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Stelleninserate per Du: Die Gemeindeverwaltung Emmen geht neue Wege

Die Gemeindeverwaltung Emmen hat intern offiziell die Du-Kultur eingeführt. Vom Lehrling bis zur Gemeindepräsidentin können neu alle einander per Du ansprechen. Neu heisst es auch: «Wir suchen dich».
Julian Spörri
Die Gemeindeverwaltung von Emmen. (Boris Bürgisser, 27. Februar 2019)

Die Gemeindeverwaltung von Emmen. (Boris Bürgisser, 27. Februar 2019)

Per 1. September 2019 führte die Gemeindeverwaltung Emmen intern offiziell die Du-Kultur ein. Vom Lehrling bis zur Gemeindepräsidentin gilt neu, dass alle einander per Du ansprechen. Stelleninserate werden zukünftig per Du formuliert und auch in Vorstellungsgesprächen wird das Du angeboten.

Die Idee dazu hatte die Personalkommission der Gemeinde Emmen. Deren Präsidentin Ingeborg Dannecker erklärt: «In den einzelnen Departementen wurde schon bisher per Du kommuniziert. Weil aber oft mit Personen aus anderen Departementen zusammengearbeitet wird, haben die Mitarbeitenden eine Vereinheitlichung gewünscht.» Der Gemeinderat hat dem Anliegen entsprochen. Das hat gemäss Dannecker mehrere positive Auswirkungen: «Die Gemeindeverwaltung wächst zu einer Einheit zusammen. Es fällt einem leichter, Mitarbeitende und Vorgesetzte aus anderen Departementen zu kontaktieren.» Zudem positioniere sich Emmen gegen aussen als moderne Gemeinde. «Wir springen auf den Zug der Zukunft auf», sagt Dannecker. «Der Verwaltung haftet generell etwas Schwerfälliges an. Mit dem gemachten Schritt wollen wir als Arbeitgeber gerade auch für junge Leute attraktiv sein.»

In den vergangenen eineinhalb Wochen habe sie nur positive Rückmeldungen erhalten, sagt Dannecker. Falls jemand die Du-Kultur nicht akzeptiere, müsste das Gespräch gesucht werden. Es sei nicht Ziel, nach der Vereinheitlichung bereits erste Ausnahmen zu machen.

Am Schalter und Telefon werden Kunden indes weiterhin per Sie angesprochen. Das Du sei Teil der internen Kultur, sagt Dannecker: «An diesem Punkt wurde eine klare Grenze gezogen.» Ramona Gut-Rogger wurde in stiller Wahl als neue Gemeindepräsidentin gewählt. Obwohl sie ihr Amt noch nicht angetreten hat, sagt sie: «Ich finde das ein guter Entscheid und bin gespannt auf die konkrete Umsetzung. Bisher habe ich Menschen, die ich neu angetroffen habe, jeweils zuerst gesiezt.»

So wird das Thema andernorts gehandhabt

In der Stadt Luzern gibt es keine Regelung für eine Du-Kultur: «Den einzelnen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist es überlassen, ob und wie schnell sie per Du sind», lässt der Luzerner Stadtrat ausrichten. In der Praxis sei sehr gut spürbar, dass heute bedeutend schneller und öfter das Du gelebt wird. Der Stadtrat begrüsst dies, sieht aber keinen Handlungsbedarf, die Du-Kultur vorzuschreiben.

Auch in Horw ist das Thema derzeit nicht aktuell. Welche Anredeform in der Gemeindeverwaltung verwendet werde, unterliege einer individuellen Handhabung, sagt Christian Volken, Kommunikationsverantwortlicher der Gemeinde Horw. Obwohl mehrheitlich die Du-Form verwendet werde, komme es zu Situationen, in denen per Sie miteinander gesprochen werde – beispielsweise mit Lehrlingen. Bei Stelleninseraten wird jene Anredeform verwendet, welche die betreffende Zielgruppe besser anzusprechen vermag.

In der Stadtverwaltung von Kriens wird grundsätzlich geduzt. Das Du in der Verwaltung zu pflegen, sei einer von acht Leitsätzen der Zusammenarbeitskultur, die in einem Workshop ausgearbeitet und gemeinsam mit den Mitarbeitenden verfeinert wurden. «Sie werden nun dem Krienser Stadtrat zur Verabschiedung unterbreitet», sagt Benedikt Anderes, Medienbeauftragter der Stadt Kriens. Stelleninserate seien aber in der Sie-Form verfasst.

Unternehmensberater Felix Frei stellt fest, dass immer mehr Firmen intern auf die Du-Anrede wechseln. Frei ist bei der Zürcher Beratungsfirma AOC tätig und hat an der Universität Bern in Organisationspsychologie promoviert. Zur aktuellen Entwicklung sagt er: «Wenn die Du-Kultur Ausdruck eines guten und kollegialen Verhältnisses ist, dann ist sie zu begrüssen. Sie ist aber keine Lösungsstrategie, um schlechte Verhältnisse in einem Unternehmen zu verbessern.» Werde die Du-Anrede beispielsweise von der Chefetage von oben herab bestimmt, dann sei dies Ausdruck einer übergriffigen Unternehmenshierarchie. Darum müsse die Einführung von den Angestellten mitgetragen werden. Sei dies nicht der Fall, so sollte die Du-Form freiwillig bleiben.

Auf die Befürchtung, dass die Du-Kultur zu einem Respektverlust führen könnte, erwidert Frei: «Respekt beruht nicht auf Formalitäten, sondern ist eine substanzielle Angelegenheit zwischen den Personen.»

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