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Stradivari-Fest:
Musik wie vom Himmel

Das Stradivari-Fest startete mit Mendelssohn und überraschte mitten in der Natur bei Kerzenschein.
Gerda Neunhoeffer
Stradivari Quartett im Kerzenlicht bei der Kappelle Kindlikapelle in Gersau.(Bild: Nadia Schärli, 25. Juli 2019)

Stradivari Quartett im Kerzenlicht bei der Kappelle Kindlikapelle in Gersau.
(Bild: Nadia Schärli, 25. Juli 2019)

Donnerstagabend: Der steile Weg durch den Wald ist mit Fackeln beleuchtet und führt nach unten auf einen kleinen Platz vor der Kindli-Kapelle bei Gersau. Man hört die leisen Wellen des Sees, und langsam füllt sich die kleine Felsenarena mit Besuchern. Auf dem steinigen Untergrund sind Matten ausgebreitet, auf der Wiese sind Kerzen gruppiert, auch auf der Treppe leuchten Kerzen in verschiedenen Grössen. Als alle Plätze besetzt sind, kommen die beiden Geiger des Stradivari Quartetts auf die «Wiesenbühne» vor der Kirche, und Sebastian Bohren erläutert das Programm, das mehr eine Andacht als ein Konzert sei. Deshalb bittet er auch, weder am Anfang noch zwischendurch zu applaudieren.

Xiaoming Wang erklärt die acht Farben («Eight Colours») von Tan Dun und übersetzt für die vielen chinesischen Familien, deren Kinder, wie schon letztes Jahr, einige Tage lang Unterricht, Vorspiele und Wettbewerbe hatten und nun mit zuhören. Werden auch sie, die kleinsten sind vier Jahre alt, leise sein? Erstaunlicherweise ja, und das bei ausgesprochen anspruchsvoller Musik.

Fremdartige Klänge, die bisweilen erschrecken

Nachdem die Glocke vom kleinen Kapellenturm geläutet hat, beginnt der mystische, langsame Satz für Streichquartett von Anton Webern, der musikalisch beschreibt, wie «zwei Seelen sich hier vermählen». Die kurzen, prägnanten acht Farben von Tan Dun verlangen sowohl von den Spielern als auch den Zuhörern hohe Aufmerksamkeit. Die an die Pekingoper angelehnten Klänge sind fremdartig und bisweilen erschreckend in ihrer Schroffheit und atonalen Schärfe.

Wie vom Himmel klingt «Fratres» von Arvo Pärt. Zu der durchgehenden Quinte auf leeren Saiten, die Sebastian Bohren mit erdfernem, hoch differenziertem Klang spielt, kommt ab und zu perkussives Pizzicato vom Cello. Xiaoming Wang mit wundersam schwebenden Geigentönen, Lech Antonio Uszynski mit goldenem Bratschenklang und Maja Weber mit samtweichem Cellospiel heben die gregorianisch meditativen Themen in immer neue Sphären. Und wie dazu einzelne Sterne zu strahlen beginnen, das ist magisch.

Aus der unglaublichen Stille heraus, die weiter anhält, erklingen die zauberischen Dissonanzen im Andante aus Tschaikowskys Streichquartett Nr. 3 es-Moll. Wie das Stradivari Quartett die Reibungen auskostet, wie es diese Trauermusik gestaltet, das ist fast schmerzhaft intensiv. Als das berühmte Adagio von Samuel Barber leise verklingt, bleibt es lange still, bis die Glocke wieder ertönt.

Das Eröffnungskonzert des fünften Stradivari-Festes am Mittwochabend im Mythensaal des Seehotels Waldstätterhof Brunnen ist ganz Felix Mendelssohn gewidmet, der 1831 zu Fuss durch die Schweiz reiste. Seine Sonate für Cello und Klavier Nr. 2 op. 58 wird vom Duo Leonore, Maja Weber und Per Lundberg, virtuos und sensibel interpretiert. Der erste Satz lebt von prachtvollen Klavierakkorden, über denen sich der Klang des Stradivaricellos mühelos erhebt; dass beide schon lange zusammen musizieren, spürt man hier deutlich.

Es ist ein Ineinandergreifen der Töne, das hinreissend durch die ganze Sonate beglückt. Im Klaviertrio Nr. 2 c-Moll op. 66 kommt Xiaoming Wang hinzu, sein flexibler, in allen Lagen schmelzender Ton verbindet sich mit Klavier und Cello zu kongenialem Klang. Der, wie Mendelssohn selbst sagte, «ein bisschen eklig» zu spielende Klavierpart scheint für Lundberg filigran und leicht machbar zu sein. Alle drei interpretieren Mendelssohns geisterhaft huschende Töne ebenso fantastisch wie düstere Energie und brodelndes Feuer. Die vielen Zuhörer applaudieren lang anhaltend und hörbar begeistert.

Für die Konzerte vom 27. und 28. Juli hat es noch Tickets.

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