Horw: 38-Jähriger leitet das Betagtenheim

Nachtwache schieben, Salat rüsten, Wäsche sortieren: Der neue Horwer Kirchfeld-Leiter Marco Müller war in den ersten Wochen in jeder Abteilung tätig. Der erst 38-Jährige hat Grosses vor mit dem Betagtenheim, das in eine AG ausgelagert wurde.

Roman Hodel
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Der neue Leiter Marco Müller vor dem Gebäude Kirchfeld 1. (Bild: Pius Amrein (Horw, 7. August 2018))

Der neue Leiter Marco Müller vor dem Gebäude Kirchfeld 1. (Bild: Pius Amrein (Horw, 7. August 2018))

Ein «Grüezi!» hier, ein «Hallo zäme!» da – in der Eingangshalle des «Kirchfeld – Haus für Betreuung und Pflege» ist Marco Müller in seinem Element. Mit gewinnendem Lächeln begrüsst der neue Leiter des Kirchfeld vorbeihuschende Mitarbeiterinnen ebenso herzlich wie eine neueintretende Bewohnerin. Man könnte sich ihn ebenso gut als Gastgeber in einem Hotel vorstellen. Allerdings würde ihm dort wohl etwas Wichtiges fehlen: «Ich setze mich gern für Menschen ein, die Unterstützung brauchen», sagt der ausgebildete Sozialarbeiter mit einem Master in Sozialmanagement. «Das zieht sich wie ein roter Faden durch mein Leben.» Er war schon als Jugendarbeiter tätig, für die Aids-Hilfe Schweiz und zuletzt als Leiter einer Spitex-Organisation.

Mit verhältnismässig jungen 38 Jahren steht Marco Müller seit 1. Juli dem Horwer Kirchfeld vor. 160 Personen leben und 170 arbeiten dort. Er ersetzt Sabine Schultze, die nach 14 Jahren vorzeitig in Pension gegangen ist. «Es gab schon die eine oder andere Bemerkung von Bewohnenden, ich könnte ja ihr Grosskind sein», sagt Müller und schmunzelt. In den ersten Wochen habe er vor allem zugehört und vieles kennen gelernt: Abläufe, Mitarbeitende, Bewohnende. Hierfür leistete er Einsätze in jeder Abteilung. So begleitete Müller unter anderem eine Nachtwache, sortierte Berufskleider in der Wäscherei und servierte im Restaurant Menüs. Manche Bewohnende hätten gestaunt. «‹Toll, mir bringt sogar der Chef des Hauses das Dessert›, bekam ich zu hören.» Es entspreche seinem Führungsverständnis, sich für die konkrete Arbeit der Mitarbeitenden zu interessieren.

«Eine Mischung aus fordern und fördern»

Seinen Führungsstil beschreibt der Kirchfeld-Leiter als direkt, transparent, «eine Mischung aus fordern und fördern». Er habe einen hohen Anspruch an Mitarbeitende, unterstütze sie dann dafür auch beim Ausführen ihrer Tätigkeit. Die Stimmung in den «Kirchfeld»-Teams sei generell gut. Anders als im Stadtluzerner Betagtenzentrum Eichhof. Dort herrscht wegen eines Personalengpasses Unmut in Teilen der Belegschaft (wir berichteten). «Zum Eichhof möchte ich mich nicht äussern», sagt Müller. Nur so viel: «Wir haben in Horw seit sechs Jahren dieselbe Leiterin Pflege und sie macht einen guten Job.»

Tatsächlich aber sei qualifiziertes Pflegepersonal Mangelware. Und: Es bleibe immer weniger Zeit für die Betreuung der Bewohnenden, weil die Bürokratie zunehme. Ein Thema, das die Mitarbeitenden beschäftigt und dem sich Müller annehmen wird. «Ich habe viel Drive», sagt er. «Leute, die nur im gewohnten Tramp arbeiten wollen, fühlen sich vermutlich nicht so wohl in meinem Umfeld.» Er sei einer, der Veränderungen brauche und gerne Dinge weiterentwickle. Auch darum habe er sich um diese Stelle beworben.

«Leute, die nur im gewohnten Tramp arbeiten wollen, fühlen sich vermutlich nicht so wohl in meinem Umfeld.»

Im Kirchfeld wird sich in den nächsten Jahren in der Tat einiges verändern, vor allem baulich. Nach dem deutlichen Ja des Horwer Stimmvolks zur Auslagerung des Heims in eine gemeinnützige Aktiengesellschaft hat der neu gebildete Verwaltungsrat die strategische Leitung übernommen. Als AG kann das Kirchfeld schneller auf Veränderungen reagieren. So soll das Gebäude Kirchfeld 2 durch einen Neubau ersetzt werden. «Das heutige Altersheim hat eine schlechte Bausubstanz und entspricht räumlich nicht mehr aktuellen Bedürfnissen», sagt Müller. Ohnehin sei das klassische Altersheim immer weniger gefragt, dafür steige die Nachfrage nach speziellen Wohnangeboten beispielsweise für Betagte mit psychischen Erkrankungen. «Auch die im Kirchfeld 2 untergebrachte Demenz-Abteilung mit neun Plätzen reicht nicht mehr aus», sagt Müller. Bauliche Anpassungen sind überdies im Kirchfeld 1, dem Pflegeheim, vorgesehen – so plant man etwa mehr Einzelzimmer. Insgesamt sollen bis im Jahr 2022 fast 29 Millionen Franken investiert werden.

Für die Grünen im Luzerner Stadtparlament

Womit klar ist: Die Arbeit geht Marco Müller nicht aus. Dafür sorgen nebst den vielen Projekten im Job auch seine nebenberuflichen Tätigkeiten: Der 38-Jährige ist Lehrbeauftragter bei Curaviva, dem Verband der Schweizer Heime, und bildet dort Führungspersonen aus. «Da vernehme ich immer wieder spannende Dinge aus anderen Betrieben.» Zudem politisiert er seit zwei Jahren für die Grünen im Luzerner Stadtparlament, wo nicht selten Themen diskutiert werden, die Müllers Job betreffen – Beispiel Pflegefinanzierung. Dass er dies alles unter einen Hut bringt, kommt nicht von ungefähr: «Ich gelte als leistungsfähig und effizient – das haben mir Vorgesetzte in der Vergangenheit mehrfach attestiert», sagt Marco Müller. Charakterzüge, die ihm quasi in die Wiege gelegt wurden. «Ich bin auf einem Bauernhof im Entlebuch aufgewachsen, da gehört anpacken dazu – und – auch meine Mutter ist Bäuerin, Gemeinderätin und Versicherungsangestellte in einem.»