So viele Steuersünder wie nie zeigen sich an

644 Luzerner haben im letzten Jahr ihre Steuersünden selber gebeichtet – neuer Rekord. Die Erträge für die Staatskasse dagegen sind massiv gesunken. Das hat vorab einen Grund. 

Lukas Nussbaumer
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Die Zahl der Selbstanzeigen ist höher denn je. Symbolbild: Corinne Glanzmann (Luzern, 29. November 2018)

Die Zahl der Selbstanzeigen ist höher denn je. Symbolbild: Corinne Glanzmann (Luzern, 29. November 2018)

Von der Möglichkeit, einmal im Leben straflos eine Selbstanzeige einzureichen, haben 2018 so viele Luzerner Steuerzahler Gebrauch gemacht wie nie zuvor. 644 Personen griffen zu diesem Mittel, das 2010 landesweit eingeführt worden war. Das sind 149 Fälle mehr als 2017 (siehe Tabelle). Wer auf diesem Weg seine nichtdeklarierten Einkommen und Vermögen angibt, muss die Nachsteuer inklusive Zins auf maximal zehn Jahre zurück zahlen, erhält aber keine Busse. Die selbst angezeigten Vermögenswerte und die daraus entstehenden Erträge werden damit nachhaltig besteuert, tauchen also auch in künftigen Steuererklärungen auf.

So hoch die Zahl der Selbstanzeigen im abgelaufenen Jahr war, so tief lagen die Erträge. Mit 9,2 Millionen Franken – davon fliessen 7,6 Millionen in die Kassen von Kanton und Gemeinden – fielen sie deutlich geringer aus als noch 2017. Sie liegen aber auch markant tiefer als der Durchschnitt der vergangenen neun Jahre, der fast 12 Millionen Franken beträgt.

Selbstanzeigen und Ertragswerte seit 2010

Selbstanzeigen Gesamtertrag (in Mio. Fr.) Ertrag für Kanton/Gemeinden (in Mio. Fr.)
2010 272 10,3 8,7
2011 316 8,9 7,6
2012 265 14 12,5
2013 307 11,6 9,5
2014 372 13,1 10,6
2015 283 8,4 6,7
2016 421 16,3 12,6
2017 495 15,5 11,8
2018 644 9,2 7,6
2019 1028 14,3 11,7

Erträge sollen weiterhin sprudeln

Seit 2010 sind dank reuigen Steuersündern 87,6 Millionen Franken in die Kassen des Kantons und der Gemeinden geflossen. Und dieser Geldfluss soll nicht versiegen, wie Paul Furrer sagt. Der Geschäftsbereichsleiter bei der Dienststelle Steuern des Kantons Luzern erwartet auch für die kommenden Jahre «anhaltend hohe Fallzahlen». Grund dafür seien viele noch nicht abgeschlossene Verfahren.

Hauptgrund für den starken Rückgang der Gesamterträge sei, dass kein grosser Einzelfall registriert wurde. 2016 beispielsweise, wo die Einnahmen mit 16,3 Millionen so hoch lagen wie nie, zahlte eine einzige Person 4,5 Millionen Steuern nach. Im letzten Jahr hingegen gab es laut Paul Furrer «keinen richtig dicken Fisch», also keine Einzelnachzahlung, die sich auf mehr als eine Million Franken belief.

Nur wenig Firmen betroffen

Die meisten Selbstanzeigen gehen wie in den Vorjahren auf ­natürliche Personen zurück. Sie meldeten etwa nichtangegebene Nebenbeschäftigungen oder Renten und insbesondere Vermögen sowie Erträge aus nichtdeklarierten Wertschriften, Konten oder Liegenschaften. Nur wenige Firmen zeigten sich selber an.

Auffällig viele Fälle betrafen dagegen ausländische Geldkonten oder ausländische Liegenschaften. Das dürfte auf den auf 2018 hin eingeführten automatischen Informationsaustausch zurückzuführen sein. Dieser bedeutet, dass Bankdaten aus dem Ausland von hier lebenden Personen unaufgefordert bei den hiesigen Steuerbehörden landen.

Trotz der Zunahme an Selbstanzeigen geht die Regierung nicht von einem Schwarzgeldproblem aus, wie sie in ihrer Antwort auf einen Vorstoss von SP-Kantonsrat David Roth festhielt (Ausgabe vom 9. Oktober 2018). David Roth bezeichnet diese Einschätzung als «verharmlosend».

Ratgeber

Was muss ich tun für eine straflose Selbstanzeige?

Vor einigen Jahren habe ich von meinem Vater 200000 Franken erhalten, die ich bis heute nicht deklariert habe. Was kann ich tun, um die Situation zu legalisieren? Soll ich das entsprechende Konto einfach in der nächsten Steuererklärung aufführen? Hat dies Auswirkungen für meinen Vater?
Daniel Disler*

Fast 2000 Steuersünder in der Zentralschweiz zeigen sich selbst an

In der Zentralschweiz ist die Zahl der Steuersünder, die sich im vergangenen Jahr bei den Kantonalen Steuerämtern straflos selbst angezeigt haben, explodiert. Das ergibt bereits Nachsteuern von über 35 Millionen Franken - und noch sind nicht alle Fälle abgeschlossen.