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Sterben will organisiert sein – diese Schwyzerin kümmert sich darum

Angela Villiger ist Bestattungsplanerin: Sie übernimmt alle Aufgaben rund um das Sterben – und nimmt es als Anlass, das Leben zu feiern.
Stephanie Zemp
Angela Villiger will dazu beitragen, dass man den Tod mit anderen Augen sieht. (Bild: Stefan Kaiser, Zug, 30. Januar 2019)

Angela Villiger will dazu beitragen, dass man den Tod mit anderen Augen sieht. (Bild: Stefan Kaiser, Zug, 30. Januar 2019)

Angela Villiger begleitet Menschen bei der Planung ihrer letzten Reise. Sie ist Geschäftsführerin der Firma Life Festival mit Sitz in Schwyz und Büroräumlichkeiten in Zug. Regelmässig pendelt Villiger nach Thun ins Sargatelier von Alice Hofer. «Praxis für angewandte Vergänglichkeit» steht in goldenen Lettern auf dessen Türe. Gemeinsam mit Hofer ermutigt Angela Villiger ihre Kunden, das Sterben als «Entfaltungsmöglichkeit» zu sehen.

Neben dem Eingang stehen Vitrinen mit verschiedenen Urnen. «Diese sind für die Seebestattungen», erklärt Villiger und zeigt auf weisse Gefässe in unterschiedlichen Formen. Die Urnen sind aus Lehm und ungebranntem Ton, damit sie sich im Wasser auflösen. «Die Asche eines Menschen wiegt drei bis vier Kilogramm, und wir empfehlen, diese deshalb nicht direkt in den See zu streuen», erklärt Villiger. Zwei Urnen sind als Fussbälle gestaltet. «Wir möchten zeigen, dass man sehr kreativ sein kann bei der Wahl des Aschegefässes», erläutert Villiger. Wer will, kann seine Urne auch selbst herstellen oder seinen Sarg bemalen.

Jüngste Kundin ist 30 Jahre alt

Selbstbestimmung schreiben die beiden Frauen gross: «Wir zeigen auf, was es alles zu erledigen gilt im Todesfall», berichtet Villiger. Die Kunden entscheiden dann, was sie selbst machen und was sie delegieren möchten. Villiger besucht ihre Klienten meist zu Hause und führt mit ihnen mehrere Gespräche. «Dies ist bereits ein Ritual», erklärt sie. Manchmal seien die Kinder oder andere Angehörige zugegen. «Wenn alle am Tisch sitzen, gibt das ein schönes Gefühl von Zusammenhalt», schildert Villiger. Bei Alleinstehenden sei die Erleichterung über die Unterstützung spürbar: «Eine 92-jährige Kundin hat mich einen Tag nach unserem Gespräch angerufen und gesagt, sie habe seit langem wieder eine Nacht durchgeschlafen», erzählt Villiger. Ihre jüngste Kundin sei 30 Jahre alt. «Sie ist als Lastwagenfahrerin einigen Gefahren ausgesetzt und hat erlebt, wie ihre Freundin nach akuter Krankheit im Spital starb», berichtet Villiger. Da habe sie gewusst, dass sie ihr eigenes Ableben und die damit verbundenen administrativen Belange selbst organisieren möchte.

Im Nebenraum liegt ein Sarg in der Form eines Cello-Kastens am Boden. Ein wichtiges Anliegen ist den beiden Frauen, den Tod mit anderen Augen zu sehen. «Es geht uns darum, das Leben zu feiern und auf die schönen Momente zurückzublicken», sagt Villiger. Sie selbst hat ihre eigene Totenfeier bereits durchgeplant. «Ich liebe das Kite-Surfen», sagt sie. Deshalb wünsche sie sich ein Fest am See, mit Würsten auf dem Grill und Yoga. Dem Tod blickt sie gelassen entgegen: «Ich finde es in Ordnung, weiterzugehen, auch wenn ich gerne lebe», so die 35-Jährige.

Ursprünglich hat die Schwyzerin tiermedizinische Praxis­assistentin gelernt. Bereits in der ersten Woche nach Lehrbeginn erlebte sie die Einschläferung eines Welpen. Der Tod habe sie schon seit ihrer Kindheit begleitet: «Mein Schulweg führte am Kerchel vorbei, wo die Toten aufgebahrt werden», erzählt sie. Deren Anblick habe ihr keine Angst gemacht, sondern Faszination und Neugier ausgelöst.

Auf einer Reise mit ihrer 85-jährigen Grosstante nach New York wurde der Samen für ihre jetzige Tätigkeit gesät: «Meine Grosstante bat mich, mit ihr ihren Lebenslauf zusammenzustellen», erzählt Villiger. Wieder zu Hause angekommen, zeigte ihr die alleinstehende Grosstante, wo sie welche Papiere aufbewahrt habe. «Da wurde mir klar, dass es bei uns kein Angebot gibt, das sich von A bis Z um die Aufgaben bei einem Todesfall kümmert», berichtet Villiger. Und so beschloss sie im Jahr 2014, die Life Festival GmbH zu gründen. In einem Magazin las sie vom Sargatelier in Thun. «Ich habe Alice Hofer geschrieben und ihr von meiner Geschäftsidee berichtet», so Villiger. Die beiden Frauen merkten sofort, dass sich ihre Angebote perfekt ergänzen. Auch auf menschlicher Ebene verstanden sie sich auf Anhieb. Und so gehen sie seit rund vier Jahren gemeinsame berufliche Wege. Villiger übernimmt vor allem administrative Aufgaben, Hofer die emotionellen und kreativen.

Mehr Infos: www.lifefestival.ch und www.alicehofer.ch

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