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STUDIE: Luzern: mehr Autos – weniger Verkehr

In den letzten Jahren ist die Verkehrsbelastung in der Innenstadt gesunken. Obwohl die Luzerner mehr Autos gekauft haben, nützen sie öfter ihr Velo, den Zug oder den Bus. Auf dem Land zeigt sich ein anderes Bild.
Autos und Verkehrsaufkommen in der Luzerner Innenstadt pro Tag. (Bild: Monitoring Gesamtverkehr Luzern/Oliver Marx)

Autos und Verkehrsaufkommen in der Luzerner Innenstadt pro Tag. (Bild: Monitoring Gesamtverkehr Luzern/Oliver Marx)

Kilian Küttel und Lukas Nussbaumer

kanton@luzernerzeitung.ch

Stau am Sedel, kein Durchkommen auf der Seebrücke, die Haldenstrasse verstopft vom Verkehrshaus bis in die City. Dem Empfinden nach ist die Stadt Luzern oft nahe am Verkehrskollaps. Zu viele Autos, zu viel Stress – zu gewissen Tageszeiten und an gewissen Orten mag diese Wahrnehmung stimmen. Doch wie neuste Erkenntnisse nun zeigen, ist die Verkehrssituation weniger prekär als auch schon. In einer gross angelegten Studie untersuchten der Kanton, die Stadt und der Verkehrsverbund Luzern (VVL) das Verkehrsaufkommen im Kanton. Eines der wichtigsten Resultate der Studie mit dem Namen Monitoring Gesamtverkehr lautet: Im Zeitraum von 2010 bis 2015 hat der Autoverkehr in der Stadt und an der Grenze zur Agglomeration abgenommen. Wurden in der Innenstadt 2010 noch 258'000 Personen gezählt, die täglich mit dem Auto unterwegs waren, sank die Zahl bis 2015 auf 250'000. Interessant: Im gleichen Zeitraum stieg die Zahl der registrierten Autos in der Stadt Luzern: von 33'775 auf 37'054.

Unter dem Strich bedeutet das also: mehr Autos – und trotzdem weniger Verkehr. Bemerkenswert ist diese Tatsache auch vor dem Hintergrund, dass die Einwohner- und Arbeitsplatzzahlen in der gleichen Zeitspanne gestiegen sind. Wieso sinkt dennoch die Verkehrsbelastung? Eine mögliche Antwort liefert Christian Ferres, Projektleiter Mobilität beim Stadtluzerner Tiefbauamt: «In der Stadt Luzern ist eine relativ hohe Anzahl von Firmenwagen immatrikuliert. Diese Flotten sind jedoch zum Teil nur in Luzern gemeldet, allerdings nicht hier stationiert.» Heisst: Sie tauchen zwar in der Motorfahrzeugstatistik, nicht aber auf den Luzerner Strassen auf.

Eine weitere Erklärung könnte sein, dass die Luzerner genug vom Stau haben – und deshalb lieber auf den öffentlichen Verkehr oder das Velo ausweichen, obwohl sie ein Auto besitzen: «Wenn alle Luzerner Einwohner ihr Mobilitätsverhalten anpassen, dann kann das schwerer wiegen als der Mehrverkehr, den die Zuzüger eigentlich erzeugen müssten», so Ferres.

Grosse Unterschiede zwischen Stadt und Land

Anders als in der Innenstadt ist die Situation in der Agglomeration und auf der Landschaft: Dort nimmt neben der Zahl der Autos pro Einwohner auch der Autoverkehr zu. In der Agglomeration zum Beispiel beträgt die Zunahme zwischen 2010 und 2015 rund 20'000 Personen pro Tag, die ein Auto benutzen. Zurückzuführen ist diese Entwicklung vor allem auf die Autobahnabschnitte A14 in Rathausen (plus 9000 Personen pro Tag) und der A2 bei Ennethorw (plus 6000 Personen).

Ebenso gut messen lässt sich der Stadt-Land-Graben am sogenannten Motorisierungsgrad. So besitzen im ländlichen Raum 576 von 1000 Einwohnern ein Auto. Das entspricht gegenüber 2010 einer Zunahme von 7,7 Prozent (siehe Grafik). In der Stadt dagegen lag die Zunahme im gleichen Zeitraum bloss bei 4,6 Prozent. Eindrücklich ist der Unterschied zwischen Stadt und Land auch bei der Quote jener Haushalte, die über kein Auto verfügen. In der Stadt liegt dieser Anteil bei 44 Prozent: «Wir sehen hier die Tendenz, dass die Verkehrsteilnehmer ihre Verkehrsmittelwahl stärker optimieren. Das heisst, sie verzichten öfter auf ein eigenes Auto und mieten sich nur für spezielle Fahrten eines», so Ferres. Das zeige sich einerseits am hohen Anteil autofreier Haushalte, andererseits auch daran, dass die Zahl der Mobility-Nutzer gestiegen ist.

Verglichen mit der Stadt ist die Zahl der autolosen Haushalte auf der Landschaft auf einem tiefen Niveau: Lediglich 7 Prozent der Haushalte haben hier kein Auto. Ausserdem besitzen in der Stadt nur 12 Prozent der Haushalte zwei oder mehr Autos – auf der Landschaft mit 44 Prozent fast jeder zweite.

Bahnhof Rothenburg: Vier Mal mehr Passagiere

Trotz mehr Autos in Stadt, Agglomeration und auf der Landschaft hat sich der Anteil des öffentlichen Verkehrs (ÖV) am Gesamtverkehr erhöht. Am stärksten war die Zunahme in der Innenstadt, wo der ÖV-Anteil nun 42 Prozent beträgt (siehe Grafik). Vergleichsweise stabil ist der sogenannte Modalsplit, also die Verteilung des Verkehrs auf die Verkehrsmittel, dagegen in der Agglomeration. Der Modalsplit soll sich künftig noch stärker in Richtung ÖV verschieben, strebt Baudirektor Robert Küng an (siehe Nachgefragt).

Ein weiteres Kapitel der Erhebung, die 45'000 Franken gekostet hat und zu gleichen Teilen von Stadt, Kanton und VVL finanziert wurde, wartet mit sehr eindrücklichen Zahlen auf. Die Rede ist von den Frequenzsteigerungen an den Luzerner Bahnhöfen. Der absolute Spitzenreiter ist der Bahnhof Rothenburg: Wurden 2008 noch täglich 228 Ein- und Aussteiger gezählt, waren es im letzten Jahr 1283. Anders ausgedrückt, liegt der Zuwachs bei stolzen 436 Prozent. An zweiter Stelle liegt der Bahnhof Gersag in Emmenbrücke mit einer Zunahme von 114 Prozent. Für Pascal Süess, Geschäftsführer des VVL, zeigt dies den Erfolg der verstärkten Verknüpfung von Bahn und Bus: «Das Emmer Busnetz beispielsweise ist konsequent auf die Bahnanschlüsse an der Station Emmenbrücke Gersag abgestimmt.»

Christian Ferres stellt dem Verkehr im Kanton Luzern summa summarum ein gutes Zeugnis aus: «Wir sehen, dass die bestehenden Infrastrukturen in der Stadt leistungsfähig genug gewesen sind, um die Wirtschaftsentwicklung und das Einwohnerwachstum in den letzten Jahren zu ermöglichen.» Allerdings gibt er zu bedenken, dass das Verkehrsnetz zu Stosszeiten bisweilen an seine Kapazitätsgrenzen kommt: «Das bleibt eine der grossen Herausforderungen, die wir in der Zukunft bewältigen müssen», so Ferres.

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