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STEUERN: Jagd auf die Unehrlichen

Sich als Wochenaufenthalter anzumelden, kann sich finanziell lohnen. Den Gemeinden entgehen aber Zehntausende Franken.
Symbolbild (Bild: Keystone)

Symbolbild (Bild: Keystone)

Christian Glaus

Ursprünglich zog er wegen der Arbeit nach Luzern. Von Montag bis Freitag wohnte er in der Stadt, um möglichst nahe beim Arbeitgeber zu sein. Seine Freizeit verbrachte er hauptsächlich im Kanton Zug, wo auch seine Familie lebt. Bis er die Frau seines Lebens traf und mit ihr in Luzern zusammenzog. Trotzdem ist er in Luzern weiterhin als Wochenaufenthalter gemeldet. Auch deshalb, weil er so weiterhin im steuergünstigeren Kanton Zug Steuern zahlen kann – und viel Geld spart.

Vorsatz oder Unwissen

Dieses Beispiel ist zwar frei erfunden, in der Praxis gibt es aber zahlreiche ähnliche Fälle. Nicht alle nehmen es genau, wenn es darum geht, sich am neuen Wohnort anzumelden. Die einen vorsätzlich, um Steuern zu sparen, die anderen, weil sie es nicht besser wissen. «Finden unechter Wochenaufenthalter» – dies ist eine Massnahme, die im Entwicklungsbericht des Emmer Gemeinderats aufgeführt ist. Unechte Wochenaufenthalter seien aber nicht ein Problem, das nur Emmen betreffe, beschwichtigt die Gemeinde auf Anfrage sofort. Auch handle es sich nicht um ein Thema, das aktueller geworden sei. Es sei als Daueraufgabe zu verstehen, so die Auskunft der Kommunikationsstelle.

In der Region sind die meisten Wochenaufenthalter in der Stadt Luzern gemeldet. Per Ende letzten Jahres waren dort 2542 registriert (siehe Tabelle). Steuerpflichtig sind sie in einer anderen Gemeinde. Die Behörden behalten diese Personen genau im Auge. Denn verschiebt sich ihr Lebensmittelpunkt nach Luzern oder leben sie lange Zeit hier, werden sie in Luzern steuerpflichtig.

Die Kontrolle ist ein Zusammenspiel zwischen Einwohnerkontrolle und Steueramt. «Pro Jahr sind es etwa 100 bis 120 Fälle, die wir zur genaueren Prüfung erhalten», sagt David Schär, Leiter des städtischen Steueramts. Die mutmasslich unechten Wochenaufenthalter müssen einen Fragebogen ausfüllen, in dem sie Angaben über ihre Wohnsituation und ihr persönliches Umfeld machen müssen. In Einzelfällen nehmen die Mitarbeiter des Steueramts gar einen Augenschein vor Ort. Kommt das Steueramt zum Schluss, dass die Personen in der Stadt Luzern steuerpflichtig sind, erlässt es eine Verfügung. Durchschnittlich 70 bis 90 Personen werden so pro Jahr erwischt und in Luzern steuerpflichtig. Für das Steueramt lohnt sich der Aufwand: Durch das Finden unechter Wochenaufenthalter nimmt die Stadt jährlich zwischen 400 000 und 500 000 zusätzliche Steuerfranken ein.

Steuergünstige Nachbarkantone

«Wir bewirtschaften dieses Thema ganz gezielt», sagt David Schär. «Wir sind uns bewusst, dass einige Nachbarkantone steuergünstiger sind und es deshalb aus finanzieller Sicht attraktiver ist, sich in Luzern nur als Wochenaufenthalter anzumelden.» Zudem sei es Aufgabe des Steueramts, dafür zu sorgen, dass alle richtig besteuert werden. «Das ist auch vielen Einwohnern wichtig. Mehrmals pro Jahr erhalten wir Hinweise aus der Bevölkerung auf mögliche unechte Wochenaufenthalter», sagt Schär. Bei den Behörden melden sich Menschen, die feststellen, dass ihr Nachbar zwar seit Jahren im gleichen Haus wohnt, am Auto aber immer noch ein Nummernschild aus einem anderen Kanton angebracht hat.

Das Vorgehen der Behörden ist meist ähnlich. Meldet sich ein Student als Wochenaufenthalter an, wird sein Status nach erstmaliger Prüfung in der Regel erst nach ein paar Jahren wieder überprüft. Kommt jemand aus beruflichen Gründen, muss er teilweise jährlich einen Fragebogen ausfüllen. Je älter jemand ist oder je länger jemand an einem Ort lebt, umso eher muss er an diesem Ort Steuern zahlen.

Das Emmer Steueramt verschickt laut Leiter Martin Küpfer rund 40 Fragebogen pro Jahr. Daraus ergeben sich 15 bis 20 Steuerverfügungen. «Die Wochenaufenthalter haben wir unter Kontrolle», sagt Küpfer. In Kriens wurden letztes Jahr laut Thomas Imfeld, Leiter des Steueramts, 95 Fälle abgeklärt. Rund 15 von ihnen müssen neu in Kriens Steuern zahlen; alle anderen werden zu einem späteren Zeitpunkt wieder überprüft. Kriens nimmt dank dem Finden unechter Wochenaufenthalter pro Jahr rund 50 000 Franken mehr ein. Dieser Betrag ist laut Imfeld aber stark schwankend.

Anders sieht es in Meggen aus, der steuergünstigsten Gemeinde im Kanton. «Wir haben selten Fälle mit unechten Wochenaufenthaltern», sagt Klemens Betschart, Leiter Steueramt. «Weil wir die steuergünstigste Gemeinde im Kanton sind, wollen die Leute bei uns Steuern zahlen.» Es seien Einzelfälle, die abgeklärt werden. In Meggen leben laut Einwohnerkontrolle 37 Wochenaufenthalter.

Schlupfloch Untermiete

Schwieriger zu kontrollieren sind jene, die sich überhaupt nicht anmelden. Eine Möglichkeit, sie zu finden, ist, das Wohnungsregister mit dem Einwohnerregister abzugleichen. Dafür zuständig ist die Einwohnerkontrolle. Doch Untermieter werden so nicht entdeckt. «Um diese Leute zu finden, sind wir auf Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen», sagt Thomas Imfeld vom Krienser Steueramt. In Luzern gab es schon ganz aussergewöhnliche Konstellationen, wie David Schär sagt: «Jemand mietete eine Wohnung über seine eigene Firma und gab an, diese gewerblich zu nutzen. Tatsächlich wohnte diese Person aber in der Wohnung, wie Abklärungen ergaben.» Diese Person musste schliesslich doch in Luzern Steuern zahlen.

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