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STATISTIK: Malerberuf wird zunehmend weiblich

Kaum ein anderer Kanton weist im Malerberuf einen so hohen Frauenanteil auf wie Luzern. Hier liegt er bei 63 Prozent. Über die Gründe können selbst Branchenexperten nur mutmassen.
Niels Jost
Grund für den hohen Frauenanteil ist, dass der Beruf sein «Krampfer-Image» abgelegt hat. Trotzdem sagt Malerin Jenni Oppliger: «Ich mag die körperliche Arbeit.» (Bild: Boris Bürgisser (St. Erhard, 23. Januar 2018))

Grund für den hohen Frauenanteil ist, dass der Beruf sein «Krampfer-Image» abgelegt hat. Trotzdem sagt Malerin Jenni Oppliger: «Ich mag die körperliche Arbeit.» (Bild: Boris Bürgisser (St. Erhard, 23. Januar 2018))

Niels Jost

niels.jost@luzernerzeitung.ch

Es ist noch immer ein eher seltenes Bild: Frauen auf der Baustelle. Im Malerberuf wird das Klischee des männlichen Arbeiters allerdings nicht bestätigt. Zumindest nicht mehr. Denn im Kanton Luzern haben letzten Sommer 28 junge Frauen ihre Lehre als Malerin abschliessen – das entspricht einem Anteil von über 63 Prozent.

Der Trend nach einem immer höheren Frauenanteil zeigt sich auch im Zentralschweizer Ausbildungszentrum der Maler in Goldau: So waren bis 2004 Männer bei den Maler-Lehrlingen in der Überzahl. Seither ist der Frauenanteil auf über 61 Prozent gestiegen (siehe Grafik). Schweizweit liegt er bei rund 54 Prozent.

Arbeit ist weniger körperbetont

Über die hohe Quote ist selbst Gerold Michel «überrascht». Laut dem Präsidenten der «Luzernermaler», des Malerunternehmerverbands Luzern und Umgebung, zeichnet sich der Trend zwar schon seit Jahren ab. Dass im aktuellen Abschlussjahr ein solcher Spitzenwert erreicht wird, hat aber auch er nicht erwartet. Entsprechend schwer sei es, eine präzise Begründung für diese Entwicklung zu finden. «Maler gilt heute nicht mehr als ‹Krampf-­Beruf›», sagt er schliesslich. «Früher führten viele Maler auch noch Gipserarbeiten aus und mussten die 40 Kilogramm schweren Gipssäcke schleppen.» Das habe sich mittlerweile geändert. «Der Beruf ist nicht mehr so ­körperbetont.»

Zum einen gelten heute strengere gesundheitliche Richtlinien, die es beispielsweise verbieten, solch schwere Lasten zu tragen. Die Farbkessel fassen mittlerweile «nur» noch um die 18 Liter. Zum anderen hat sich auch die Arbeitstechnik entwickelt: «Einfacher zu handhabende Produkte oder Arbeitsverfahren wie das Spritzen machen die Arbeiten leichter», so Michel. Ähnlich sieht das Josef Lipp, Präsident des ­Malerunternehmerverbandes Luzern-Land. «Die Arbeitsbedingungen haben sich verbessert», stellt er fest. «Wir sind weniger giftigen Dämpfen ausgesetzt, da wir keine Lösungsmittel mehr in den Farben benutzen.»

Und was sagen die Frauen zur Entwicklung ihres Berufs? «Es ist schön, dass immer mehr Frauen einen handwerklichen Beruf ausüben», sagt Jenni Oppliger. Sie hat ihre Lehre als Malerin 2012 begonnen und den Entscheid seither «nie bereut», wie sie sagt. «Ich mag die körperliche Arbeit. Am Ende des Tages will ich spüren, was ich geleistet habe.» Zudem schätze sie die abwechslungsreiche Arbeit und dass man stets an einem anderen Ort tätig ist. Auch der Kontakt mit den Mitarbeitern und Kunden ist ihr wichtig. Jenni Oppligers Chef, Malermeister Josef Lipp, ergänzt: «Maler ist ein kreativer Beruf. Ich schätze, viele Frauen haben Freude am farblichen Gestalten.»

Frauen übernehmen häufiger Firmen

Doch nicht nur die Arbeit der ­Maler und Malerinnen per se hat sich in den letzten Jahren ent­wickelt. Auch die Ausbildung, wie Gerold Michel sagt: «Immer mehr Frauen wurde wohl bewusst, dass man auch als Malerin Karriere machen kann, etwa als Malermeisterin, Baustellen- oder Projektleiterin.» Michel und Lipp beobachten zudem, dass Frauen auch häufiger die Leitung einer Firma übernehmen – oder gar eines Verbandes, wie die ­aktuelle Besetzung des Innerschweizer Malerunternehmer-Verbands zeigt: Das Präsidium hat derzeit die Zugerin Elisabeth Bösiger inne. Lipp: «Das wäre vor 40 Jahren noch unvorstellbar gewesen.»

Die Geschlechter-Entwicklung ihres Berufs beäugen die beiden Verbandspräsidenten aber kritisch. Weder ein hoher Frauen- noch ein hoher Männeranteil sei förderlich: «Jedem Beruf tut ein gemischtes Team gut», sagt Gerold Michel. Doch wie bei vielen anderen handwerklichen Branchen sind auch die Maler um ­guten Nachwuchs froh – egal, ob Frau oder Mann. Der Fachkräftemangel sei bei den Malern aber noch nicht so dramatisch, sagt Michel. «Es scheint uns immer wieder zu gelingen, junge Menschen für unseren schönen und abwechslungsreichen Beruf zu begeistern.»

Frauen im Malerberuf in Prozent. (Bild: Martin Ludwig)

Frauen im Malerberuf in Prozent. (Bild: Martin Ludwig)

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