Steinhof
Das Schulhaus im Luzerner Villenquartier polarisiert im Stadtparlament

Ja zum Schulhaus aus Holz – Nein zu Wohnungen für Reiche: Die Politik gibt den Planern an der Steinhofstrasse klare Aufträge.

Robert Knobel
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Sie liegt idyllisch zwischen Gigeliwald und den Stadtvillen des Bergli-Quartiers. Doch die Schulanlage Steinhof mit ihren 80 Primarschulkindern hat zwei Probleme: Erstens sind die beiden Schulgebäude durch eine Strasse voneinander getrennt, zweitens sind sie stark sanierungsbedürftig.

Übersicht über die Schulanlage Steinhof.

Übersicht über die Schulanlage Steinhof.

Screenshot Googlemaps

Beide Probleme sollen nun behoben werden: Die Schulanlage Steinhof 2 direkt am Waldrand soll bis 2026 saniert und erweitert werden. Im Gegenzug wird das kleinere Schulhaus Steinhof 1 abgerissen und durch eine Wohnüberbauung ersetzt. Das Luzerner Stadtparlament hat am Donnerstag einen Kredit von 1,25 Millionen Franken zur Lancierung eines Architekturwettbewerbs bewilligt.

Blick auf die Schulanlage Steinhof 2. Diese soll erneuert werden.

Blick auf die Schulanlage Steinhof 2. Diese soll erneuert werden.

Eveline Beerkircher

So unumstritten das Projekt an sich ist, so uneinig war sich das Parlament bei den Details. So brachte Barbara Irniger (Grüne) eine Forderung durch, dass der Erweiterungsbau überwiegend aus Holz gebaut sein soll. Unterstützt wurde dieses Anliegen der Grünen von SP und CVP. Ganz zum Missfallen von FDP, SVP und GLP. Rieska Dommann (FDP) ärgerte sich, dass das Parlament den Architektenteams vorschreiben will, wie sie zu bauen haben:

«Das Parlament soll Ziele definieren, nicht Massnahmen vorschreiben.»

Dommann verwies auf das in seinen Augen sehr gelungene Ausbauprojekt im Schulhaus St.Karli: «Hätte man dort Bauen mit Holz vorgeschrieben, wäre dieses gute Projekt nicht mehr möglich gewesen.» Mirjam Landwehr (Grüne) hielt dagegen: «Die Architekturbüros haben auch so noch genügend Optionen für individuelle Projekte.»

FDP will «finanzkräftige Bewohner» ins Quartier holen

Die FDP blitzte auch bei einem weiteren kontroversen Thema ab: Die Stadt plant nämlich, anstelle des abgerissenen Schulhauses Steinhof 1 eine gemeinnützige Wohnüberbauung zu erstellen. Gemeinnützige Wohnungen an einer doch ziemlich exklusiven Wohnlage mit Seesicht – «wäre es nicht ehrlicher, hochpreisige Wohnungen zu bauen, um finanzkräftige Bewohner anzuziehen?», fragte Marc Lustenberger (FDP). Mit dem Erlös aus dem Baurechtzins hätte man im Gegenzug anderswo den gemeinnützigen Wohnungsbau fördern können, so die Idee Lustenbergers. Doch die Mehrheit des Parlaments folgte der Überlegung des Stadtrats, der mit dem gemeinnützigen Wohnungsbau bewusst die soziale Durchmischung im Bergli-Quartier fördern will.

Zu reden gab auch der künftige Schülerhort im Steinhof. Gemäss den Plänen des Stadtrats sollen bis zu 60 Prozent der Primarschülerinnen und Primarschüler einen Hortplatz erhalten. Das wäre etwa die doppelte Kapazität davon, was Betreuungseinrichtungen in den meisten Stadtluzerner Schulhäusern aktuell aufweisen.

Die meisten Kinder sollen den Mittagstisch besuchen

Doch die Stadt verfolgt das Ziel, die Zahl der Plätze stark zu erhöhen. So wurde auch die anstehende Erweiterung des St.-Karli-Schulhauses auf eine Betreuungsquote von 60 Prozent ausgelegt. Ob dies genügt, ist gemäss Daniel Lütolf (GLP) fraglich. Die GLP ist auch Urheberin einer Motion, die 2019 überwiesen wurde. Darin wird gefordert, dass die Ganztagesschule zur Norm werden soll – entsprechend bräuchte es bei den Horten eine 100-Prozent-Abdeckung. Im Steinhof wolle man für ein solches Szenario gerüstet sein, sagte Baudirektorin Manuela Jost (GLP):

«Die Planerteams müssen im Rahmen des Wettbewerbs aufzeigen, wie eine Erweiterung der Betreuung auf 80 oder 100 Prozent der Schulkinder möglich wäre.»

Gemäss Jost geht es nicht allein um zusätzliche Räume. Wenn 80 oder 100 Prozent der Kinder den Hort besuchen, müssten die ganzen Abläufe innerhalb der Schulanlage darauf ausgerichtet sein.