Streit ums Luzerner Theater: Der Stadtrat will jetzt mit dem Bund reden

Der Luzerner Stadtrat wollte das Luzerner Theater eigentlich abreissen. Doch gross kämpfen will er dafür nicht – lieber sucht er gleich einen Kompromiss mit dem Bund.

Robert Knobel
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Der Bund will die Nordfassade des Luzerner Theaters schützen.

Der Bund will die Nordfassade des Luzerner Theaters schützen.

Bild: Pius Amrein (Luzern, 9. Oktober 2019)

Renovieren oder abreissen? Diese Frage steht bei der geplanten Erneuerung des Luzerner Theaters im Zentrum. In Öffentlichkeit und Politik schienen bis vor Kurzem die Meinungen bereits gemacht: Kaum jemand würde dem 180-jährigen Stadttheater viele Tränen nachweinen. Und doch wird zurzeit heftig über einen Abriss des Theaters gestritten. «Schuld» daran ist der Bund: Die Eidgenössischen Kommissionen für Denkmalpflege (EKD) und Natur- und Heimatschutz (ENHK) haben nämlich ein Gutachten veröffentlicht, in dem sie einen Abriss des Gebäudes sehr kritisch beurteilen (wir berichteten). Die Resultate schlugen in Luzern fast wie eine Bombe ein.

Grosse Angst vor Beschwerden

Die Bildungskommission des Stadtparlaments glaubte allerdings, einen Weg gefunden zu haben, wie Luzern doch noch zu einem Theater-Neubau kommen könnte: Just vor wenigen Tagen trat nämlich eine Anpassung des Natur- und Heimatschutzgesetzes in Kraft. Diese besagt explizit, dass die Meinung von eidgenössischen Kommissionen nur eines von vielen Beurteilungskriterien sei (wir berichteten). Doch für den Stadtrat ändert dies nicht viel an der Tatsache, dass ein vollständiger Abriss des Theaters angesichts der Haltung der Kommissionen kaum noch realistisch ist. Zwar sei er weiterhin «von den betrieblichen Vorteilen eines Neubaus beziehungsweise einer sehr weitgehenden Erneuerung am Theaterplatz überzeugt», wie er in seiner Antwort auf eine Interpellation im Stadtparlament schreibt. Doch für einen vollständigen Abriss kämpfen mag er nicht – zu gross ist offenbar die Angst vor möglichen Rekursen und Beschwerden. Auch ein Gegengutachten zum Bundesgutachten erachtet der Stadtrat als nicht sinnvoll. 

Der Stadtrat stützt sich dabei auch auf die Einschätzung des Bundesamts für Kultur, welches den beiden Kommissionen grosses Gewicht zugesteht. Das Bundesamt empfiehlt den Luzernern, bei einem Umbau des Theaters eng mit dem Bund zusammen zu arbeiten. So sei der Bund auch bereit, im Rahmen der weiteren Planungen einen eigenen Experten zur Verfügung zu stellen.

Züsli: «Wir nützen den Spielraum Richtung Neubau maximal aus»

Der Stadtrat plant ebenfalls, mit dem Bund zu kooperieren, wie er schreibt. Zurzeit wartet er aber noch auf eine Machbarkeitsstudie, die er beim Luzerner Architekten Max Bosshard in Auftrag gegeben hat. Die Studie soll bis im Frühling die Frage klären, wie viel von der originalen Bausubstanz konkret erhalten bleiben muss, um den Wünschen der eidgenössischen Kommissionen nachzukommen. Denn diese betrachten insbesondere die Nordfassade des Theaters auf der Reuss-Seite als absolut erhaltenswert. Beim Rest des Gebäudes und bei einem allfälligen Erweiterungsbau sei ein «sehr freier Umgang» mit der Bausubstanz möglich. An diese Formulierung klammert sich auch der Stadtrat in der Hoffnung, zusammen mit den Kommissionen einen Kompromiss zu finden. Stadtpräsident Beat Züsli (SP) sagt dazu: «Ich versichere, dass wir den Spielraum in Richtung Neubau maximal ausloten werden.»

Sobald die Ergebnisse von Max Bosshard vorliegen, werden Stadt, Kanton und Theater-Projektierungsgesellschaft mit den beiden eidgenössischen Kommissionen in Kontakt treten, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Ziel ist, dass sämtliche Spielregeln bezüglich Abriss und Erhaltung bis zum Start des Architekturwettbewerbs geklärt sind. Denn das Wichtigste sei, so der Stadtrat, dass man eine möglichst hohe Planungssicherheit erziele. Und das gehe nur im Einklang mit den Bundesbehörden. 

FDP: «Wir vermissen den Kampfgeist»

Wenig begeistert von der Haltung des Stadtrats Marc Lustenberger (FDP): «Wir vermissen den Kampfgeist.» Schon beim KKL habe man anfänglich behauptet, es sei unmöglich, den Meili-Bau abzureissen. Es sei Stadtpräsident Kurzmeyer zu verdanken gewesen, dass das Unmögliche am Ende doch möglich wurde. Auch Michael Zeier (CVP) fordert, der Stadtrat solle die Luzerner Sichtweise selbstbewusst beim Bund einbringen. Denn das Wichtigste für Luzern sei ein «städtebaulich hochwertiges Produkt».

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