Präsident des Luzerner Gewerbeverbands warnt vor nationaler Steuerreform

Der abtretende Präsident des Luzerner Gewerbeverbands, Roland Vonarburg, warnt vor den finanziellen Folgen der nationalen Steuerreform. Dabei gehe es um weit mehr als die Höhe der Dividendenbesteuerung.
Roland Vonarburg in seinem Betrieb, der Wauwiler Champignons AG. (Bild: Corinne Glanzmann (Wauwil, 7. Mai 2018))

Roland Vonarburg in seinem Betrieb, der Wauwiler Champignons AG. (Bild: Corinne Glanzmann (Wauwil, 7. Mai 2018))

Interview: Alexander von Däniken

alexander.vondaeniken@luzernerzeitung.ch

Draussen blüht der Raps, drinnen verpacken Mitarbeiterinnen emsig frische Pilze. Im Büro darüber empfängt Roland Vonarburg zum Interview. Der Inhaber und Geschäftsführer der Wauwiler Champignons AG will seinem Betrieb mit 200 Angestellten wieder mehr Zeit widmen. An der Delegiertenversammlung vom 16. Mai gibt er deshalb sein Amt als Präsident des Gewerbeverbands Kanton Luzern nach sechs Jahren ab. Im Interview zieht er Bilanz und sagt, was dem Gewerbe Sorgen bereitet.

Roland Vonarburg, wie fällt Ihre Bilanz nach sechs Jahren als Gewerbeverbandspräsident aus?

Es war eine schöne Zeit mit spannenden Aufgaben und interessanten Kontakten. Zeitweise war es auch stressig, und manchmal gab es weniger Erfreuliches.

Zum Beispiel?

Der Neuaufbau der Geschäftsstelle war anstrengend. Zeitweise nahm ich als Interims-Geschäftsführer auch eine Doppelrolle wahr. Ebenfalls belastend waren die Verhandlungen mit dem kantonalen Bildungs- und Kulturdepartement bezüglich des Mandats «Qualifikationsverfahren». Heute verfügt der Gewerbeverband sowohl über eine hervorragende Geschäftsstelle wie auch über eine partnerschaftliche Beziehung mit dem Kanton bei der Berufsbildung.

Nervenaufreibend war sicher auch die Auseinandersetzung mit dem Detaillistenverband Luzern, der dem Gewerbeverband angeschlossen ist. 2014 wurde die Beziehung der Verbände auf eine harte Probe gestellt. Im Zentrum standen die Ladenöffnungszeiten, die auch jetzt wieder ein Thema sind.

Das stimmt. Seit der damaligen Diskussion ist der Detaillistenverband im Vorstand des Gewerbeverbands vertreten. Die Zusammenarbeit wurde intensiviert. Als Dachverband streben wir eine national einheitliche Lösung an. Vorerst wollen wir uns aus dem Thema aber raushalten.

Dafür positioniert sich der Gewerbeverband umso klarer bei der nationalen Steuervorlage (SV) 17. Die von Bundesrat und Luzerner Regierung angestrebten 70 Prozent bei der Dividendenbesteuerung sind Ihnen zu hoch. Wie zuversichtlich sind Sie, dass der Satz noch gesenkt wird?

Das Geschäft ist nun in Bundesbern, wo der nationale Gewerbeverband versuchen wird, Einfluss zu nehmen. Vorstellbar und auch dem föderalen Grundsatz entsprechend wäre ein fixer Steuersatz des Bundes und flexible Sätze für die Kantone. Es geht aber nicht nur um die höhere Dividendenbesteuerung, welche das Luzerner Gewerbe mit 5 Millionen Franken pro Jahr belasten würde.

Sondern?

Die geplante Erhöhung der Mindestsätze von Kinder- und Ausbildungszulagen um 30 Franken würde die Luzerner KMU nochmals um geschätzte 27 Millionen Franken belasten. Die Ausgaben für Kinder- und Ausbildungszulagen würden auf 236,5 Millionen Franken steigen. Die Zahlen beruhen auf einer Berechnung, welche die zuständige Stelle beim Kanton sowie Steuerexperten auf unsere Anfrage gemacht haben. Die Zulagen im Kanton Luzern sind derzeit genau auf dem Minimum von 200 beziehungsweise 250 Franken. Das bedeutet, dass die Steuervorlage 17 die Luzerner Betriebe inklusive höherer Dividendenbesteuerung über 30 Millionen Franken kosten würde.

