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Luzerner Kleinbrauereien jubeln über den Hitzesommer

Das sonnige Wetter treibt den Bierkonsum in die Höhe. Davon profitieren auch die Luzerner Kleinbrauereien. Sie wachsen teils massiv und investieren. Doch die Folgen des trockenen Sommers könnten zum Problem werden.
Christian Glaus
Andi Stöckli, Geschäftsführer der Braustation Sursee, bestimmt die Dichte des Biers. (Bild: Pius Amrein, 14. August 2018)

Andi Stöckli, Geschäftsführer der Braustation Sursee, bestimmt die Dichte des Biers. (Bild: Pius Amrein, 14. August 2018)

Es hat schon gut angefangen, sich dann Monat für Monat weiter gesteigert – und ein Ende ist noch nicht in Sicht. Das Bier-Jahr 2018 bringt die Braumeister ins Schwärmen. Sonniges Wetter und dazu noch die Fussball-WM mit den Public Viewings trieben die Absätze in die Höhe. So sehr, dass die Brauereien am Anschlag laufen. Sogar die grossen. «Obwohl wir dank unserer Erfahrung recht gut planen konnten, gab es auch bei uns einen kurzen Engpass», sagt Urs Frei, Mediensprecher des Bierkonzerns Heineken, zu welchem die Brauerei Eichhof gehört. Man habe aber jederzeit liefern können, betont Frei. Konkrete Zahlen zum Absatz gibt er nicht bekannt, spricht aber von einem «guten Jahr».

Marcel Kreber, Direktor des Schweizer Brauerei-Verbands, rechnet damit, dass der Bier-Konsum wetterbedingt gegenüber dem Vorjahr um 2 bis 3 Prozent steigt. Das würde, hochgerechnet auf 2018, einem Jahreskonsum von gegen 4,8 Millionen Hektoliter entsprechen. Gut läuft es insbesondere für die Kleinbrauereien. Der Trend hin zu lokalem Bier, der vor etwa zehn Jahren eingesetzt hat, hält an.

Brauer legen Nachtschichten ein

Solche Kleinbrauereien sind im Kanton Luzern zahlreich vertreten – befeuert von der Übernahme der Luzerner Brauerei Eichhof durch Heineken vor zehn Jahren. Die Kleinbrauereien erkämpfen seit ihrer Gründung Marktanteile. Ein guter Bier-Sommer wie im laufenden Jahr ist für sie wichtig. «Wir haben unsere Kapazitäten voll und ganz ausgeschöpft und einige Nachtschichten eingelegt», sagt Gregor Felder, Geschäftsführer der Entlebucher Bier AG. Die Brauerei hat vor zehn Monaten eine neue Abfüllanlage in Betrieb genommen. Täglich können die Brauer 8 Hektoliter Bier herstellen, das Lager reicht für 57 Hektoliter. Das Geschäft läuft laut Felder gut. «Wegen der grossen Nachfrage ist es bei den Auslieferungen teilweise zu Verzögerungen gekommen.»

Von einem Allzeithoch spricht Andi Stöckli, Geschäftsführer der Braustation Sursee. Konkrete Zahlen kann er aber noch nicht nennen. Das «Allzeithoch» ist wenig überraschend, da die Biere der Braustation erst seit dreieinhalb Jahren verkauft werden. «Wir haben unseren Absatz jährlich verdoppeln können», sagt Stöckli. Das Besondere in diesem Jahr: Die Braustation hat auch das Public Viewing in Sursee organisiert und dort das eigene Bier verkauft. «Nach zehn Tagen war unser Lager-Bier aufgebraucht», sagt Stöckli. Deshalb musste die Brauerei bis zum Ende der Fussball-WM fremde Produkte ausschenken.

«Wir haben nun weitere Lagertanks bestellt.»

Der Sommer sei eine grosse Herausforderung gewesen, sagt Stöckli. Der Druck, jederzeit liefern zu können, sei für kleine Brauereien besonders gross. «Wir beliefern einige Restaurants in der Region, haben aber keine Verträge mit den Gastronomen. Wenn wir sie wegen Engpässen nicht beliefern können, ist die Gefahr gross, dass sie abspringen.» An drei bis fünf Tagen pro Woche wurde in Sursee Bier gebraut – bis zu 1200 Liter pro Tag. Die Lagerkapazitäten betragen 240 Hektoliter. Und sind bereits ausgeschöpft. «Wir haben nun weitere Lagertanks bestellt», sagt Andi Stöckli. Die Kapazitäten können so auf 2000 Hektoliter gesteigert werden. Die Investitionen liegen im fünfstelligen Bereich.

