STRAFVERFÜGUNG: Rollstuhlfahrer soll Busse zahlen

Ein Rollstuhlfahrer fährt eine Frau an und wird wegen fahrlässiger Körperverletzung angezeigt. Das empört viele. Jetzt spricht erstmals aber auch die Angefahrene.

Drucken
Teilen
Slobodan Rasic am Montag am Hirschengraben in der Stadt Luzern. (Bild Eveline Bachmann/Neue LZ)

Slobodan Rasic am Montag am Hirschengraben in der Stadt Luzern. (Bild Eveline Bachmann/Neue LZ)

Der Fall sorgt für Wirbel: Am 10. Oktober 2007 fährt Slobodan Rasic mit seinem elektrischen Rollstuhl von der Baselstrasse in Richtung Kasernenplatz. Der 31-Jährige ist aufgrund einer erlittenen Hirnhautentzündung körperlich schwer behindert. Sein Rollstuhl läuft laut eigenen Angaben nicht schneller als acht Stundenkilometer. Auf dem Trottoir kommt es zum Unglück: Rasic prallt mit Zaklina Tkalcec zusammen. Sie ist mit ihrem Kinderwagen unterwegs. Darin befindet sich ihr einjähriges Kind.

Rasic will Einsprache erheben
«Ich habe sie zu spät gesehen und konnte nicht mehr ausweichen», sagt Rasic. Die Fussgängerin fällt um und verletzt sich am Knie. In der Folge verklagt sie Rasic beim Amtsstatthalteramt wegen fahrlässiger Körperverletzung. Als die Strafverfügung bei Rasic eintrifft, traut er seinen Augen nicht: Er soll eine Busse von 100 Franken und Bearbeitungsgebühren von 250 Franken bezahlen. Hinzu kommen drei Tagessätze zu je 50 Franken – diese jedoch bedingt, mit einer Probezeit von zwei Jahren. «Ich war schockiert. Das ist für mich viel Geld», sagt Slobodan Rasic, der in einer Behinderten-Werkstatt arbeitet und monatlich 300 Franken Lohn erhält. Nun will er sich wehren: «Ich habe mir einen Anwalt genommen und werde gegen die Strafverfügung Einsprache erheben.»

Klägerin Zaklina Tkalcec (30) fordert zudem von Rasic ein Schmerzensgeld von 500 Franken: Die Knieverletzung stelle sie als Serviceangestellte vor berufliche Probleme.

Andreas Bättig

Den ausführlichen Artikel lesen Sie am Dienstag in der Neuen Luzerner Zeitung.