STRAFVOLLZUG: Gefängnisse Willisau und Sursee: Schliessung

Bei den beiden Gefängnissen Willisau und Sursee wären Investitionen nötig, um sie weiter zu betreiben. Daher sollen sie geschlossen werden – und neue Plätze für die Häftlinge sind nötig.

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Das Gefängnis Willisau. (Bild Boris Bürgisser/Neue LZ)

Das Gefängnis Willisau. (Bild Boris Bürgisser/Neue LZ)

Am Sonntag, 4. April, haben drei Männer einen Mitarbeiter des Gefängnisses Willisau geknebelt und in eine Zelle gesperrt. Danach sind sie geflohen. Eine Person konnte am 6. April wieder verhaftet werden, zwei sind noch auf der Flucht. Der Betrieb im Gefängnis Willisau wurde eingestellt, die restlichen Gefangenen umplatziert.

Wie es in einer Mitteilung der Staatskanzlei Luzern heisst, sind «bisher noch nie Insassen aus dem Gefängnis Willisau ausgebrochen». Auf die die näheren Umstände des Ausbruchs geht der Bericht nicht ein. Allerdings habe sich ergeben, dass «eine Verkettung von mehreren Faktoren» dazu geführt habe.

Mehr problematische Fälle in Willisau
1999 wurde das frühere Amtsgefängnis Willisau mit zehn Plätzen dem Haft- und Untersuchungsgefängnis Grosshof als Aussenstelle angegliedert. Da es laut Mitteilung «nicht den neuesten Sicherheitsanforderungen entspricht» seien dort nur einfach zu führende Gefangene untergebracht worden.

Mit dem Inkrafttreten des neuen Allgemeinen Teils des Strafgesetzbuches wurden die kurzen Freiheitsstrafen praktisch abgeschafft, so dass die Anzahl der unproblematischen Vollzugsfälle zurück ging. Der Anteil der psychisch auffälligen und betreuungsintensiven Insassen stieg jedoch an.

Schliessung statt Investitionen
Wegen der starken Belegung des Haft- und Untersuchungsgefängnisses Grosshof mussten immer mehr Gefangene in die Aussenstelle Willisau versetzt werden, die zwar eigentlich nicht für dieses Gefängnis vorgesehen waren, sich im Vollzug aber gut benahmen. Das Problem: auch Insassen mit Kurz- und Reststrafen sind schwer einschätzbar. Die Staatskanzlei schreibt: «Diese Erkenntnis ist neu und entspricht nicht den bisherigen Erfahrungen im Strafvollzug.»

Sowohl im Gefängnis Willisau als auch im Ausschaffungsgefängnis Sursee wären Investitionen nötig, wenn man den Betrieb weiter aufrechterhalten wollte. Daher wurde laut Mitteilung beschlossen, die beiden Gefängnisse zu schliessen und die wegfallenden Vollzugsplätze anderweitig zu organisieren.

Zehn weitere Plätze – aber wo?
Als erstes wird das Ausschaffungsgefängnis Sursee geschlossen, ab Herbst 2010 wird die Ausschaffungshaft in der Strafanstalt Wauwilermoos vollzogen. Die notwendigen Anpassungen im Wauwilermoos seien im Gang. Danach wäre die Schliessung des Gefängnisses Willisau vorgesehen.

Auch hier stellt sich ein Problem: Der Kanton Luzern kann laut Mitteilung der Staatskanzlei nicht auf die zehn Gefängnisplätze in Willisau verzichten. Daher werden vor Investitionen in die Aussenstelle Willisau Abklärungen vorgenommen und Alternativen gesucht, welche auf längere Sicht wirtschaftlicher und sicherer sind.

Ausserdem muss geklärt werden, ob in einer anderen Institution Plätze fest gebucht oder gemietet werden können und mit welchem Aufwand und zu welchem Preis beim Gefängnis Grosshof in Kriens mehr Plätze geschaffen werden könnten.

ana