Luzerner Bier: Absatz um 10 bis 12 Prozent höher

Gefragt ist auch das Luzerner Bier, das im Tribschen-Quartier in der Stadt Luzern gebraut wird. Geschäftsführer David Schurtenberger rechnet gegenüber 2017 mit einem 10 bis 12 Prozent höheren Absatz. «Anfangs hatten wir noch Vorräte, dann wurden wir von der Nachfrage komplett überrumpelt.» Zwar konnte das Luzerner Bier jederzeit geliefert werden, «wir waren aber froh, wenn es mal einen Tag lang bedeckt war und wir so eine kurze Verschnaufpause hatten». Zeit, um die Lagertanks aufzufüllen, blieb trotzdem nicht. Pro Brautag können 30 Hektoliter Luzerner Bier hergestellt werden.

Den guten Bier-Sommer verpasst hat die neue Krienser Brauwerkstatt. Ab September kommt deren «Mons» auf den Markt, welches in den letzten Wochen gebraut wurde. Der Standort der Mikrobrauerei befindet sich in der neuen Teiggi-Überbauung. Geschäftsführer Michael Grüter trauert dem verpassten Sommer nicht nach. «Natürlich wäre ein früherer Verkaufsstart möglich gewesen. Aber wir wollten unseren Plan nicht wegen des heissen Sommers kurzfristig umstellen, weil wir überzeugt sind, dass sich dies in der Qualität unseres Produktes auszahlen wird.» Die Brauwerkstatt verfügt über vier Tanks mit Platz für je 8 Hektoliter Bier. Der Markteintritt wurde in den letzten drei Jahren vorbereitet.

Mehr Brauereien trotz stagnierendem Bierkonsum

Die Zahl der Brauereien nimmt im Kanton Luzern also zu – und die Betriebe wachsen. Marcel Kreber, Direktor des Brauerei-Verbands, ist überzeugt, «dass es längerfristig zu einer Konsolidierung kommen wird». Der Gesamtkonsum stagniert seit Jahren, der Pro-Kopf-Kunsum nimmt sogar ab. Der Konkurrenzkampf sei daher sehr gross, sagt Kreber. «In zehn Jahren wird man sehen, welche Brauereien sich erfolgreich geschlagen haben.» Er sieht vor allem kleinere, nebenberufliche Braustätten unter Druck: «Wachsen sie weiter, müssen sie sich professionalisieren und investieren. Dann wird es schwierig.»

Auch Ralf Schröder, Geschäftsführer der IG unabhängiger Schweizer Brauereien, rechnet damit, dass Betriebe verschwinden werden. Allerdings sei weniger die Grösse der Brauereien ausschlaggebend, sondern eher das Produkt. «Wer richtig experimentiert, wird gewinnen.» Durch die steigende Zahl der Brauereien werde die Geschmacksvielfalt zunehmen, wovon der Konsument profitiere. «Künftig wird es mehr Spezialbier geben, das Lager wird weiter unter Druck geraten», prophezeit Schröder. «Es wird spannend zu beobachten, welche Produkte der Konsument annimmt.»

40 Prozent Einbusse bei Gerste-Ernte

Wer nicht auf Gersten-Importe angewiesen ist, kann sich glücklich schätzen. Denn aufgrund der Trockenheit ist in Nordeuropa mit einem Ausfall von 40 Prozent zu rechnen. Als eine der wenigen Brauereien deckt die Entlebucher Bier AG einen Teil ihres Bedarfs mit lokal produzierter Gerste. Circa fünf Tonnen sollten diese Woche in die Mälzerei transportiert werden.

Ein grosser Importeur in unserer Region ist die Eichhof-Brauerei. Engpässe habe man nicht zu befürchten, sagt Heineken-Sprecher Urs Frei: «Wir können von unserem internationalen Netzwerk profitieren.» Die Gerste für das Eichhof werde in ganz Europa eingekauft. Aber der Einkaufspreis dürfte steigen. Entscheidet sich Heineken gegen eine Preiserhöhung, ist daher mit einer Gewinneinbusse zu rechnen.

Der Preisanstieg bei der Gerste dürfte die Kleinbrauereien stärker betreffen, die höhere Einkaufspreise zahlen als Grossbrauereien. Die steigenden Rohstoffpreise seien «nicht lustig», sagt David Schurtenberger vom Luzerner Bier. «Wir können die Preisaufschläge aber verkraften.» Klartext spricht Andi Stöckli von der Braustation Sursee: «Die Preisanstiege bereiten uns Sorgen. Aus heutiger Sicht hätte ich unsere Bierpreise von Anfang an höher ansetzen sollen.» Im Handel ist eine Flasche Bier der Braustation für 2.50 Franken erhältlich. «Eine Preiserhöhung würden unsere Kunden aber nicht verstehen.» (cgl)

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