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STATISTIK: Wo Luzern wächst – und darbt

Oberkirch ist die Gemeinde mit dem stärksten Bevölkerungswachstum. Am anderen Ende der Skala sind Hinterländer und Entlebucher Gemeinden. Nur im Mittelfeld landen die Agglogemeinden.
Bauboom in Oberkirch: In den letzten 25 Jahren verdoppelte sich die Einwohnerzahl beinahe. (Bild: Manuela Jans-Koch / Neue LZ)

Bauboom in Oberkirch: In den letzten 25 Jahren verdoppelte sich die Einwohnerzahl beinahe. (Bild: Manuela Jans-Koch / Neue LZ)

Lukas Nussbaumer

In Emmen, Kriens, Horw und Ebikon hat die Bevölkerungszahl in den letzten 25 Jahren um 17 bis 20 Prozent zugenommen. In absoluten Zahlen heisst dies, dass in den vier Agglogemeinden Ende des letzten Jahres 12 989 Menschen mehr lebten als 1991. Addiert, zählten Emmen, Kriens, Horw und Ebikon Ende 2015 knapp 84 000 Einwohner, etwas mehr als die Stadt Luzern. Oder anders ausgedrückt: In 5 von 83 Gemeinden wohnen 41,3 Prozent aller Luzerner.

Die Konzentration der Bevölkerung auf Stadt und Agglo soll sich künftig noch akzentuieren – so lautet das Ziel des Richtplans, der vom Kantonsrat im September 2015 verabschiedet wurde. Ländliche Gemeinden sollen sich bezüglich Neueinzonungen nur halb so stark entwickeln wie urbane oder Zentrumsgemeinden in der Landschaft, also zum Beispiel Hochdorf oder Willisau. Je stärker eine Gemeinde wachsen darf, desto tiefer soll zudem die maximale Bauzonenfläche pro Kopf sein. Das heisst, dass die Bevölkerungsdichte in den Wachstumsgemeinden höher ist als in ländlichen Gemeinden.

Durchschnitt: Plus 22,2 Prozent

Ein Blick auf die Bevölkerungsstatistik der letzten 25 Jahre zeigt jedoch, dass das Wachstum in Stadt und Agglo unterdurchschnittlich war. Schliesslich betrug die mittlere Bevölkerungszunahme im ganzen Kanton 22,2 Prozent, also leicht mehr als in den meisten Agglogemeinden. Ein Widerspruch zwischen den Zielen des Richtplans und der Realität? «Nein», sagt Kantonsplaner Mike Siegrist, «das grösste Wachstum in den Gemeinden findet künftig innerhalb der bestehenden Bauzonen statt. Die Zielwerte des Richtplans werden nur bei Neueinzonungen herangezogen.»

Dies erklärt, dass eine ausgesprochen ländliche Gemeinde wie Greppen, die laut Richtplan jährlich nur um maximal 0,5 Prozent wachsen dürfte, trotzdem stark zulegen konnte (siehe Grafik). Auch Gemeinden wie Gisikon im Rontal oder die Seegemeinde Weggis wuchsen mit jährlich 2,6 Prozent beziehungsweise 1,9 Prozent deutlich stärker als die im Richtplan angestrebten 0,75 Prozent pro Jahr.

Stadtflucht in 50er- und 60er-Jahren

Khanh Hung Duong, wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Lustat Statistik Luzern, ortet einen weiteren Grund für die unterdurchschnittliche Bevölkerungsentwicklung in den Agglogemeinden: «In den 50er- und 60er-Jahren war das Phänomen der Landflucht und der Agglomerationsbildung stark ausgeprägt. Nach 1970 verlangsamte sich dieses Wachstum und schlug im Falle der Stadt Luzern sogar in Bevölkerungsverluste um. Erst ab dem Jahr 2000 ist wieder ein Gegentrend feststellbar.»

Auffällig ist ferner, dass die Höhe der Steuerbelastung bei der Wahl des Wohnorts offensichtlich nur eine untergeordnete Rolle spielt. In der mit Abstand steuergünstigsten Luzerner Gemeinde Meggen betrug das jährliche Bevölkerungswachstum in den vergangenen 25 Jahren nämlich nur gerade 0,7 Prozent, lag also klar unter dem kantonalen Durchschnitt. Duong: «Ein eindeutiger Zusammenhang zwischen Steuerbelastung und Bevölkerungswachstum ist auch landesweit betrachtet nicht feststellbar.» Mindestens so wichtig wie die Höhe des Steuerfusses seien Kriterien wie das Wohnungsangebot, die Verkehrssituation, das Arbeitsplatzangebot und die Attraktivität für Familien.

Oberkirch: Konsolidierung angesagt

Viele und attraktive Arbeitsplätze, sehr gute Verkehrsanbindungen, schöne Wohnlage: Genau damit habe Oberkirch im letzten Vierteljahrhundert gepunktet, sagt Gemeindepräsident Ernst Roth. Mit ein Grund für das stärkste Wachstum aller 83 Luzerner Gemeinden – Oberkirch wuchs zwischen 1991 und 2015 um 85,8 Prozent – sei die Überbauung Haselmatte beim Bahnhof Sursee. Weil die Bautätigkeit in diesem Gebiet bald beendet sein wird, erwartet Roth in Zukunft eine Abflachung des Bevölkerungswachstums. «Diese Konsolidierung wird von unserer Bevölkerung auch gewünscht», sagt der am 1. Mai als Gemeindepräsident wiedergewählte CVP-Politiker. Im Richtplan wird Oberkirch als «Urbane Gemeinde an Zentrum» bezeichnet, die jährlich um maximal 1 Prozent wachsen soll. Mit «Zentrum» ist Sursee gemeint, das zwischen 1991 und 2015 bevölkerungsmässig um 19,8 Prozent zugelegt hat.

Luthern: Neue Wohnungen geplant

Auf die gegenteilige Entwicklung von Oberkirch blickt Luthern zurück: Die Hinterländer Gemeinde verlor in den vergangenen 25 Jahren 247 Einwohner, was einem Rückgang von 16 Prozent entspricht. Gemeindepräsident Beat Burri führt dies vorab auf den Strukturwandel in der Landwirtschaft zurück. Sorgen bereitet ihm dies nicht. «Das ist eine Entwicklung, die es zu akzeptieren gilt», sagt der CVP-Mann, der Ende August als Gemeindepräsident abtritt. Auch die Zukunft macht Burri kein Bauchweh. Neue Arbeitsplätze anzubieten, sei zwar schwierig. Durch den geplanten Bau von mehreren Wohnungen würde aber die Chance bestehen, dass Luthern zumindest nicht weiter Einwohner verliere.

In Luthern wohnen immer weniger Menschen – dank einer geplanten Überbauung soll sich das ändern. (Bild: Manuela Jans-Koch / Neue LZ)

In Luthern wohnen immer weniger Menschen – dank einer geplanten Überbauung soll sich das ändern. (Bild: Manuela Jans-Koch / Neue LZ)

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