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STEUERPOLITIK: Neue Firmen: Wie gut ist Luzern?

Laut der FDP gewinnt der Kanton Luzern überdurchschnittlich viele neue Firmen und Arbeitsplätze. Die Aussage ist gewagt, wie ein Vergleich zeigt.
Blick aus der Luft auf das Zentrum der Stadt Luzern mit Bahnhof und Neustadtquartier. (Bild: Aura/Emanuel Ammon)

Blick aus der Luft auf das Zentrum der Stadt Luzern mit Bahnhof und Neustadtquartier. (Bild: Aura/Emanuel Ammon)

Lukas Nussbaumer

Der Erfolg einer Steuerstrategie messe sich nicht an Steuerprognosen, sondern an der Zahl der Firmenansiedlungen und der neu geschaffenen Arbeitsplätze. Und Luzern liege diesbezüglich «auf sehr hohem Niveau, besonders im Vergleich mit den umliegenden Kantonen». Das sagte der Stadtluzerner FDP-Kantonsrat und Finanzspezialist Damian Hunkeler gegenüber unserer Zeitung (Ausgabe vom 11. Dezember). Entwickle sich die Höhe der Steuererträge also nicht so gut wie in den Vorjahren prognostiziert, lasse dies keinesfalls den Schluss zu, dass die Luzerner Tiefsteuerstrategie gescheitert sei.

Der Kanton Luzern kennt seit 2012 die landesweit tiefsten Gewinnsteuern für Unternehmen, was seither für heftige Diskussionen sorgt (siehe Kasten).

Zug und Schwyz vor Luzern

Damian Hunkelers Aussage lässt sich nur bedingt nachvollziehen, wie ein Blick auf die Zahl der neuen Firmen und Arbeitsplätze in anderen Kantonen zeigt. So gewinnt Zug im Durchschnitt der Jahre 2012, 2013 und 2014 mehr Unternehmen als Luzern, in Schwyz sind es fast gleich viele (siehe Tabelle). Stellt man die Zahl der neuen Firmen ins Verhältnis zur aktuellen Zahl der Arbeitsplätze, ist die Zunahme in Zug und Schwyz sogar exorbitant höher als in Luzern.

Nimmt man die Zahl der neuen Arbeitsplätze (370) als Massstab, hat Luzern im Durchschnitt der letzten drei Jahre in der Zentralschweiz zwar die Nase vorn. Doch Schwyz wird laut Roman Morger, wissenschaftlicher Sachbearbeiter der Wirtschaftsförderung Schwyz, im laufenden Jahr ebenfalls deutlich über 300 gewonnene Arbeitsplätze vermelden können – und kommt Luzern damit sehr nahe.

Gesamtschweizerisch betrachtet, sind die Wirtschaftsförderungen der Kantone immer weniger erfolgreich. Gemäss der Konferenz der kantonalen Volkswirtschaftsdirektoren wurden 2014 noch 274 neue Firmen angesiedelt. Das sind 100 weniger als 2010. Die Zahl der neuen Arbeitsplätze sank ebenfalls – von 2430 im Jahr 2010 auf noch 780 im letzten Jahr.

Blackbox zusätzliche Steuern

Nicht bekannt ist, wie viele Steuern die neuen Firmen in den jeweiligen Kantonen abliefern. Ebenso wenig ist eruierbar, wie stark die Zunahme der Steuererträge bei den natürlichen Personen ist. Dies aufgrund des Steuergeheimnisses und der Tatsache, dass die Zahl der gewonnenen Arbeitsplätze nichts darüber aussagt, wie viele Personen wegen eines Firmenwechsels auch ihren Wohnort wechseln.

Laut Rouven Willimann, bei der Wirtschaftsförderung des Kantons Luzern seit drei Jahren für Ansiedlungen zuständig, sorgen Firmenwechsel auf jeden Fall für einen Anstieg der gesamten Steuereinnahmen – von natürlichen und juristischen Personen. Dies würden die Zahlen von Lustat Statistik Luzern belegen.

Eine kürzlich veröffentlichte und mehrere Kantone umfassende Studie zeige, dass drei Viertel des Gesamtsteuerzuwachses bei Zuzügen von Unternehmen auf das Konto von Privatpersonen gehen.

Luzern fehlen Büroflächen

Klar ist für Willimann, dass die landesweit tiefsten Gewinnsteuern für Firmen den Kanton Luzern vorwärtsbringen. «Die wichtigsten Ansiedlungskriterien sind Lage, Verkehrsanbindung und Steuern. Weil Luzern bei der Lage im Vergleich zu Kantonen wie Zürich, Zug oder Genf Nachteile hat, sind die tiefen Steuern und die gute Erreichbarkeit umso wichtiger.» Hätte Luzern seine Gewinnsteuern auf 2012 hin nicht gesenkt, wäre der Standort Luzern für viele Firmen gar nie in Frage gekommen, argumentiert Willimann.

