Die Feldmusik Knutwil jubiliert: Statt zu konzertieren, lässt der Verein im Netz 100 Jahre Revue passieren

Inmitten von politischen Querelen gründeten am 31. März 1920 neun Männer eine liberale Musikformation: die heutige Feldmusik Knutwil. Ihre 100-jährige Geschichte lässt sich online nachverfolgen. 

Pascal Linder
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Die Feldmusik Knutwil entstand in einer Zeit voller politischer Verunsicherung. Ein Auszug aus der Heimatkunde von Knutwil 1967 besagt: «In den zwanziger Jahren wurde unsere Gemeinde unrühmlich bekannt durch leidenschaftliche Parteikämpfe zwischen den Konservativen und Liberalen!»

So präsentierte sich die Feldmusik Knutwil im Jahr 1930.

So präsentierte sich die Feldmusik Knutwil im Jahr 1930.

Bild: PD

Die politischen Spannungen in der Bevölkerung machten sich im Vereinsleben der 1868 gegründeten Musikgesellschaft Knutwil bemerkbar: Ein gemeinsames Musizieren der mehrheitlich konservativen Mitglieder mit der liberalen Minderheit war nicht mehr möglich. Am 31. März 1920 trafen sich die neun verstossenen liberalen Gesinnungsgenossen zur Gründungsversammlung einer liberalen Musikformation – der heutigen Feldmusik Knutwil. Das war der Beginn der inzwischen 100-jährigen Vereinsgeschichte. Heute sind diese politischen Beweggründe der Anfangszeit aber Schnee von gestern.

Musizieren auf hohem Niveau

«Bei uns steht ganz klar die Musik im Fokus», sagt Bernhard Hodel, 46, Präsident der Feldmusik Knutwil. «Obwohl wir ein typischer Dorfverein sind, haben wir den Anspruch, auf hohem Niveau zu musizieren.» Die Knutwiler nehmen regelmässig an Wettbewerben teil. Hodel, seit 1989 im Verein, sind einige Erfolge noch sehr präsent: «Bestens in Erinnerung bleibt mir der 3. Rang am Kantonalen Musikfest in Kriens in der ersten Stärkeklasse.»

Die Knutwiler konnten sich in den letzten Jahren in der ersten Stärkeklasse halten. Die Teilnahme am Schweizerischen Brass Band Wettbewerb gehört häufig zum Jahresprogramm des Vereins. Jedoch wird laut Hodel nicht nur anspruchsvolle Brass-Literatur gespielt, man pflege auch die Unterhaltungsmusik: «Wir waren 1987 einer der ersten Musikvereine, die ein ganzes Konzert nur der Unterhaltungsmusik widmete», so Hodel. Unvergessen bleiben legendäre Mottoshows wie zum Beispiel «HD Läppli im Militär», «Musikantenstadl» oder «Eurovision Song Contest» in ausverkauften Hallen.

Jubiläumskonzerte verschoben

Aufgrund des Coronavirus mussten die geplanten Jubiläumskonzerte vom 27. und 28. März abgesagt werden. Präsident Hodel bedauert dies: «Es ist schade, wir wären mit einem tollen Programm bereit gewesen.» Doch man habe bereits einen Plan B und C: Entweder finden die Konzerte mit der Fahnenweihe Ende Oktober statt – oder sie werden auf das nächste Jahr verschoben. Bernhard Hodel verweist zudem auf die Jubiläums-Internetsite: Auf www.anno1920.ch werden die Geschichte des 100-jährigen Vereins erzählt und seine Mitglieder sowie die musikalischen Aktivitäten vorgestellt. Täglich erscheinen dort bis zum 31. März, dem Gründungsdatum, neue Beiträge.

Wichtige Nachwuchsförderung

Die Feldmusik Knutwil zählt heute 35 Mitglieder. 10 Musikantinnen und 25 Musikanten bilden das Ensemble. Die Nachwuchsförderung habe bei der Brass Band Feldmusik Knutwil seit jeher eine hohe Priorität, sagt Bernhard Hodel: 

«Wir fördern und unterstützen die Jungen, damit der Verein auch künftig genügend Nachwuchs hat.»

Rund zehn Jahre lang führte die Brass Band Feldmusik Knutwil sehr erfolgreich eine eigene Juniorband, bis 1999 die Jugend Brass Band Hürntal gegründet wurde. Dies ist eine nutzbringende Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Blasmusikvereinen der Region: Die Musikgesellschaften Dagmersellen, Geuensee und Knutwil sowie die Brass Bands Uffikon-Buchs und eben die Feldmusik Knutwil tragen diese Jugendformation gemeinsam. Hodel sagt: «In dieser Jugendband spielen Nachwuchstalente aus all den verschiedenen Vereinen zusammen und erleben so gemeinsam das sinnvolle und schöne Hobby Blasmusik.»

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Monika Van De Giessen