Strenge Vorschriften: Nur wenige Luzerner dürfen noch selber kohlen

Die Hobbyköhlerei ist in Luzern einzig in Ausnahmefällen erlaubt – ganz zum Leid von zwei Dagmersellern. Die zwei Waldbesitzer müssen von ihrem Hobby wohl oder übel Abschied nehmen.

Pascal Linder
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Ein Köhler aus dem Entlebuch brennt in der Nacht den Kohlemeiler aus.

Ein Köhler aus dem Entlebuch brennt in der Nacht den Kohlemeiler aus.

Bild: Simon Meyer (Entlebuch, 31. Juli 2015)

Der Uffikerberg in Dagmersellen ist ihr Zuhause: Martin Minder und Daniel Hafner sind Nachbarn. Sie verbindet aber viel mehr als nur der Wohnort, denn sie haben ein aussergewöhnliches Hobby: Holzkohle nach altem Handwerk produzieren. Sie planten sogar eine Schauköhlerei, in der sich Besucher umschauen können. Daraus wird aber nichts: Die kantonale Dienststelle für Raum und Wirtschaft (Rawi) erteilt den beiden keine Bewilligung – ein Entscheid, der auf Unverständnis stosst.

Von vorne. «Vor rund zwei Jahren schaute ich den Dokumentarfilm Köhlernächte», sagt Minder. Der Film zeigt Köhler aus der Napfgemeinde Romoos, die das jahrhundertealte Handwerk ausüben. Minder war fasziniert, wollte auch mit dem Köhlern anfangen. Schnell holte er Hafner ins Boot – auch er war von der Idee begeistert. Als Waldbesitzer haben die zwei überschüssiges Holz, das sie zu Grillkohle weiterverarbeiten können. Also bauten sie ihren ersten Meiler – einen temporär errichteten Ofen, in dem das Holz verkohlt wird.

Hobbyköhlerei sei zu schädlich für die Umwelt

«Erst viel später wurden wir von einem Förster darauf aufmerksam gemacht, dass Köhlern bewilligungspflichtig ist», erzählt Minder. Die Hobbyköhler wollten alles richtig machen, reichten bei der zuständigen Dienststelle eine Vorabklärung ein.

Dann die Ernüchterung: das Rawi erteilt die Bewilligung nicht. Abteilungsleiter Baubewilligungen Roland Emmenegger begründet den Entscheid damit, dass «ein Meiler dieser Art» aus «umweltrechtlichen Gründen» höchst bedenklich sei. Denn die Holzkohle entsteht durch die Erhitzung von Holz bei abgeschlossener Luftzufuhr. Dabei treten CO2 und Kohlenwasserstoffe aus, welche die Umwelt belasten.

Viel Unverständnis und Frustration

Minder und Hafner können den Entscheid des Kantons nicht nachvollziehen. Sie finden: die durchs Köhlern entstandenen Schadstoffe seien «viel weniger schädlich» als etwa die Emissionen eines Kurzstreckenflugs. Hinzu kommt: In der Gemeinde Romoos gibt es elf Kohlplätze. Warum also darf da gekohlt werden, auf dem Uffikerberg aber nicht? «Die Kohlplätze um Bramboden und Romoos gehören zum Unesco-Biosphärenreservat Entlebuch», erklärt Emmenegger vom Rawi.

Die Köhlerei ist im Napfgebiet Tradition; die Kohlplätze stünden unter einer Sonderregelung zur Bewahrung des immateriellen Kulturerbes. Doch auch das stimmt Minder nicht versöhnlich, er bleibt frustriert. Letztlich muss er sich aber fügen; so werde er aus dem überschüssigen Holz jetzt wohl Brennholz machen.

So funktioniert die Holzköhlerei

Ein Meiler ist ein Konstrukt aus Holz und wird auf einer ebenen Fläche aufgebaut. In dessen Mitte wird der Feuerschacht errichtet. Für eine möglichst gute Luftdichtheit wird der ganze Ofen mit Tannenreisig, Laub oder Gras sowie einem Gemisch aus Erde und Holzkohlenabfall abgedeckt. Die Konstruktion wird zur Sicherung mit Drahtseilen zusammengebunden (siehe Bild). Dann schüttet der Köhler glühende Kohle in den Feuerschacht, der Glimmprozess beginnt. Mit einem Eisendeckel wird der Schacht abgedeckt. In regelmässigen Abständen stechen die Köhler nun Löcher in den Meiler, damit der weisse Rauch austreten kann. Sobald der Rauch eine blaue Farbe hat, ist der Verkohlungsprozess abgeschlossen. Je nach Grösse des Meilers dauert die Verkohlung zwei Wochen. Während dieser Zeit müssen die Köhler rund um die Uhr anwesend sein und den Meiler bearbeiten – ein echter Knochenjob. (pl)

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