STIFTUNG: Seit 1865 im Dienst für die Soldaten

Seit 150 Jahren gibt es die Luzernische Winkelriedstiftung. Je weniger sie ausbezahlt, desto besser geht es der Schweiz.

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Die Luzernische Winkelriedstiftung gibt es seit 150 Jahren. Im Bild: das Winkelrieddenkmal in Stans. (Bild Corinne Glanzmann)

Die Luzernische Winkelriedstiftung gibt es seit 150 Jahren. Im Bild: das Winkelrieddenkmal in Stans. (Bild Corinne Glanzmann)

Cyril Aregger

Der Zweck der Stiftung hat sich seit 1865 kaum verändert: Die Luzernische Winkelriedstiftung bietet Personen Hilfe an, die im Dienste der Armee oder des Bevölkerungsschutzes erkrankten, verunglückten oder durch andere Umstände in Notlage geraten sind. Wo die gesetzlichen Unterstützungsaufgaben nicht ausreichen, werden Dienstleistende oder deren Angehörige finanziell unterstützt, beraten oder fürsorglich betreut. Einige Anpassungen hat es in der 150-jährigen Geschichte der Stiftung aber doch gegeben, sagt Stiftungsratspräsident Brigadier Daniel Keller (52) aus Schüpfheim: «In den ersten 49 Jahren wurde beispielsweise kein einziger Franken ausbezahlt denn ursprünglich war eine Auszahlung nur im Kriegsfall vorgesehen.» Mit dem Beginn des Ersten Weltkriegs 1914 wurden die Statuten insofern geändert, dass auch eine Auszahlung während der allgemeinen Mobilmachung möglich wurde. Heute kann die Stiftung auch Beiträge ausserhalb von Kriegszeiten und Mobilmachung leisten.

Ein 1992 geschaffener Spezialfonds erlaubt der Stiftung zudem, auch Personen oder Organisationen zu unterstützen, die Aufgaben im Rahmen der Verteidigung und des Bevölkerungsschutzes wahrnehmen.

25 Franken täglich ausbezahlt

Heute hat die Winkelriedstiftung ein Vermögen im tiefen siebenstelligen Bereich, gespiesen aus Spenden und Legaten. Doch braucht es die Stiftung heute noch? Schliesslich sind die heutigen Versicherungs- und Sozialleistungen nicht zu vergleichen mit 1865 und die Unterstützungsbeiträge beliefen sich in den letzten Jahren jeweils nur auf einen tiefen fünfstelligen Betrag. «Die Frage ist berechtigt», sagt Daniel Keller. «Aber es braucht auch heute noch private Hilfe. Denn die Gesetzgebung in der Schweiz ist immer nur auf das Nötigste ausgerichtet.» Die ausbezahlten Beträge aus dem letzten Jahr würden zudem ein etwas verzerrtes Bild abgeben. Keller hat gerechnet: «In ihren 150 Jahren hat die Luzernische Winkelried­stiftung an jedem Tag 25 Franken ausgegeben. Das sind dann schon andere Grössenordnungen.» Und die Hilfe der Stiftung kann lange anhalten: «Wir unterstützen nach wie vor eine Witwe eines Ölsoldaten aus dem Zweiten Weltkrieg.» Weitere konkrete Beispiele für Unterstützungsleistungen möchte der Stiftungsrat laut Keller nicht geben. «Wir wollen solche Fälle nicht gross publik machen.»

Das ansehnliche Kapital der Stiftung sei der Tatsache zu verdanken, dass die Einnahmen meist grösser als die Ausgaben waren, sagt Keller. «Das ist nur möglich gewesen, weil unser Land glücklicherweise von wirklich grossem Unglück verschont wurde. Die Stiftung hat nur kleine Wunden heilen müssen.»

Immer wieder Anpassungen

Wenn die Stiftung also wenig ausbezahlen muss, bedeutet das auch, dass es der Schweiz gut geht. Doch natürlich sei es nicht das Ziel des Stiftungsrates, ein möglichst grosses Vermögen anzuhäufen, betont Keller. Deswegen habe man die Statuten auch immer wieder den laufenden Bedürfnissen angepasst und so beispielsweise die Grundlage für den bereits erwähnten Spezialfonds gelegt. «Um den Bedürfnissen in einem sich wandelnden Umfeld auch zukünftig gezielt begegnen zu können, wird sich der Stiftungsrat sicherlich Gedanken über die Weiterentwicklung der Stiftung machen.»

Eine der ersten ihrer Art

Die Luzernische Winkelriedstiftung war eine der ersten ihrer Art. «Nach der Schlacht von Solferino 1859 war das Elend der Soldaten respektive ihrer Familien – überall in der Schweiz spürbar», erzählt Keller. «An einer Tagung 1860 in Sempach wollte man deshalb eine nationale Winkelriedstiftung in Angriff nehmen.» Das Vorhaben wurde jedoch vorerst abgelehnt – erst 1886 wurde die eidgenössische Stiftung gegründet –, Stiftungen auf kantonaler Ebene füllten die Lücke.

Lieber im Hintergrund

Eine grosse Feier zum 150-jährigen Bestehen wird es nicht geben. Der einzige Jubiläumsanlass war die Stiftungsversammlung am vergangenen Mittwoch in Sempach mit einem reichhaltigen Apéro. «Damit wollten wir allen danken, die etwas zum Funktionieren der Stiftung beigetragen haben. Aber das Geld soll für Bedürftige ausgegeben werden, nicht für Festakte», sagt Daniel Keller. Man arbeite lieber im Hintergrund und suche das Scheinwerferlicht nicht.

Keller ist seit 150 Jahren erst der elfte Stiftungsratspräsident. Das zeigt, dass die Mitglieder des Stiftungsrates lange aktiv bleiben. Kellers Vorgänger, der mittlerweile verstorbene Marcel Binder, war beispielsweise ein halbes Jahrhundert für die Stiftung tätig. «Unsere Stiftung lebt auch davon, dass sich Leute über längere Zeit uneigennützig der Sache verpflichten», sagt Keller. Nachwuchssorgen seien aber kein Grund für die langen Amtszeiten: «Die Luzernische Winkelriedstiftung ist ein Sinnbild für gelebte Solidarität dafür engagieren sich die Leute gerne und mit Überzeugung.»