Der Kanton Luzern ist bei den Stipendien im Hintertreffen

Bei den Stipendien leuchtet die Ampel im Kanton Luzern rot. Grund: Im Schnitt erhalten Studenten hier viel weniger Geld als in anderen Kantonen, wie eine Analyse jüngst zeigte. Die Situation hat sich gar noch verschärft.

Roseline Troxler
Drucken
Teilen
Für Luzerner Studenten stehen weniger Mittel bereit als versprochen. (Symbolbild: Urs Flüeler/Keystone)

Für Luzerner Studenten stehen weniger Mittel bereit als versprochen. (Symbolbild: Urs Flüeler/Keystone)

Vor kurzem präsentierte der Kanton Luzern gemeinsam mit Lustat Statistik Luzern die Bildungsindikatoren. Sie zeigen, wie es ums Bildungssystem im Kanton steht und veranschaulichen, wie sich verschiedene Werte entwickeln sollen. So auch bei den Stipendien. Hier leuchtet die Ampel rot: Die beobachtete und die angestrebte Entwicklung gehen nicht in dieselbe Richtung. Die Zahlen beziehen sich auf den Zeitraum 2005 bis 2015. Nathalie Portmann, Mitglied der Geschäftsleitung bei Lustat, führt aus: «Im Mittel der Jahre 2013 bis 2015 hat der Kanton Luzern pro Einwohner und Einwohnerin im Alter von 15 bis 29 Jahren 132 Franken für Stipendien ausgegeben, die Referenzkantone hingegen 159 Franken. Die Differenz zu den Referenzkantonen ist seit Mitte der 2000er-Jahre auf 27 Franken pro Einwohner angestiegen.» Zuvor lag der Kanton Luzern lediglich bei 5 Franken unter dem Durchschnitt der Referenzkantone Aargau, Bern, Basel-Land, St. Gallen und Solothurn.

Angestrebt wird, dass Luzern im Rahmen der Vergleichskantone liegt. Derzeit bedeutet dies eine Erhöhung des Stipendienvolumen pro Einwohner. Die angestrebte Entwicklung wird durch das das Bildungsdepartement definiert.

Beiträge gesunken – trotz Versprechen in der Botschaft

Pikant: Noch neuere Zahlen zeigen jedoch, dass die Beiträge für Stipendien im Kanton Luzern im Vergleich nicht nur zu tief sind, sondern gar noch gesunken sind. Interessant ist dies vor allem vor dem Hintergrund der Revision des Stipendiengesetzes im 2014. Im Vorfeld der Abstimmung hiess es, dass die Mittel für Stipendien auch mit dem neuen Gesetz bei rund 10,5 Millionen Franken bleiben sollen. «Das neue Stipendiengesetz führt weder zu zusätzlichen Kosten, noch zu einer Reduktion der kantonalen Mittel», hiess es in der Botschaft.

Die Entwicklung zeigt ein anderes Bild. Am meisten Geld für Stipendien gab der Kanton Luzern im letzten Jahrzehnt 2011 mit 11 Millionen Franken aus. Die Summe wurde dann reduziert – auf 7,8 Millionen Franken im Jahr 2017.

Leicht erhöht wurde das Stipendienvolumen allerdings 2018 – auf 8,4 Millionen Franken. So viel soll auch künftig ausgezahlt werden, wie sich im Aufgaben- und Finanzplan (AFP) 2019 bis 2022 zeigt, den das Parlament im Oktober 2018 abgesegnet hat. Im vorherigen AFP war noch eine Erhöhung – zunächst auf 9,7 dann auf 10,5 Millionen geplant gewesen.

Die Zahlen des Bundesamts für Statistik und der Ausblick zeigen, dass das Versprechen in der Botschaft nicht eingehalten wurde. Ausserdem hat sich die Schere zu den Referenzkantonen weiter aufgetan. Nur zwei Kantone gaben 2017 pro Einwohner weniger Geld für Stipendien aus – Zug und Schaffhausen.

Christof Spöring, Leiter der Dienststelle Berufs- und Weiterbildung, sagt auf Anfrage: 

«Das Stipendiengesetz regelt die Art der Verteilung. Wie viel Geld zur Verfügung steht, entscheidet das Parlament und dies ist im Rahmen der Sparmassnahmen reduziert worden.»

Im Kanton Luzern ist der Anteil der Bezüger kleiner

Schlussplätze belegt der Kanton Luzern auch bei der Anzahl Personen, welche ein Stipendium erhalten. Der Anteil der Bezüger an der ständigen Wohnbevölkerung lag 2017 in Luzern bei 0,26 Prozent. Schweizweit sind es 0,53 Prozent. Konnten letztes Jahr 1128 Luzerner von Stipendien profitieren, waren es 2013, also vor der Revision noch 1949 Personen. Spöring sagt: «Das mit dem neuen Stipendiengesetz verbundene Ziel, die Ausbildungsbeiträge gezielter an Personen mit besonders hohem Bedarf auszurichten, wird erreicht.» So würden weniger Personen Stipendien erhalten, aber diese dafür höhere Beiträge. «Die Zahl der bewilligten Gesuche hat sich dadurch um einen Viertel verringert. Zum Vergleich mit anderen Kantonen meint Spöring: «Luzern liegt beim durchschnittlichen Betrag pro Bezüger im Ranking gegenüber anderen Kantonen an vorderer Stelle. Allerdings ist die Anzahl der Begünstigten durch die Sparmassnahmen gesunken.» Die Kürzungen hatten laut Spöring nicht für die wirklich Bedürftigen Folgen, sondern: «Der untere Mittelstand musste auf Stipendien verzichten.» Der durchschnittliche Betrag pro Bezüger hat sich von 5200 im Jahr 2013 auf 7500 im letzten Jahr erhöht.

Mit dem neuen Stipendiengesetz war geplant, den Bereich Darlehen auszubauen. Doch die Summe der bezogenen Darlehen ist zwischen 2015 und 2018 von 1,26 auf 0,84 Millionen Franken gesunken. Die Zahl der Bezüger hat von 200 auf 135 Personen abgenommen. Spöring erklärt: 

«Es werden mehr Darlehen gesprochen, als im alten Gesetz. Allerdings werden diese nicht oder nicht vollumfänglich abgerufen. Es ist generell eine grosse Zurückhaltung beim Bezug von Darlehen zu beobachten.»

Der Dienststellenleiter nimmt an, dass Bezugsberechtigte andere Finanzierungsquellen finden würden. «Sie erhalten beispielsweise Darlehen im familiären Umfeld, arbeiten etwas mehr oder schränken sich materiell ein.»