Starke Zunahme von Gerichtsfällen

Streitigkeiten enden im Kanton Luzern immer häufiger vor Gericht. Die Behörden kommen deswegen allmählich an den Anschlag.

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Immer öfter öffnen sich die Türen der Luzerner Gerichte. (Symbolbild Corinne Glanzmann/Neue NZ)

Immer öfter öffnen sich die Türen der Luzerner Gerichte. (Symbolbild Corinne Glanzmann/Neue NZ)

Es ist ein Phänomen, das in diesem Ausmass in der Zentralschweiz nirgendwo zu beobachten ist: «Die Fälle an unseren Gerichten haben im ersten Halbjahr 2012 im Vergleich zur Vorjahresperiode um 13,5 Prozent zugenommen», sagt Karl Meier. Effektiv sind das 570 Fälle. Meier ist Präsident der erstinstanzlichen Gerichte des Kantons Luzern. Dazu gehören die vier Bezirksgerichte Luzern, Kriens, Hochdorf und Willisau, das Zwangsmassnahmengericht sowie auch das Arbeits- und das Kriminalgericht.

«Noch nie erlebt»

Normalerweise verzeichnen diese Gerichte laut Meier Schwankungen von 1 bis 2 Prozent. «Aber eine solche Situation habe ich noch nie erlebt.» Da vom Anstieg unterschiedlichste Verfahrensarten betroffen sind, kann kaum eruiert werden, woran es genau liegt. Präsident Meier geht deshalb von einem «gesellschaftlichen Phänomen» aus, wie er im Interview mit unserer Zeitung sagt. «Die Leute sind streitsüchtiger geworden, verharren mehr auf ihrem Standpunkt als früher. Familiendifferenzen und Probleme zwischen Vertragspartnern werden viel schneller vor Gericht gebracht.» Vor dem Luzerner Arbeitsgericht beispielsweise werde immer häufiger über Löhne, ja sogar über einzelne Passagen in einem Arbeitszeugnis gestritten. Karl Meier warnt: «Wenn die Zunahme von Eingängen und Pendenzen über Jahre anhält, kollabiert unser System.»

Pascal Imbach

Ein ausführliches Interview mit Karl Meier lesen Sie am Diensteg in der Neuen Luzerner Zeitung oder als AbonnetIn kostenlos im E-Paper.