heutige Generation. Was alternativ Beiträge betrifft, so sollte man wohl vorteilhafter die aktuellen Geschehnisse im nahen Osten besser beleuchten, als Themen, welche, so furchtbar sie auch waren, zum hunderttausendsten Mal vorzuleiern. Diese kennt man ja wirklich mittlerweile auswendig, falls man nicht ein kompletter Ignorant ist.
Franz Sigrist, Hochdorf

16:08 – Es ist schon merkwürdig, wie sehr sich das Schweizer Fernsehen plötzlich für die längst vergangenen Kriegszeiten interessiert. So ist es auch beinahe schon peinlich, auf welche Art und Weise ein so genannter «Kommandant» ausgesucht wurde. Es scheint kein Thema mehr zu geben, vor dem die Presse – sprich das Schweizer Fernsehen –, Halt machen würde. Diese «Sommerserie», wie sie genannt wird, soll Zuschauer vor das TV-Gerät locken. In grossem Aufwand wurde alles vorbereitet und für die Ausstrahlungen in Szene gesetzt. Dabei wurden – und werden auch die drei Wochen lang – grosser finanzieller Aufwand betrieben. Keiner der Teilnehmer (Wehrmänner und «Bäuerinnen») war jemals in den Kriegsjahren mit dabei. Es drängt sich mir unweigerlich ein Wort auf, welches sich «Spiel und Zeitvertrieb» nennt. Erwachsene Männer «proben» «realistisch», wie's denn damals zu und her gegangen sein soll/muss. Der realistische, damalige Stress fehlt ganz einfach, er kann niemals nachempfunden/nachvollzogen werden. Zur Beantwortung Ihrer Frage: Ein klares Aus für so ein unrealistisches Spiel.
André Fanger, Hergiswil

15:59 – Zum Glück hat Herr Lang (wie auch ich) nicht in dieser schwierigen Zeit gelebt. Nach Erzählungen von meinen Eltern und Grosseltern mussten sie auf sehr vieles verzichten und mancher Tag mit einem hungrigen Bauch schlafen gehen. Schade, dass die GSoA für diese Generation kein Verständnis aufbringt und immer alles unter dem Mantel «wir Schweizer können uns das leisten» für andere Bevölkerungsgruppen auftreten. Betreffend Juden – siehe Gaza und Palästina. Ich glaube, da erübrigt sich jeder Kommentar.
Irène Achermann, Kriens

15:52 – Ist auf jeden Fall gerechtfertigt. Kriegshandwerk sollte ganz generell nicht als etwas Heroisches in den Massenmedien dargestellt werden. Vielmehr sollte endlich ins Bewusstsein gerückt werden, welche Unternehmen direkt bzw. indirekt mit der Produktions von Kriegsmaterial oder der vergabe von Krediten bzw. der Verwaltung von Geldern in der Schweiz Geld verdient.
Robert Lippuner-Zheng, Altstätten

15:36 – Es stimmt, dass die offizielle Schweiz sich nicht nur vorbildlich benommen hat in dieser schwierigen Zeit. Jedoch ist es nicht an unserer Generation zu urteilen, was richtig oder falsch war. Wir alle wissen nicht, ob und was wir in derselben Situation getan hätten. Es ist immer einfach, aus der sicheren Distanz zu urteilen. Am wenigsten haben sicherlich die Soldaten an der Front und die Frauen zuhause an dieser Politik beigetragen. Ihnen gebührt der Dank vieler. Mag sein, dass die Sendung nicht ganz den damaligen Zeiten entsprechen kann, zum Glück. Doch ist es sicherlich auch für viele junge Menschen interessant zu sehen, wie das Leben damals unter diesen Umständen war. Danke dem Fernsehen für die Möglichkeit, diese Zeit, wenn auch im sicheren Haus, miterleben zu dürfen.
Daniel Coray, Sarnen