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STERBEBEGLEITUNG: «Angebote zu wenig bekannt»

Immer mehr Personen benötigen eine Begleitung in der letzten Lebensphase. Doch dafür fehlen oft die nötigen Informationen und Ressourcen.
Palliative Care wird wegen der älter werdenden Gesellschaft immer wichtiger. (Symbolbild: Getty)

Palliative Care wird wegen der älter werdenden Gesellschaft immer wichtiger. (Symbolbild: Getty)

Interview Susanne Balli

Die Gesellschaft wird immer älter. In den nächsten 20 Jahren wird sich die Zahl der über 80-Jährigen im Kanton Luzern verdoppeln. Diese Tatsache wirkt sich auf die Zahl der Todesfälle aus. Waren es zwischen dem Jahr 2000 und dem Jahr 2010 jährlich rund 2800 Todesfälle im Kanton Luzern, steigt diese Zahl gemäss Bundesamt für Statistik bis ins Jahr 2035 um jährlich rund 1000. Mit dieser Entwicklung steigt auch das Bedürfnis nach Palliative Care (siehe Kasten).

Die Behörden haben den Handlungsbedarf erkannt und beschlossen, Palliative Care zu fördern. Im Kanton Luzern gibt es bereits ein grosses Betreuungsangebot für Schwerkranke und Sterbende. Jedoch weist die Versorgung Mängel auf. Der Verein Palliative Zentralschweiz will das Angebot verbessern. Dies unter anderem mit einer Wanderausstellung, die morgen startet. Rudolf Joss, Präsident des Vereins Palliativ Luzern, nimmt Stellung dazu:

Rudolf Joss, warum braucht es in unserer Gesellschaft Palliative Care?

Rudolf Joss*: Der Tod gehört zum Leben. Unsere Gesellschaft muss sich dieser Her­ausforderung stellen, damit wir alle diesen letzten Lebensabschnitt in Würde gehen können. Ein Sprichwort besagt: «Es sind die Lebenden, die den Toten die Augen schliessen; es sind die Toten, die den Lebenden die Augen öffnen.»

Es gibt zahlreiche Akteure und Anlaufstellen zum Thema «Palliative Care» in der Zentralschweiz, sodass es schwierig ist, sich zurechtzufinden. Ist das eine der Hauptschwachstellen?

Joss: Ja. Einerseits sind oft Angebote einzelner Akteure zu ­wenig bekannt, andererseits findet eine Vernetzung mit gemeinsamen Besprechungen oft nicht oder erst zu spät statt, nicht zuletzt aus Zeitmangel.

Wo gibts weiteren Handlungsbedarf?

Joss: Unter anderem bei der Information und der Öffentlichkeitsarbeit, bei der Weiter- und Fortbildung der Betreuer, aber auch bei der Sensibilisierung der Öffentlichkeit und der Politik, weil letztlich gute Palliative Care auch Arbeitszeit und damit Geld kostet.

Der Verein Palliative Zentralschweiz hat zum Ziel, mit der Ausstellung die Bevölkerung und die Politik für Palliative Care zu sensibilisieren. Ist das Thema noch zu wenig bekannt?

Joss: Ja. Zudem ist die Umsetzung in den einzelnen Kantonen noch sehr unterschiedlich. Während beispielsweise Luzern und Zug relativ weit sind, ist Palliative Care in Nidwalden und Uri praktisch noch inexistent.

Was braucht es, um Palliative Care flächendeckend anzubieten?

Joss: Man muss zuerst schauen, wo es noch grosse Versorgungslücken gibt. Während im Kanton Luzern die Stadt und die Agglomeration über Palliativstationen und mobile Palliative-Care-Dienste verfügt, sind die Angebote in ländlichen Gebieten viel spärlicher oder inexistent.

Sehr viel im Bereich Palliative Care wird über Freiwilligenorganisationen geleistet. Ist es ein Ziel, die Freiwilligenarbeit zu professionalisieren?

Joss: Die Freiwilligenarbeit in der Betreuung von Schwerkranken und Sterbenden ist ein unverzichtbarer Bestandteil, der nicht hoch genug geschätzt werden kann. Aber auch Freiwillige haben Anrecht auf eine bedarfsgerechte Aus-, Weiter- und Fortbildung. Diese Unterstützung muss professionell erfolgen. Gleichzeitig muss auch bei den Berufsleuten das Verständnis für die Kenntnisse in Palliative Care weiter gefördert werden. Es braucht also beide Schienen, die freiwillige und die professionelle.

Wo ist die Politik gefordert?

Joss: Im Gesundheitsgesetz des Kantons Luzern wie auch in den anderen Kantonen ist verankert, dass jeder Luzerner am Lebensende Anrecht auf eine angemessene Betreuung, Pflege und Begleitung hat. Die Politik muss gemeinsam mit der Öffentlichkeit und den Fachleuten dafür sorgen, dass diese Vorgabe auch umgesetzt werden kann, was nicht zuletzt eben auch die Zuteilung der nötigen Ressourcen beinhaltet.

Wie wird die Ausstellung finanziert?

Joss: Die Ausstellung wird auf der Ebene Zentralschweiz durch einen grosszügigen Beitrag der Albert Koechlin Stiftung und durch einen namhaften Beitrag einer pharmazeutischen Firma ermöglicht. Die einzelnen kantonalen Organisatoren haben zusätzliche Finanzierungsquellen erschlossen, zum Beispiel über den kantonalen Lotteriefonds, durch Vereinsvermögen oder durch weitere Sponsoren.

* Rudolf Joss (68) ist Präsident des Vereins Palliativ Luzern. Er war Chefarzt der Onkologie am Luzerner Kantonsspital und von 1989 bis 2014 Präsident der Krebsliga Zentralschweiz. Der Verein Palliativ Luzern ist ein auf Initiative der Caritas Luzern, der Krebsliga Zentralschweiz und der Luzerner Vereinigung für die Begleitung Schwerkranker erfolgter Zusammenschluss von an der Palliativmedizin interessierten und beteiligten Personen und Institutionen.

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