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STERNMATT: Mit dem Rollstuhl auf die Bäume

Der neue Rollstuhl-Abenteuerpark in der Rodtegg wird grösser und teurer. Highlight: ein Pfad in luftiger Höhe – falls das Geld zusammenkommt.
Luca Wolf
Luitgardis Sonderegger (gelbe Hose) inspiziert mit ihrem Team einen Baumwipfelpfad im Allgäu. Dieser ist mehrfach grösser als jener, der in der Rodtegg geplant ist. (Bild: PD)

Luitgardis Sonderegger (gelbe Hose) inspiziert mit ihrem Team einen Baumwipfelpfad im Allgäu. Dieser ist mehrfach grösser als jener, der in der Rodtegg geplant ist. (Bild: PD)

Jetzt liegt das Baugesuch für den rollstuhlgängigen Abenteuer- und Naturpark in der Rodtegg auf – mit vielen interessanten Details. Die private Stiftung für Kinder, Jugendliche oder Erwachsene mit körperlicher oder mehrfacher Behinderung hat mit dem Projekt Grosses vor. Auf einer Fläche von 2500 Quadratmetern sollen im Sternmattquartier ab Herbst sowohl die 170 Behinderten der Rodtegg als auch Quartierbewohner spielen können (Ausgabe vom 20. September). Speziell jene im Rollstuhl sollen so neue Möglichkeiten erhalten, sich zu vergnügen und auf bislang unbekannte Art die Natur zu entdecken. Der Park wäre in der Schweiz einzigartig.

300 000 Franken teurer

Verändert haben sich seit der Medienkonferenz im September die Kosten des Parks. Rechnete Rodtegg-Direktorin Luit­gardis Sonderegger damals noch mit Investitionen von rund 1 Million Franken, sind es nun knapp 1,3 Millionen. Alles privat finanziert. «Neu möchten wir auch einen etwa 15 Meter langen Baumwipfelweg realisieren», erklärt sie. Damit könnten die Rodteggler mit ihren Rollstühlen durch Baumwipfel fahren. «Wenn man im Rollstuhl sitzt, kann man diese Erfahrung sonst nie machen: Das Rascheln der Blätter zu hören, den Wind dort oben zu spüren.» Allerdings seien die Anforderungen etwa betreffend Sicherheit sehr hoch – und entsprechend teuer. Zur Not werde man dieses Angebot zurückstellen. Inspirieren liessen sich Sonderegger und ihr Team vom – um ein Vielfaches grösseren – Baumwipfelpfad «Skywalk» im deutschen Allgäu.

Schüler verzichtet auf Geschenk

Bezüglich Spendensammlung läuft es der Stiftung grundsätzlich gut. Laut Sonderegger sind bereits 1,1 Millionen Franken zusammen. «Wir haben zwei, drei sehr grosse Spenden erhalten, die enorm hilfreich sind.» Es seien jedoch auch viele kleinere, rührende Beiträge geflossen. Eine Spende hat die Rodtegg-Direktorin gar zu Tränen gerührt: «Einer unserer Schüler hat auf sein Geburtstagsgeschenk verzichtet und uns so 47 Franken für den Park überreicht.» Nun hoffe man, dass auch der restliche Betrag zu Stande komme.

Angst vor Einsprachen

News gibts auch bezüglich Zeitplan. Weil die Abklärungen zu den Anlagen und Geräten zeitintensiver waren als geplant, konnte erst jetzt das Baugesuch eingereicht werden. Eigentlich hätte dies schon Ende Jahr geschehen sollen. Ist der Eröffnungstermin vom 20. September gefährdet? «Unser Landschaftsarchitekt Christoph Wey aus Luzern ist zuversichtlich. Aber nur wenn es keine Einsprachen gibt», sagt Sonderegger.

Einsprachen könnten etwa Anwohner machen. Aber damit ist eher nicht zu rechnen. Denn schon heute treffen sich Jugendliche aus dem Quartier abends auf dem von Rodtegg-Bauten abgeschirmten Areal – was weitgehend reibungslos funktioniert. «Auch mit Vandalismus hatten wir noch nie Probleme», sagt Sonderegger. Den Abenteuerpark einzuhagen und abends abzuschliessen, sei keine Option. Man wolle die Anlage dem Quartier die ganze Zeit über offen lassen.

Eisfeld, Rennstrecke, Karussell

Die Knüller des Parks mit seinen rund 16 Anlagen und Installationen dürften nebst dem Baumwipfelweg werden:

  • Planschbecken/Eisfeld: Ein Planschbecken gibts bereits auf dem Rodtegg­areal. Jedoch entspricht es nicht den gesetzlichen Sicherheitsanforderungen und ist deshalb seit langem abgesperrt. Nun möchten die Park-Initianten ein neues, etwa 30 bis 40 Quadratmeter grosses Becken erstellen. Im Sommer soll in diesem geplanscht werden können. «Und Rollstuhlfahrer könnten hindurchfahren», so Sonderegger. Im Winter würde sich das Becken in ein Eisfeld verwandeln. «Wir sind aber noch am Überlegen, wie sich das alles unter maximaler Sicherheit realisieren lässt.»
  • Rollstuhlkarussell:Hier können je zwei Rollstuhlfahrer und zwei «Fussgänger» einparken und das Karussell von Hand in Schwung bringen.
  • Rollstuhlrennstrecke:Auf 60 Metern Länge werden sich hier die Rollstuhlfahrermessen können. Inklusive Boxenstopp mit Wasserkurbel zum Trinken.
  • Rollstuhlschaukel:Die bestehende ältere Schaukel wird aufgepeppt.
  • Brücke:Vom ersten Stock des Schulhauses bis zum Wohnbereich soll eine schwingende Brücke gebaut werden.

Behinderte vom PC weglocken

Stellt sich die Frage, ob die Schüler ob dieser Verlockungen nicht den Unterricht schwänzen? Sonderegger hat da keine Angst: «Bei Menschen mit einer körperlichen Behinderung ist es eine Herausforderung, sie weg vom PC/TV nach draussen zu locken. Denn das ist immer mit Aufwand wie Anziehen und körperlicher Anstrengung verbunden.»

Hinweis

Infos zur Stiftung Rodtegg unter www.rodtegg.ch

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