STEUERN: Falsche Rechnungen verschickt

Einen Grossteil der Gemeinden hat die Steuer­informatik vereinheitlicht. Das soll etliche Vorteile bringen. Doch das neue System hat noch Kinderkrankheiten.

Sasa Rasic
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Das Steuerprojekt Lutax ist der erste Schritt zur Online-Steuererklärung und damit weniger Papierkrieg für die Steuerpflichtigen (Symbolbild).

Das Steuerprojekt Lutax ist der erste Schritt zur Online-Steuererklärung und damit weniger Papierkrieg für die Steuerpflichtigen (Symbolbild).

Seit 2010 wird emsig daran gearbeitet, und nun soll es bald vollendet sein. Die kantonale Dienststelle Steuern und die Steuerämter der Luzerner Gemeinden hatten in den letzten Jahren mit dem Projekt Lutax viel zu tun. Damit wird ab Mitte 2013 für das Steuerwesen im ganzen Kanton nur noch ein Informatiksystem verwendet. Ende Januar haben bereits 67 von 87 Gemeinden auf Lutax umgestellt. Für die Einführung und die ersten zehn Betriebsjahre des Grossprojekts hat der Kantonsrat einen Kredit von rund 24 Millionen Franken bereitgestellt. Doch bei der Bearbeitung der Daten scheint nicht alles auf Anhieb reibungslos zu klappen.

Mehrere Treuhänder, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen wollen, berichten von negativen Erfahrungen. Teilweise seien falsche Steuerrechnungen eingetroffen, bei denen der Fehler nicht nachvollziehbar sei. Nun werden die Unterlagen aus Lutax-Gemeinden mit besonderem Augenmerk geprüft. Auch in einzelnen Gemeinden wurden Fehler erkannt. Im aktuellen «Alberswiler Blättli» werden die Bürger darauf aufmerksam gemacht, dass einzelne Unterlagen fehlerhaft sein könnten. Steuerrechnungen und andere Dokumente werden zentral aufbereitet, und das Alberswiler Steueramt könne diese nur innert einer Frist von 24 Stunden stichprobenartig kontrollieren. «Leider können mit dieser Methode nicht alle allfälligen Fehler eliminiert werden», heisst es im Blatt.

Enorme Kosteneinsparungen

Laut der kantonalen Dienststelle Steuern seien bei einer derart grossen Umstellung einzelne Fehler nahezu unvermeidbar. «Bei der Zusammenführung dieser enormen Menge an Daten kann es bei einzelnen der Hunderttausenden von Fällen schon Unstimmigkeiten geben», sagt Paul Furrer, Mitglied der Geschäftsleitung bei der Dienststelle Steuern und Teilprojektleiter Organisation Lutax. Es handle sich bei Lutax um eines der grössten Informatik- und Reorganisationsprojekte der Informatik in Luzern in den letzten zwanzig Jahren.

Die Umstellung auf das zentrale System bringe vor allem eine grössere Effizienz und Kosteneinsparungen für die Verwaltung. So werden Massensendungen extern gedruckt und verpackt, und die Steuererklärungen werden vom Scan-Center des Steueramts der Stadt Zürich gescannt, und die Steuererklärungsdaten werden dort ausgelesen. «Damit fallen für uns und die Steuerämter viele Routinearbeiten wie das Archivieren von Akten oder das Einpacken von Unterlagen in Couverts weg, und wir können uns unseren eigent­lichen Kernaufgaben widmen», sagt Furrer. So werde unter anderem die Auskunftsbereitschaft bei Kundenanfragen verbessert. Durch die Einsparung sollen die Kosten des Projekts bereits in drei bis vier Jahren amortisiert sein.

Andere Stellen profitieren auch

«Durch den schnelleren Datenaustausch profitieren die Bürger auch in anderen Belangen von den Neuerungen», sagt Furrer. So werden die Durchlaufzeiten bei anderen mit den Steuern zusammenhängenden Anliegen, wie etwa bei der Prämienverbilligung und dem Militärpflichtersatz, kürzer.

Die Einführung von Lutax führte auch zur Aufgabe einzelner Gemeindesteuerämter. So wird die Gemeinde Gettnau die Aufgaben des Steueramtes im kommenden Juni an das regionale Steueramt Willisau abgeben. Neben Spargründen wird dabei auch der Mehraufwand bei der Einführung von Lutax als Ursache angegeben. Luthern hat dies bereits im letzten November getan, und auch Grossdietwil und Hergiswil haben sich für den Anschluss an Willisau entschieden. «Da sich mit Lutax sämtliche Daten auf einem System befinden, ist die Regionalisierung von Steuerämtern jederzeit und relativ einfach möglich. Es werden sich deshalb sicherlich noch weitere kleinere Steuerämter regionalen Zentren anschliessen», sagt Furrer. Auch bei eigentlichen Gemeindefusionen sei die Zusammenführung der Steuerdaten künftig wesentlich einfacher umsetzbar.

Online-Steuererklärung ab 2016

Lutax schafft zudem die Voraussetzungen, um eine kostengünstige Internet-Steuererklärung einzuführen. Furrer: «Die Vorarbeiten dafür laufen. Aber solange dieses Projekt nicht budgetiert ist, können wir nicht damit anfangen», sagt Furrer. Eine Einführung der Internet-Steuererklärung sei ab dem Jahr 2016 realistisch.

Dokument: Eine Karte aller mitmachenden Gemeinden (Stand Ende Januar 2013) finden Sie im Internet auf www.luzernerzeitung.ch/bonus