Steuersünder im Kanton Luzern – Rekord mit über 1000 Selbstanzeigen im Jahr 2019

1028 Selbstanzeigen von Steuerpflichtigen erledigte der Kanton Luzern im Jahr 2019 – das sind fast 400 mehr als im 2018. Aus diesen Verfahren resultiert ein Gesamtsteuerertrag von rund 14,3 Millionen Franken.

Janick Wetterwald
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Seit 2010 besteht in der Schweiz für Steuersünder die Möglichkeit, sich einmal im Leben selbst anzuzeigen. Damit können nicht deklarierte Einkommen und Vermögen bei der Steuerbehörde gemeldet werden.

Straflose Selbstanzeige

Steuerpflichtige Personen, welche straflose Selbstanzeige einreichen, müssen die Nachsteuer samt Zins auf maximal zehn Jahre zurück bezahlen (in Erbschaftsfällen für die letzten drei vor dem Todesjahr abgelaufenen Steuerperioden). Sie erhalten aber keine Busse. Die selbstangezeigten Vermögenswerte und die daraus fliessenden Erträge werden damit nachhaltig der ordentliche Besteuerung zugeführt – das heisst, sie tauchen auch in künftigen Steuererklärungen auf. Die Möglichkeit besteht einmalig.

1028 solche Selbstanzeigen hat der Kanton Luzern im Jahr 2019 erledigt – so viele wie noch nie zuvor. Die Zahl steigt im Vergleich zum Vorjahr (644) stark an, wie der Kanton in einer Mitteilung schreibt.

Entwicklung Anzahl Selbstanzeigen seit 2010

2010201120122013201420152016201720182019Jahr02004006008001000

Paul Furrer, Geschäftsbereichsleiter Dienststelle Steuern Luzern erklärt: «Es handelt sich bei diesen erledigten 1028 Verfahren nicht nur um solche, die auch im 2019 eingereicht wurden. Wir arbeiten momentan auch Fälle aus vorherigen Jahren ab.» Dafür habe man sogar extra zwei Personen als Aushilfen eingestellt, damit die Wartezeit der Steuerpflichtigen in Grenzen gehalten werden könne.

Viele Fälle mit geringem Ertrag

Der Ertrag von Staats- und Gemeindesteuern liegt für das 2019 bei 11,7 Millionen Franken, jener der Bundessteuern bei 2,6 Millionen. Somit liegt der Gesamtertrag im letzten Jahr bei 14,3 Millionen. Der Schnitt seit 2010 liegt nun bei 12,1 Millionen.

Entwicklung der Ertragswerte durch Selbstanzeigen seit 2010

Zahlen in Millionen Franken
Kanton / Gemeinden
Gesamtertrag
0510152010201120122013201420152016201720182019Jahr

«Der durchschnittliche Ertrag pro Fall ist im Jahr 2019 gesunken», sagt Paul Furrer. Darum sei der Ertrag nicht ähnlich stark gestiegen wie die Anzahl Verfahren.

Wie in den Vorjahren gingen die meisten Selbstanzeigen von natürlichen Personen ein. Dabei handelt es sich zum Beispiel um nicht angegebene Nebenbeschäftigungen oder Renten, aber auch Vermögen und Erträge aus nicht deklarierten Wertschriften, Konten oder Liegenschaften.

Anfangswelle und AIA-Welle

Auffällig viele Fälle betreffen ausländische Geldkonten oder ausländische Liegenschaften. Hier dürfte die Einführung des automatischen Informationsaustausches (AIA) wiederum eine Rolle gespielt haben.

Im Rahmen der Einführung des automatischen Informationsaustausches erfolgen seit dem Jahr 2018 Meldungen ausländischer Steuerbehörden an die Schweiz. Sobald eine schweizerische Steuerbehörde im Besitz einer Meldung ist, kann vom Instrument der straflosen Selbstanzeige nicht mehr Gebrauch gemacht werden.

Paul Furrer blickt voraus und sagt: «Für das Jahr 2020 erwarte ich eine ähnliche Zahl wie für das 2019. Wir gehen aber davon aus, dass die Arbeitsbelastung nach der ersten Welle zum Start der straflosen Selbstanzeigen und dieser zweiten Welle wegen dem AIA ab 2021 abnehmen wird.»

Selbstanzeigen und Ertragswerte seit 2010

Selbstanzeigen Gesamtertrag (in Mio. Fr.) Ertrag für Kanton/Gemeinden (in Mio. Fr.)
2010 272 10,3 8,7
2011 316 8,9 7,6
2012 265 14 12,5
2013 307 11,6 9,5
2014 372 13,1 10,6
2015 283 8,4 6,7
2016 421 16,3 12,6
2017 495 15,5 11,8
2018 644 9,2 7,6
2019 1028 14,3 11,7