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STRASSENBAU: Der älteste Kreisel im Kanton Luzern steht in Wolhusen

Der erste Kreisel im Kanton Luzern ist erst 28 Jahre alt. Bis er gebaut werden konnte, war viel Überzeugungsarbeit nötig – und eine Reise in die Westschweiz.
Niels Jost
Der «Rösslikreisel» in Wolhusen ist der älteste seiner Art im Kanton. (Bild: Bilr: Nadia Schärli (17. Juli 2017))

Der «Rösslikreisel» in Wolhusen ist der älteste seiner Art im Kanton. (Bild: Bilr: Nadia Schärli (17. Juli 2017))

Niels Jost

niels.jost@luzernerzeitung.ch

«Das könnt ihr vergessen. Das funktioniert nie.» Das waren Anfang 1987 die markigen Worte des damaligen Kantonsingenieurs zur Idee, die Kreuzung der Bahnhofstrasse und der Menznauerstrasse in Wolhusen durch einen Kreisel zu ersetzen. Die Aufregung war vorprogrammiert. Denn im überschaubaren Dorf mit damals rund 3700 Einwohnern sollte nicht nur irgendein Kreisel gebaut werden, sondern der erste in der ganzen Zentralschweiz.

Mit Grund. Denn die Verkehrssituation war in Wolhusen alles andere als befriedigend. Immer mehr Autos nutzten die drei Hauptachsen, um entweder nach Luzern, Richtung Entlebuch oder Richtung Willisau-Hinterland zu fahren. Wer aber beispielsweise vom Entlebuch herkommend links ins Hinterland abbiegen wollte, der musste warten, bis im Gegenverkehr eine Lücke frei wurde. Im Winter akzentuierte sich das Problem, wenn Skitouristen eine regelrechte Blechlawine verursachten.

Trotz Skepsis: Gemeinderat forciert Planung

In einem Punkt waren sich alle ­einig: Die Kreuzung genügte dem Verkehrsaufkommen nicht mehr. Ist aber ein Kreisel für rund 300 000 Franken des Problems Lösung? Die Skepsis war gross – nicht nur bei den Behörden, sondern auch seitens der Bevölkerung, erinnert sich Hans Bucher, der damals als Gemeinderat amtete. Erschwerend kam hinzu, dass das kantonale Tiefbauamt eigentlich einen Ausbau der Kreuzung vorsah. Dass damit das Vortrittsproblem mit den langen Wartezeiten für abbiegende Autos aber nicht gelöst werden kann, erkannte man damals nicht. Die Ausgangslage für den Bau des ersten Luzerner Kreisels war also alles andere als rosig. Welchen Stellenwert das Vorhaben allerdings hatte, zeigte der Besuch der Kantonsvertreter in Wolhusen sinnbildlich, wie Hans Bucher erzählt. «Es war nicht alltäglich, dass der Kantonsingenieur extra zu uns ins Gemeindehaus kam.»

Von all dem liess sich die Wolhuser Exekutive aber nicht beirren. Um anstelle der Vergrösserung der Kreuzung den Bau eines Kreisels zu prüfen, beauftragten sie 1987 Robert Zemp. Die Wahl fiel nicht zufällig auf den Dagmerseller Ingenieur. «Er hatte als Erster die Idee, in Wolhusen ­einen Kreisel zu bauen», weiss Hans Bucher. «Zu Recht nennt man ihn denn auch den ‹Kreiselvater›», sagt er. Auch Zemp erinnert sich: «Der Kanton plante bereits, die Burgrain-Kreuzung in Alberswil mit einem Kreisel zu ersetzen. Auch eine Dokumentation über Verkehrskreisel in der Schweiz, die mir der damalige Baudirektor Josef Egli überreichte, brachte mich auf die Idee, ­einen Kreisel in Wolhusen aufs Tapet zu bringen.» Ein Jahr später sollte Zemp für seine Idee mit dem «Wolhuser Innovationspreis» ausgezeichnet werden.

Doch der Reihe nach. Die Skepsis der Bevölkerung war mit der Überprüfung des Projekts noch nicht vom Tisch. Eine Charmeoffensive war nötig. Der Gemeinderat, das Tiefbauamt, die Grundeigentümer um den Rössliplatz und andere inter­essierte Bürger machten deshalb ein «Reisli» nach Thun, Fribourg, Payerne und Biel. Dort rollte der Verkehr bereits im Kreis. Das funktionierte – und hinterliess offenbar einen guten Eindruck bei den Skeptikern. «Zu Hause angekommen, waren sich alle einig: Ein Kreisel würde sich auch in Wolhusen lohnen», sagt Bucher. Offiziell berichtete der Gemeinderat dies in einem Schreiben an die Regierung vom 13. Mai 1987 so: «Eine Kreisel­lösung auf dem Dorfplatz wäre nicht nur technisch möglich, sondern könnte auch einen besseren Verkehrsfluss bei gleichzeitiger Verkehrsberuhigung bringen.»

Die Regierung zögerte. Schliesslich genehmigte sie aber im November 1987 den Bau eines provisorischen Kreisels mit 27 Metern Durchmesser, nachdem der Grosse Rat (heutiger Kantonsrat) das Projekt ins Mehrjahresprogramm aufgenommen hatte. Die Testphase dauerte ein Jahr – und war ein voller Erfolg. «Die Erfahrungen werden von allen Beteiligten als positiv gewertet», schrieb etwa das «Vaterland». «Musste die Polizei vorher praktisch jede Woche einmal zu einem Unfall ausrücken, ist seit der Einführung der neuen Lösung vor vier Monaten noch kein einziger geschehen.» Probleme habe es bloss gegeben, weil nicht alle mit den neuen Vortrittsregeln vertraut seien, heisst es im Zeitungsbericht weiter. Auch «Kreiselvater» Robert Zemp erinnert sich: «Man hat lange den Rechtsvortritt gepredigt. Es dauerte deshalb eine Weile, bis sich die Verkehrsteilnehmer an den Linksvortritt im Kreisel gewöhnt hatten.»

Kreisel wartete lange auf seinen «Schmuck»

Überzeugungsarbeit musste fortan auch bei den Politikern des Grossen Rates geleistet werden. Dort war das Geschäft ein Novum. Hans Bucher, welcher neben seinem Amt als Gemeinderat auch noch für die CVP im Grossrat vertreten war, erinnert sich, dass sich viele Votanten für den Kreiselbau starkmachten. Mit Erfolg. Der definitive Ausbau des Provisoriums wurde genehmigt und schliesslich vom Regierungsrat im Oktober 1988 bewilligt. Mitte Juni 1989 wurde der fertiggestellte «Rösslikreisel» für den Verkehr freigegeben. Aber erst kürzlich, nach 28 Jahren Betrieb und starker Verkehrsbeanspruchung, wurde der Kreisel erneuert und erhielt sein heutiges Aussehen (siehe Kasten).

das Provisorium im Dezember 1987. (Bild: Staatsarchiv Luzern/Guido Uebelhard)

das Provisorium im Dezember 1987. (Bild: Staatsarchiv Luzern/Guido Uebelhard)

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