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Stinkender Schweinestall in Meggen: Gesetz von 1995 wird dem Bauer Hofer zum Verhängnis

Nach 300 Jahren bangt die Familie Hofer um ihren Bauernbetrieb in Meggen – wegen einer Regelung, die vor 24 Jahren eingeführt wurde. Jetzt zeigt sich: Die Gemeinde hätte die Schweinehaltung am heutigen Standort schon längst verbieten müssen.
Christian Glaus

Der neue Nachbar ist schuld: Diesen Schluss lassen die Aussagen des Megger Bauern Kaspar Hofer zu einem Rechtsstreit um dessen Hof zu. Hofer muss seine Schweine an einem anderen Ort halten, weil der Stall zu nah bei den Nachbarhäusern liegt. Ein 2016 neu zugezogener Nachbar hatte sich gegen den Gestank gewehrt. Doch Hofer kann sich den Neubau des Stalls an einem anderen Ort nicht leisten und bangt um seine Existenz.

Der Schweinestall des Megger Bauern Kaspar Hofer befindet sich zu nahe beim Siedlungsgebiet. Ein Gesetz von 1995 verlangt einen Mindestabstand von 58 Meter. (Bild: Pius Amrein, 17. Juni 2019)

Der Schweinestall des Megger Bauern Kaspar Hofer befindet sich zu nahe beim Siedlungsgebiet. Ein Gesetz von 1995 verlangt einen Mindestabstand von 58 Meter. (Bild: Pius Amrein, 17. Juni 2019)

Nun meldet sich der Nachbar zu Wort. Zu Unrecht werde er als der Böse dargestellt. Daniel Wirth erzählt, dass er das Land neben dem Hof 2013 gekauft habe. Darauf habe sich ein 50-jähriges Wohnhaus befunden, welches er durch einen Neubau ersetzte. Der Abstand von Stall zu Wohnhäusern sei also seit Jahrzehnten der gleiche. Hingegen würden mehr Schweine gehalten als früher, die auch öfter draussen seien. Dadurch habe der Gestank zugenommen. Auch weitere Anwohner fühlten sich gestört, so Wirth. Gemäss seinen Aussagen wurde von den Behörden kein neues Betriebskonzept bewilligt, obwohl dies bei einer Vergrösserung nötig sei. Auch gewisse Umbauten seien ohne Bewilligung erfolgt.

Für Veränderungen fehlten Bewilligungen

Darüber wisse der Gemeinderat seit 2016 Bescheid, so Wirth. Damals habe die kantonale Dienststelle Landwirtschaft und Wald (Lawa) auf Verlangen der Gemeinde einen Bericht zum Hof erstellt. «Trotzdem wollte der Gemeinderat nicht von sich aus tätig werden und verwies mich darauf, eine Geruchsemissionsklage einzureichen.» Die Aussagen Wirths werden zu einem grossen Teil vom kantonalen Bau-, Umwelt- und Wirtschaftsdepartement (BUWD) und der Gemeinde Meggen bestätigt. Tatsächlich wurden an den Gebäuden und am Betriebskonzept Veränderungen vorgenommen, die nicht bewilligt wurden – und auch nicht hätten bewilligt werden können.

Die Bauzone neben dem Hof besteht seit 1980. Damals erfolgte die Trennung zwischen Bauzonen und Landwirtschaftsland. Dem Bauern zum Verhängnis wird jedoch eine 1995 eingeführte Bestimmung, die den Mindestabstand zwischen Bauernhöfen und Wohngebieten regelt. Theoretisch hätte die Gemeinde die Schweinehaltung am jetzigen Standort 1995 verbieten können, was jedoch nicht geschah. Da Bauten ausserhalb der Bauzonen vom Kanton bewilligt werden müssen, werden die Vorgaben meist erst bei Klagen oder Bauvorhaben geprüft, sagt Ruedi Imgrüth vom Megger Bauamt.

«Es findet sich wohl keine Gemeinde, die systematisch alle Höfe auf den Mindestabstand überprüft.»

Heisst auch: Hätte Bauer Hofer die Pläne vor dem Umbau eingereicht, hätten Kanton und Gemeinde die Tierhaltung am aktuellen Standort verbieten müssen. Ein nachträgliches Baubewilligungsverfahren wurde 2016 gestartet. Dabei zeigte sich, dass die Umbauten und Nutzungsänderungen nicht bewilligt werden können. Dazu Imgrüth: «Die Klage des Nachbarn hat das Verfahren lediglich beschleunigt. Das Ergebnis wäre aber so oder so das gleiche gewesen.»

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