START-UP: Nach der Kreativarbeit wird angepackt

Vor allem ihre Hosenträger sorgen für Aufsehen. Hinter dem Erfolg steckt harte Arbeit. Jetzt ist das Luzerner Modelabel Treger an der Designmesse in Basel mit dabei.

Bernard Marks
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Sie sind erfolgreich mit Hosenträgern und anderen Design-Kleidungsstücken: Markus Elmiger und Anna de Weerdt in ihrem Laden an der Bruchstrasse in Luzern. (Bild Manuela Jans)

Sie sind erfolgreich mit Hosenträgern und anderen Design-Kleidungsstücken: Markus Elmiger und Anna de Weerdt in ihrem Laden an der Bruchstrasse in Luzern. (Bild Manuela Jans)

Hunderte von Stoffballen liegen in den Regalen des Ateliers Treger in Luzern. Eine alte englische Waage mit der Aufschrift «Kensington Station» hängt an der Wand – stilvoll. Auf grossen weissen Tischen liegen zahllose Schnittmuster. Schnell wird klar: In diesen Räumen wird viel geschafft. «Wer kreativ sein will, darf keine harte Arbeit scheuen», sagt die 30-jährige Anna de Weerdt. Die junge Designerin hat vor drei Jahren mit ihrem Partner Markus Elmiger (35) den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt. Mit durchschlagendem Erfolg: «Heute sind wir fast das ganze Jahr mit Aufträgen ausgebucht», sagt Anna de Weerdt.

Träger in Luzern hergestellt

Bekannt geworden ist das Designerpaar mit seinen selbst entworfenen Hosenträgern. Diese werden in reiner Handarbeit im Luzerner Atelier hergestellt. Jeder Träger – ob elastisch oder aus Stoff – ist eine Eigenkreation. Die Verbindungsstücke sind aus feinstem Lammleder gefertigt. Die designten Halter werden bereits in rund 30 Geschäften in der gesamten Schweiz angeboten. Unter anderem verkaufen Globus und auch das Modehaus Schild das gestylte Kleidungsstück aus Luzern. Auch die selbst entworfenen und auf Mass geschneiderten Anzüge und Kleider von Anna de Weerdt sind derzeit gefragt. «Wir haben so viel Anfragen von Kunden, dass wir bald eine weitere Person einstellen könnten», freut sich Anna de Weerdt. So ist das Paar in der Lage, eine Schneiderin zu beschäftigen.

Nebenjob als Elektriker

Doch der Erfolg für das Modelabel Treger fällt nicht vom Himmel. Auf rund 70 Stunden Arbeitszeit kommt allein die gelernte Schneiderin Anna de Weerdt. Anproben mit Kunden können sich über Stunden hinziehen. Schliesslich sollen die Massanzüge genau sitzen. «Oft kommen die Kunden drei- bis viermal zum Anprobieren», sagt Anna de Weerdt.

Viel Zeit für den kreativen Prozess bleibt im gesamten Ablauf des kleinen Start-ups aber nicht. Viele organisatorische Dinge sind zu erledigen. Das beginnt beim Einkauf und endet beim Versand der zahlreichen Päckchen mit Sachen, die Kunden im Onlineshop bestellt haben.

Die finanzielle Belastung ist für ein Start-up dieser Grössenordnung enorm. Mieten, Gehälter und alle Lieferanten wollen rechtzeitig und oftmals im Voraus bezahlt sein. «Manchmal kommt es mir vor, als sei unser Atelier ein finanzieller Durchlauferhitzer», sagt Anna de Weerdt mit einem Lachen. Das Geld kommt reichlich herein und fliesst aber schnell wieder hinaus. Auch Markus Elmiger nimmt sich nach getaner Arbeit im Atelier noch die Zeit, um als Elektriker auf dem Bau zu arbeiten. Denn trotz der vielen Aufträge reichen die Erträge noch nicht, um sich zurückzulehnen. «Wir brauchen derzeit noch ein festes Einkommen, welches uns Sicherheit bietet, damit wir die Festkosten abdecken können», sagt Elmiger. Das meiste investiere man wieder in das Label.

Viel beachtete Designmesse

Die Messe Blickfang Basel ist eine internationale, viel beachtete Designmesse für Möbel, Schmuck und Mode. Sie startet heute in Basel und endet am Sonntag. 130 Designer werden dort ihre Entwürfe vorstellen. Traditionellerweise stehen bei der Messe die Designer persönlich am Stand. So haben die Besucher die Möglichkeit, die Hintergründe des Entwurfs bis ins Detail kennen zu lernen und zusätzlich zu neuen Lieblingsstücken auch ungewöhnliche Geschichten mitheimzunehmen. Neben dem Modelabel Treger ist auch die Luzerner Möbelfirma Neustahl mit dabei. Sie stellt Metallmöbel her.

Hinweis

Mehr Infos zur Messe gibt es unter www.blickfang.ch oder unter www.treger.ch und www.neustahl.ch