Streit um Hofkirche-Friedhof: Stadt Luzern und Stift St. Leodegar einigen sich

Der Stadtrat beantragt beim Parlament einen Kredit von 2,18 Millionen zur Sanierung der Gräberhallen bei der Hofkirche. Deren Unterhalt soll künftig aber das Stift St. Leodegar bezahlen. Dafür wird der Friedhof bei der Hofkirche ein Privatfriedhof.

Hugo Bischof
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Die Stadt Luzern und das Stift St. Leodegar haben sich über die Eigentumsverhältnisse und die Unterhaltspflichten bei den Gräberhallen rund um die Hofkirche geeinigt. Der Stadtrat beantragt beim Parlament einen Kredit von 2,18 Millionen Franken, um die Gräberhallen bei der Hofkirche ein letztes Mal zu sanieren. Das Stift St. Leodegar (Chorherrenstift) und die Stadt haben vereinbart, dass der Unterhalt danach vom Stift übernommen wird.

Ein Teil der Gräberhallen bei der Hofkirche Luzern.

Ein Teil der Gräberhallen bei der Hofkirche Luzern.

Bild: Pius Amrein (Luzern,
26. Oktober 2020)

Grossbrand 1633

1633 fiel die Hofkirche einem Grossbrand zum Opfer. Auch die beiden Türme brannten aus, blieben aber stehen. Der sofortige Wiederaufbau wurde grösstenteils von der Stadt Luzern finanziert. Neu entstand damals auch der heutige Kreuzgang mit den Gräberhallen rund um die Hofkirche. Zuvor befanden sich die Gräber im Inneren der Kirche.

Das Stift St. Leodegar ist weiterhin alleinige Eigentümerin der Gräberhallen. Diese gelten aber zusammen mit den umliegenden Grünflächen bis heute als städtischer Friedhof. Dieser Status ist speziell, weil die Stadt selber nur für 19 Plattengräber Begräbnisrechte hat. Die Rechte an den restlichen 392 Plattengräbern liegen entweder beim Stift St. Leodegar oder bei Privaten. Sie wurden im 17. Jahrhundert von der Stadt vor allem Mitgliedern der politischen Führungsschicht sowie weiterer privilegierter Familien zugeteilt; die Rechte werden zu einem grossen Teil weitervererbt.

Diese Vertragssituation sei für die Stadt auch aus finanzieller Sicht unbefriedigend, schreibt der Stadtrat. Gemäss einer Vereinbarung von 1946 trägt die Stadt den gesamten Unterhalt der Gräberhallen, jährlich rund 90'000 Franken. Gleichzeitig erwirtschafte die Stadt aus den 19 Plattengräbern jährlich lediglich 1520 Franken:

«Das Missverhältnis ist offensichtlich.»

Die Privaten bezahlen weder dem Stift St. Leodegar noch der Stadt Luzern eine Gebühr für die Benützung der Gräberhallen.

Stadt hat Vertrag einseitig gekündigt

Die Stadt hat deshalb im Februar 2019 den Vertrag von 1946 einseitig gekündigt. Um seine Rechte zu wahren, hat das Stift St. Leodegar seinerseits die Stadt auf die Vornahme der Unterhaltsarbeiten an den Gräberhallen eingeklagt. Im November 2019 fand eine Verhandlung vor dem Friedensrichter statt. Für die Fortsetzung der Vergleichsgespräche, an denen auch Bischof Felix Gmür beteiligt war, wurde dieses Verfahren jetzt sistiert.

Gemäss der jetzigen Vereinbarung sollen die Eigentumsverhältnisse am Friedhof im Hof unverändert bleiben. Die Gräberhallen bleiben im Besitz des Stifts St. Leodegar, die Hofkirche je zur Hälfte im Besitz der Katholischen Kirchgemeinde und des Stifts St. Leodegar. Die Stadt Luzern bleibt Eigentümerin der öffentlichen Wege; für deren Unterhalt ist sie weiterhin zuständig. Als Gegenleistung dafür, dass das Stift künftig den Unterhalt der Gräberhallen übernimmt, verzichtet die Stadt auf ihre Begräbnisrechte an ihren bisherigen 19 Plattengräbern.

Es droht ein Weiterzug der Klage ans Bezirksgericht

Komme die neue Vereinbarung nicht zu Stande, werde das Stift
St. Leodegar seine Klage voraussichtlich an das Bezirksgericht Luzern einreichen, schreibt der Stadtrat. Würde dieses die Kündigung des Vertrags von 1946 für ungültig erklären – «wovon auszugehen ist», so der Stadtrat –, müsste die Stadt Luzern den Unterhalt der Gräberhallen auch zukünftig finanzieren.

Christoph Sterkman, seit Anfang September 2020 neuer Propst (Vorsteher) des Stifts St. Leodegar, sagt zur jetzigen Vereinbarung:

«Es ist eine Vernunftlösung.»

Falls das Stadtparlament ihr zustimmt, wird das Stift den Friedhof im Hof ab 1. März 2021 als Privatfriedhof führen. Das Stift würde dann die Begräbnisrechte für 115 Plattengräber haben. Die restlichen sind im Besitz Privater; sie sind im Grundbuch eingetragen.

Sanierung ist dringend notwendig

Die Sanierung der denkmalgeschützten Gräberhallen ist gemäss Stadträtin und Baudirektorin Manuela Jost dringend notwendig. Sie befinden sich in einem baulich schlechten Zustand. Einige tragende Holzbauteile sind gebrochen, einige Dachpartien sind eingestürzt oder drohen einzustürzen. Wegen eindringenden Wassers sind die Holzschindeln unter der Ziegeleindeckung teils stark verfault.

Zudem ist der Wand- und Säulenverputz wegen aufsteigender Feuchtigkeit an verschiedenen Stellen beschädigt. Auch Säulen und Weihwasssersteine weisen Risse auf. Die Sanierung soll in verschiedenen Etappen bis 2026 erfolgen.