Haben Sie deswegen beim Regierungsrat angeklopft?

Wiederholt. Aber der Regierungsrat wollte weder die Parteien noch die Verbände in seine bundesrätliche Vernehmlassung einbinden. Finanzdirektor Marcel Schwerzmann hat sich von Anfang an völlig unabgesprochen hinter die Steuervorlage gestellt. Ich hätte mir einen Prozess gewünscht wie im Aargau, wo der Kanton zuerst alle relevanten Player – auch die Gewerkschaften – angehört hat, bevor er seine Stellungnahme nach Bern schickte. Eine nationale Vernehmlassung ist ja dazu da, die Interessen des Kantons einzubringen. Das hat die Regierung verpasst. Wir alle sollten ein grosses Interesse am Erfolg der SV 17 haben – aber in einer Form, welche für die Luzerner KMU-Wirtschaft keine überdurchschnittlichen Belastungen bringt.

Ein anderes nationales Thema mit kantonaler Bedeutung ist der Fachkräftemangel. Dies hat auch das letzte Sorgenbarometer des Gewerbeverbands gezeigt. Was halten Sie vom «Inländervorrang light», der diesen Sommer umgesetzt wird?

In erster Linie bedeutet die Massnahme mehr Bürokratie. Grundsätzlich wollen die Betriebe schon jetzt freie Stellen mit Inländern besetzen. Nur ist das je nach Branche nicht immer möglich – daran wird auch der «Inländervorrang light» nichts ändern. Denn in gewissen Branchen dauert der Prozess via RAV einfach zu lange.

Wie lässt sich der Fachkräftemangel sonst noch entschärfen?

Wir müssen noch mehr in unsere Nachwuchsarbeit investieren. Hier hat sich in den letzten zwei Jahren viel getan. Der Gewerbeverband versucht zum Beispiel in den Gewerbevereinen die Lehrlingsparcours weiter zu fördern. Mittelfristiges Ziel ist es, diese in allen Gemeinden anzubieten. Wenn ich könnte, würde ich den Hebel auch beim Luzerner Bildungssystem ansetzen.

Wo und wie?

Wir sind praktisch der einzige Kanton, der neben dem Kurzzeit- noch ein Langzeit-Gymnasium anbietet. Dieses führt dazu, dass sich die Kinder schon mit 10, 11 Jahren – oder eher die Eltern – für die Kanti oder die Sek entscheiden müssen. Wenn alle Kinder die berufliche Orientierung in der 2. Sek mit rund 14 Jahren machen, ist das nicht nur für die Kinder besser. Es sorgt auch für gleich lange Spiesse zwischen Kantonsschulen und Lehrbetrieben. Ich sehe die Vorzüge eines Langzeit-Gymis, aber für den dualen Bildungsweg ist es ein Nachteil. Das machen die allermeisten Kantone besser und erst noch günstiger.

Bei der Umsetzung des Inländervorrangs haben Sie die Bürokratie angesprochen. Nimmt diese generell zu?

Ich nenne die Baubewilligungen als Beispiel. Jährlich umfasst die Eingabe ein paar Formulare mehr. Die Anforderungen gehen so weit, dass man eine CO2-Bilanz für Aushubmaterial ausweisen muss, wenn man ausserhalb der Bauzone bauen will. Die erteilte Bewilligung selber kann die Dicke eines Telefonbuchs erreichen. Hier ist doch weniger mehr. Sechs Seiten müssen genügen.

Was geben Sie Peter With, Ihrem designierten Nachfolger, mit auf den Weg?

Nichts, denn er bringt schon alles mit: Bodenständigkeit, Sach- statt Parteipolitik, voller Einsatz für sichere Arbeitsplätze, Leidenschaft für die Berufsbildung und gute Kommunikationsfähigkeiten.

Zur Person
Roland Vonarburg (50) ist Inhaber und Geschäftsführer der Wauwiler Champignons AG und wohnt mit seiner Frau Irene in Schötz. Die beiden haben drei erwachsene Kinder. Von 2003 bis 2011 sass er für die CVP im Kantonsrat. Seit 2012 ist er Präsident des Gewerbeverbands Kanton Luzern mit rund 7500 Mitgliedern. Am 16. Mai wird er das Amt nach sechs Jahren abgeben. Als Nachfolger wird Peter With, Unternehmer und SVP-Grossstadtrat aus Luzern, vorgeschlagen.

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