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STRASSENVERKEHR: Stiftung redet Junglenkern ins Gewissen

Unter-25-Jährige verursachen besonders häufig Unfälle. Die Strassenopfer-Stiftung Road Cross will deshalb bei dieser Altersgruppe ansetzen. Luzerner KV-Schüler erhielten eindrücklichen Anschauungsunterricht.

Rund 80 Schüler des Abschluss-Jahrgangs an der Berufsschule KV Luzern machten am Freitag Bekanntschaft mit Martin Bänz. Er raste mit 140 km/h über eine Tempo-80-Strasse, verlor die Kontrolle und fuhr in einen Baum. Gut 15 Jahre ist das her, noch immer leidet Bänz unter grossen Schmerzen, ist aufgrund der Gesundheitskosten verschuldet und kann keinen Sport mehr treiben. «Ich habe mir alles versaut», sagt er dazu.

Persönlich anwesend war Bänz in Luzern – im Gegensatz zu früheren Anlässen der Stiftung Road Cross – jedoch nicht. Spätfolgen des Unfalls würden dies verunmöglichen, sagte Serkan Yalçinkaya, Fachspezialist Prävention bei Road Cross, der den Anlass leitete. Stattdessen wurde ein Video über Bänz gezeigt.

Die Stiftung, die sich für Strassenopfer und Verkehrs­sicherheit einsetzt, führt derartige Veranstaltungen an allen Deutschschweizer Berufsschulen, an mehreren Kantonsschulen sowie bei Firmen durch. «Das Ziel ist, dass die Jugendlichen ihr eigenes Handeln hinterfragen, für Unfallfolgen sensibilisiert werden und die Konsequenzen von Unfallfolgen abschätzen können», so Yalçinkaya.

Alkohol verliert an Bedeutung

Die in der Aula des KV Luzern anwesenden Schüler waren alle ungefähr 18 Jahre alt. Dass Road Cross dieses Alterssegment anspricht, hat seinen Grund: Die Zahl der schweren Unfälle mit Beteiligung von jungen Erwachsenen zwischen 18 und 24 Jahren hat schweizweit zwar abgenommen – zwischen 2006 und 2016 von knapp 500 auf unter 200. Doch nach wie vor ist diese Altersgruppe für verhältnismässig viele Kollisionen verantwortlich.

Bei 67 Prozent der Unfälle mit Beteiligung von jungen Lenkern waren diese auch Hauptverursacher oder alleinige Verursacher, wie Zahlen der Beratungsstelle für Unfallverhütung zeigen. Bei den 25- bis 64-Jährigen liegt dieser Wert bei 45 Prozent, wobei die Jahre 2012 bis 2016 berücksichtigt sind.

Häufige Unfallursachen bei Jungen sind erhöhte Geschwindigkeit und Ablenkung (siehe Grafik). Alkohol spielt seit der Einführung des Fahrausweises auf Probe und der damit verbundenen Nulltoleranz dagegen immer weniger eine Rolle. Daher legte Yalçinkaya den Schwerpunkt auch auf die beiden häufigsten Unfallursachen. Neben dem bereits erwähnten Fall Bänz zeigte er auf, dass auch nur ein kurzer Blick auf das Handy ausreichen kann, um einen Unfall zu verursachen und so nicht nur eine fremde Person, sondern auch deren Umfeld und sich selbst in Mitleidenschaft zu ziehen. «Die Welt geht nicht unter, wenn ihr mal eine halbe Stunde nicht auf das Handy schaut.» Weiter ermutigte Yalçinkaya die Jugendlichen, auch mal aus einem Auto auszusteigen, wenn der Fahrstil des Lenkers zu gefährlich wird.

Ohne Gurt wird der Airbag zur Falle

Zudem thematisierte er den Sicherheitsgurt. Selbst bei geringem Tempo könne es tödliche Unfälle geben, wenn man sich nicht angurte. Ein ungebremster Aufprall gegen den Airbag ende mit grosser Sicherheit mit einem Genickbruch.

Yalçinkaya versuchte dabei, «auf Augenhöhe» mit den Jugendlichen zu kommunizieren, wie er selbst sagte. So bot er ihnen von Anfang an das Du an und bezog sie immer wieder mit ein. Tatsächlich machten diese gut mit und beteiligten sich aktiv.

Laut Esther Schönberger, Rektorin des KV Luzern, habe Road Cross die Durchführung des Anlasses von sich aus angeboten. Es handelt sich quasi um einen Projekttag, der zur Unterrichtszeit gehört. «Wir haben das aufgenommen im Sinne einer Präventionskampagne», sagt sie. Zwar würden die meisten Schüler mit dem ÖV anreisen. «Doch Mobilität ist Teil des Lebens.»

Und wie kam das bei den Jugendlichen selbst an? Die von uns angefragten Schüler äusserten sich nach dem Anlass positiv. «Es war eindrücklich», sagte etwa ­Valentin. Er habe zwar einiges schon gewusst, nehme aber trotzdem etwas mit. Eduard und Simon waren vor allem vom Thema Sicherheitsgurt beeindruckt. Fortan wollen sie sich im Auto immer anschnallen.

Stefan Dähler

stefan.daehler@luzernerzeitung.ch

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