Dass sich seither nicht noch mehr Unternehmen für Luzern entschieden haben, sei auf drei Faktoren zurückzuführen: auf die unsichere Wirtschaftslage, die Unsicherheiten in Bezug auf die Unternehmenssteuerreform 3 des Bundes und die Masseneinwanderungsinitiative sowie auf die teilweise fehlenden Büroflächen, vor allem im Zentrum der Stadt Luzern.

Zug – Teil des Grossraums Zürich

Dass es beim Standortmarketing in erster Linie darauf ankommt, auf sich aufmerksam zu machen, bestätigt Gianni Bomio, Generalsekretär der Zuger Volkswirtschaftsdirektion. Im Gegensatz zum Kanton Luzern publiziert Zug die Zahl akquirierter Firmen und Arbeitsplätze seit Jahren nicht mehr. Bomio nennt dafür zwei Gründe: Erstens sei Zug Teil von Greater Zurich Area, der Standortmarketingorganisation des Wirtschaftsraums rund um Zürich. Und zweitens sei es schwierig, die Zahl der neuen Arbeitsplätze genau zu deklarieren, da ein Grossteil der angesiedelten Unternehmen in den Folgejahren arbeitsplatzmässig erfreulicherweise gut zulege. Dazu komme, dass neue Firmen nicht nur der Wirtschaftsförderung zu verdanken seien. Auch Treuhänder und die Steuerverwaltung würden für zusätzliche Unternehmen sorgen.

Obwalden holt Privatpersonen

Ein Sonderfall unter den Wirtschaftsförderungsorganisationen in der Zentralschweiz ist jene in Obwalden. Laut Martha Bächler, Geschäftsführerin der Standortpromotion in Obwalden, konzentriert man sich unter anderem wegen fehlender grosser Flächen für Firmen in erster Linie auf die Ansiedlung von natürlichen Personen. Gemessen werde der Erfolg der mit einem Leistungsauftrag vom Kanton versehenen Stelle nicht an der Zahl von zugezogenen Firmen oder neuen Arbeitsplätzen, sondern an zusätzlichen Steuereinnahmen. Der Aufwand der Geschäftsstelle von jährlich rund 650 000 Franken werde dabei regelmässig um mehr als das Doppelte an Steuereinnahmen übertroffen, sagt Bächler.

Nidwalden: «Wachstum erkennbar»

Ebenfalls keine Zahlen zu neu angesiedelten Firmen und Arbeitsplätzen publiziert der Kanton Nidwalden. Laut Diana Hartz, Leiterin der Wirtschaftsförderung, sei aber aufgrund der Handelsregistereinträge «ein Wachstum zu erkennen». Hartz schätzt die Zunahme an Arbeitsplätzen im laufenden Jahr auf 3,5 Prozent.

Neue Abstimmung über Firmensteuern

nus. Die Halbierung der Gewinnsteuern für Firmen führte im Kanton Luzern im ersten Jahr (2012) zu Einbussen von fast 50 Millionen Franken. Seither steigen die Einnahmen wieder leicht. Die Regierung rechnet jedoch nicht vor 2020 damit, dass die Luzerner Unternehmen wieder gleich hohe Steuererträge abliefern wie 2011. Im letzten Jahr zahlten Firmen Steuern von knapp 110 Millionen Franken, was einem Anteil von 11,6 Prozent an den gesamten Steuereinnahmen entspricht. Natürliche Personen beteiligten mit rund 840 Millionen am Gesamtsteuerertrag.

SP will Steuerkurs korrigieren

Die SP möchte die Halbierung der Gewinnsteuern wieder teilweise rückgängig machen – die Stimmbürger werden über die entsprechende Initiative vermutlich im September 2016 befinden können.

Sagt das Stimmvolk Ja zur Initiative, könnten Kanton und Gemeinden jährlich zwischen 29 und 36 Millionen mehr an Firmensteuern verbuchen. Der Gegenvorschlag der Regierung hätte pro Jahr etwa 17 Millionen zusätzlich in die Kantons- und Gemeindekassen gespült. Diese Idee ist nun vom Tisch: Der Gegenvorschlag zur SP-Initiative, der unter anderem eine Minimalsteuer für Kapitalgesellschaften (500 Franken) und für Genossenschaften (200 Franken) vorsah, lehnte der Kantonsrat im November ab.

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