STRASSENVERKEHR: Neue Schilder sorgen für Ärger

In der Stadt Luzern sollen neue Warnschilder vor Kreuzungen den Verkehr verflüssigen. Das Gegenteil wird passieren, ist ein Uni-Professor überzeugt.

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Urs Wigger, Mediensprecher der Stadt- und Kantonspolizei Luzern, mit dem temporären Verkehrsschild. (Bild Pius Amrein/Neue LZ)

Urs Wigger, Mediensprecher der Stadt- und Kantonspolizei Luzern, mit dem temporären Verkehrsschild. (Bild Pius Amrein/Neue LZ)

«Freie Kreuzung = Freie Fahrt». Mit diesen Tafeln versucht die Stadt Luzern derzeit, an neuralgischen Kreuzungen den Verkehr zu verflüssigen. «Das bringt doch nichts», sagt René Kuhn, SVP-Präsident der Stadt Luzern. «Zusätzliche Tafeln werden den Verkehr eher zum Erliegen bringen, weil man sich zur sehr auf die Tafeln konzentriert.»

Experten sind sich einig: Auf dem 70'000 Kilometer langen Schweizer Strassennetz wuchert ein unübersichtlicher Schilderwald. 5 bis 6 Millionen Verkehrstafeln sind es laut Bundesamt für Strassen (Astra). Und es werden immer mehr.

Mehr Schilder bedeuten auch mehr Ablenkung
Professor Lutz Jäncke von der Universität Zürich hat mit Hilfe eines Fahrsimulators erforscht, was beim Autofahren im Gehirn passiert. Er warnt vor zu vielen Schildern: «Je mehr Schilder auftauchen, desto mehr wird der Lenker abgelenkt – und oft sogar verwirrt.»

Jäncke kann sich denn auch nicht vorstellen, dass Schilder wie die aufgestellten Tafeln vor Kreuzungen in der Stadt Luzern das Verstopfen der Fahrbahn verhindern werden. Denn der Autofahrer müsse die Tafel lesen und sie interpretieren. Entsprechend fehle ihm die Zeit, sich auf die Fussgänger oder die anderen Strassenteilnehmer zu konzentrieren.

Für Jäncke ist klar: Statt zusätzlicher Schilder sollte ein Teil davon ausgemustert werden. «Von mir aus könnte man gut und gerne 20 der über 200 Strassensignale ersatzlos eliminieren.» Jäncke verweist in diesem Zusammenhang auch auf Deutschland. Dort will Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee 22 Schilder ausmustern. Allerdings sorgt die Auswahl der Schilder bereits wieder für Diskussionen.

15 neue Schilder sind nur temporär
Auch in Luzern wird über eine Reduktion der Schilder diskutiert. Aschi E. Schmid, Teamleiter Verkehrsmassnahmen des Kantons Luzern, bestätigt, dass man die Beschilderung überprüfe. 

In der Schweiz ist das Astra für die Bewilligung oder Ausmusterung offizieller Strassensignalisationen zuständig. Mediensprecher Thomas Rohrbach bestätigt, dass im Agglomerationsbereich «unter Umständen manches Signal angebracht ist, das die Situation nicht übersichtlicher macht»

Die Stadt Luzern hält trotzdem an den 15 neuen Warnschildern vor Kreuzungen fest. «Das ist ja nur eine temporäre Aktion, die bis Mitte Oktober dauert», sagt Urs Wigger, Polizei-Mediensprecher. Im Anschluss werde ausgewertet, was diese Aktion gebracht habe.

Simone Hinnen

Den ausführlichen Artikel lesen Sie am Dienstag in der Neuen Luzerner Zeitung.