STATISTIK: Weniger Bewohner in Kriens und Horw

Die Gemeinde hat letztes Jahr 195 Einwohner verloren. Auch Horw zählt 25 Personen weniger. Doch mittelfristig wollen die Gemeinden stark wachsen.

Simon Bordier
Drucken
Teilen
«Mehr Menschen bedeuten auch mehr Infrastrukturprojekte», sagt Cyrill Wiget, Gemeinderat Kriens. (Bild: Pius Amrein  (Neue LZ))

«Mehr Menschen bedeuten auch mehr Infrastrukturprojekte», sagt Cyrill Wiget, Gemeinderat Kriens. (Bild: Pius Amrein (Neue LZ))

Simon Bordier

Emmen zählt seit 2015 erstmals über 30 000 Einwohner, wie die Gemeinde Ende letzten Jahres verkündete. Dies ist das auffälligste Beispiel für das Bevölkerungswachstum in der Agglomeration Luzern, das ebenfalls in der Stadt Luzern und in Ebikon spürbar ist. Auch Kriens und Horw haben in den letzten Jahren laufend Einwohner hinzugewonnen: Horw knackte 2009 die Grenze von 13 000 Einwohnern, Kriens 2014 jene von 27 000 Einwohnern. Doch 2015 haben beide Gemeinden im Vergleich zum Vorjahr Einwohner verloren: Horw 25, Kriens 195. Sind dies Vorboten einer Trendwende im Gebiet Luzern Süd?

Grosse Überbauungen abgerissen

Cyrill Wiget, Gemeindepräsident von Kriens (Grüne), spricht von «kurzfristigen Schwankungen»: «Wie viele Personen am Stichtag 31. Dezember 2015 in Kriens gelebt haben, hängt von vielen, teils kurzfristigen Faktoren ab.» Letztes Jahr seien grosse Wohnliegenschaften, etwa im Quartier Wichlern und am Sportweg, abgerissen worden, um Neubauten Platz zu machen. Dies sei ein möglicher Grund, warum die Einwohnerzahl wieder unter die Marke von 27 000 gesunken sei, so Wiget.

Die Bevölkerungsabnahme von 195 Personen ist hauptsächlich auf den negativen Wanderungssaldo zurückzuführen: 2015 sind 188 Personen mehr aus Kriens weggezogen, als neu hinzugezogen sind. Ein weiterer Faktor ist der Geburtenrückgang: Die Zahl der verstorbenen Personen lag um 7 höher als jene der Neugeburten.

30 000 Einwohner in Kriens?

Wiget rechnet jedoch damit, dass die Krienser Wohnbevölkerung in den kommenden Jahren stark wachsen wird. Die Prognose, dass die Gemeinde in 10 bis 20 Jahren 30 000 Einwohner zählen könnte, findet er «recht wahrscheinlich». Denn auf Gemeindeboden stehen mehrere Grossüberbauungen an: In den Gebieten Nidfeld und Mattenhof sind je 300 Wohnungen geplant, auf dem Pangas-Areal deren 60 und im Schweighofpark 600. Auch in der Überbauung Eichhof West und bei der neuen Saalsporthalle sollen Hunderte Wohnungen entstehen.

Knackpunkte bei dem Wachstum sind laut Wiget die Bewältigung des zusätzlichen Verkehrs sowie die finanzielle Steuerung. «Neubauten ziehen tendenziell gut situierte Personen an», meint er.

Doch die zusätzlichen Steuereinnahmen seien kein Garant für ausgeglichene Gemeindekassen. «Mehr Menschen bedeuten auch mehr Infrastrukturprojekte etwa im Schulbereich, was wiederum eine finanzielle Herausforderung darstellt», erklärt er.

Horw: Fast keine freien Wohnungen

Eine ähnliche Bevölkerungsentwicklung wie Kriens verzeichnet Horw. Die Gemeinde zählte Ende letzten Jahres genau 13 730 Einwohner – 25 weniger als 2014 und 26 weniger als 2013. «In Horw ist die Leerwohnungsquote nahe bei null», erklärt Gemeindepräsident Markus Hool (FDP). Personen, die neu nach Horw ziehen wollten, hätten auf dem Wohnungsmarkt «kaum eine Chance». «Auch junge Erwachsene, die aus dem Elternhaus ausziehen, finden in Horw oft keine Wohnung», sagt er. Zudem würden zurzeit verschiedene Altbauten saniert. «Aufgrund des Sanierungsumfangs mussten zahlreiche Bewohnerinnen und Bewohner die Wohnungen verlassen.»

Doch auch in Horw stehen grosse Bauvorhaben an: Im Ortskern konnten zu Jahresbeginn zwei Neubauten mit insgesamt 44 Wohnungen bezogen werden, in der Überbauung Horw Mitte sind 520 Wohnungen geplant. Zudem sollen in der Überbauung Stirnrüti bis 2019 rund 40 Eigentumswohnungen entstehen, in der Überbauung Wide im gleichen Zeitraum 36 Wohnungen. Bis 2030 dürfte Horw die Marke von 15 500 Einwohnern erreichen, meint Hool.

Einwohnerschwund in Adligenswil

Eine Ausnahme im allgemeinen Wachstumstrend bildet Adligenswil. Dort sind die Zahlen seit einigen Jahren rückläufig: Ende 2015 zählte die Gemeinde noch 5319 Einwohner gegenüber 5485 im Jahr 2010. Der Adligenswiler Gemeinderat möchte mit der neuen Ortsplanung, die 2014 verabschiedet wurde, neue Bauprojekte ermöglichen. Doch dagegen hat die Stiftung Landschaftsschutz Schweiz Beschwerde erhoben. Der Fall liegt zurzeit beim Bundesgericht.