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Weniger Stau in der Stadt Luzern – so funktioniert es

Während die Politik intensiv über Verkehrsprobleme und damit verbundene Megaprojekte streitet, macht die Hirslandenklinik still und leise vor, wie sie gelöst werden können: Nur noch ein Bruchteil ihrer Mitarbeiter setzt aufs Auto – und das aus gutem Grund.
Lena Berger

Am Empfang der Hirslanden Klinik St. Anna hat es im Jahr 2015 begonnen, richtig ungemütlich zu werden. Es verging kaum ein Tag, an dem keine Beschwerden über die Parkplätze eingingen. Genauer gesagt: Deren Nicht-Vorhanden-Sein. «Patienten kamen zu spät zur Behandlung und Mitarbeitende zu spät zur Arbeit – weil sie im Parkhaus Runden drehen mussten. Es musste dringend etwas passieren», erzählt Andrea Dängeli von der Personalabteilung der Klinik.

Mehr Parkplätze? Das stand nicht zur Debatte

Der Ausbau des Parkhauses war für die Klinikleitung keine Option: Man scheute nicht nur die Kosten und die baulichen Herausforderungen, sondern wollte auch auf die Nachbarschaft Rücksicht nehmen und deshalb eine langfristig umwelt- und sozialverträgliche Lösung finden. In der Not wurde die Klinik St. Anna kreativ. Sie entwickelte zusammen mit dem Verkehrsverbund Luzern, der Stadt, der VBL und der SBB ein neues Mobilitätskonzept, das heute mit Recht als voller Erfolg bezeichnet werden darf.

Während vor vier Jahren noch fast die Hälfte der Mitarbeitenden mit dem Auto zur Arbeit gefahren ist, nimmt deren Anteil nun von Jahr zu Jahr ab. Aktuell ist noch rund ein Viertel der gesamten Belegschaft mit dem Auto unterwegs. Der weitaus grössere Teil kommt also zu Fuss, mit dem Velo oder mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Die Zahlen sind beeindruckend, wenn man sich statistischen Durchschnittswert vor Augen führt: Demzufolge wird der grösste Anteil der Tagesdistanz der Stadtluzerner Bevölkerung mit dem Auto zurückgelegt – nämlich 45 Prozent.

Vier Optionen stehen zur Wahl

Wie ist es der Hirslandenklinik gelungen, die Mitarbeitenden zum Umdenken zu bewegen? Die Antwort lautet: Mit einem grosszügigen Zuckerbrot und ein wenig Peitsche. Die Mitarbeitenden entscheiden einmal im Jahr, auf welches Verkehrsmittel sie setzen wollen. Arbeiten sie über 50 Prozent, winken ihnen die folgenden Vergünstigungen, bei einem Pensum zwischen 21 und 49 Prozent erhalten sie jeweils die Hälfte:

  • Zug/Bus: Die Klinik beteiligt sich an den Billett-Kosten mit einem Rail-Check im Wert von 500 Franken. Die meisten der Mitarbeitenden wohnen innerhalb der Passepartoutzone 10. Sie zahlen dann für ein Jahres-Abonnement nur noch 290 Franken.
  • Zu Fuss/Velo/Töff: Die Mitarbeitenden bekommen einen Gutschein für ein lokales Velo-, Motorrad- oder Sportbekleidungsgeschäft. Sie können sich also einmal im Jahr für 500 Franken zum Beispiel einen neuen Helm oder eine neue Regenjacke für den Arbeitsweg kaufen.
  • Mix: Wer im Winter beispielsweise immer mit dem Bus, im Sommer aber lieber mit dem Velo kommt, bekommt 250 Franken ans ÖV-Abo und einen 250 Franken-Gutschein für eines der bereits erwähnten Geschäfte.
  • Auto: Nur wer ausserhalb der Passepartoutzone 10 wohnt, darf mit dem Auto anreisen – das ist die einzige «Peitsche», die eingesetzt wird. Diese Mitarbeitenden haben Anspruch auf einen vergünstigten Parkplatz in der Nähe der Klinik – allerdings nicht im klinikeigenen Parkhaus, sondern zwei Strassen weiter.

Weil die Klinik in Zusammenarbeit mit dem Verkehrsverbund den erhöhten ÖV-Bedarf nachweisen konnte, hat die VBL den Takt der Busverbindung erhöhen können – und so die Verbindung attraktiver gemacht. Wer erst Feierabend hat, wenn keine Busse mehr fahren, darf sich zudem für einen symbolischen Betrag von fünf Franken mit einem Taxi nach Hause fahren lassen. Den Restbetrag übernimmt die Klinik. Daneben hat die Klinik auch in die Veloinfrastruktur investiert und zehn Ebikes angeschafft, die gratis genutzt werden dürfen.

Autofahrer sind in der Minderheit

Über 1000 der rund 1250 Mitarbeiter machen beim Mobilitätskonzept mit. Davon nutzen nun 49 Prozent den öffentlichen Verkehr, 17 Prozent kommen zu Fuss, mit dem Töff oder mit dem Velo, 10 Prozent haben die Mixoption gewählt und nur noch 24 Prozent setzen auf das Auto.

«Die Pünktlichkeit der Mitarbeitenden hat sich deutlich verbessert, das Parkhaus hat neue Kapazitäten, wir sparen CO2 und sind ein attraktiverer Arbeitgeber», fasst Projektmitverantwortliche Andrea Dängeli zusammen. Die Klinik lässt sich das rund 350 000 Franken jährlich kosten, was teils durch zusätzliche Einnahmen aus dem Parkhaus kompensiert wird.

Der Erfolg des Projekts zeigt, dass die Luzerner Arbeitgeber einen starken Hebel in der Hand halten, um die Verkehrsprobleme zu lösen. Der Ausbau der Infrastruktur – etwa des Durchgangsbahnhofs – wird aufgrund des Bevölkerungswachstums unumgänglich sein. «Es gibt aber viele Möglichkeiten, die Situation schon heute massiv zu verbessern», sagt Sarah Troxler, die im Auftrag der SBB im Passepartout-Gebiet entsprechende Firmenberatungen anbietet. Als zusätzliche Beispiele nennt sie Home-Office und die Einführung flexibler Arbeitszeiten. «Wir entwickeln in den Beratungen Konzepte, die ganz auf die jeweilige Firma zugeschnitten sind.»

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