STUDIE: Velodiebe schlagen in Luzern seltener zu

In Luzern sind Velodiebstähle um einiges seltener als in anderen Schweizer Städten. Vor allem eine Kategorie Zweiräder scheint besonders sicher zu sein.

Kilian Küttel
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Hier kommen Diebe nicht hinein: Ein Kunde bringt sein Fahrrad in die Velostation beim Bahnhof Luzern. (Bild: Nadia Schärli (2. Juni 2017))

Hier kommen Diebe nicht hinein: Ein Kunde bringt sein Fahrrad in die Velostation beim Bahnhof Luzern. (Bild: Nadia Schärli (2. Juni 2017))

Kilian Küttel

kilian.kuettel@luzernerzeitung.ch

Im Vergleich zum Auto hat das Velo manchen Vorteil: Es ist günstig, umweltschonend und im Stadtverkehr häufig erst noch schneller. Dafür werden Velos leichter gestohlen. Doch wo ist das Risiko am grössten, dass das eigene Velo einem Dieb zu Opfer fällt? Die Versicherung AXA Winterthur wollte es genau wissen und zählte die gemeldeten Velodiebstähle ihrer Kunden in 19 Schweizer Städten während der letzten fünf Jahre aus. Fazit: Am meisten Sorge um ihr Velo müssen die Leute in Basel haben.

Von 1000 AXA-Kunden haben dort pro Jahr im Schnitt 28 Velobesitzer einen Diebstahl bei der Versicherung gemeldet. Damit ist die Quote in Basel 83 Prozent höher als im Schweizer Durchschnitt. Landesweit melden durschnittlich 16 von 1000 Kunden ein gestohlenes Velo. Zum Spitzenreiter sagt AXA-Mediensprecherin Mirjam Eberhard: «Wir beobachten, dass die Diebstahlquote in velofreund­lichen Städten mit viel Radverkehr erhöht ist. In Basel spielt wohl zudem die Nähe zur Grenze eine Rolle.»

Velodiebe stehlen «aus Bequemlichkeit»

Die Stadt Luzern ist mit 14 Meldungen pro 1000 Personen vergleichsweise wenig betroffen. Woran das genau liegt, kann weder der Versicherer noch die Luzerner Polizei genau sagen. Laut der Polizei sind die Velodiebstähle letztes Jahr zudem im ganzen Kanton zurückgegangen: Wurden 2015 noch 2246 gestohlene Fahrräder gemeldet, waren es 2016 nur noch 1785. Das sind 461 weniger – oder 21 Prozent. Das wichtigste Motiv eines Velodiebs sei die Bequemlichkeit: «Häufig werden Fahrräder gestohlen, weil jemand schnell von A nach B gelangen will», sagt Simon Kopp, Sprecher der Luzerner Polizei. Teilweise würden aber auch Velos gestohlen, um später wieder verkauft zu werden. Laut der AXA-Studie ist in der Schweiz ein gestohlenes Velo durchschnittlich 1300 Franken wert – vor einigen Jahren waren es noch rund 1000 Franken. Dies zeige, dass die Velos auf den Schweizer Strassen um einiges teurer geworden seien. Dabei spiele auch die zunehmende Verbreitung von E-Bikes eine Rolle, sagt Mirjam Eberhard. Gut möglich, dass diese also vermehrt in den Fokus von Langfingern geraten? Simon Kopp verneint: «Wenn jemand ein Fahrrad für den Eigengebrauch stiehlt, sind E-Bikes weniger attraktiv als normale Velos.» Dies, weil für die elektronischen Velos häufig spezielle Ladestationen notwendig sind. Heisst: Das Fahrrad bringt dem Dieb nichts, wenn er es nicht regelmässig aufladen kann.

Und dennoch steigt der Anteil E-Bikes an allen gestohlenen Fahrrädern: Von den 1785 Velos, die im Kanton Luzern letztes Jahr entwendet wurden, waren 110 E-Bikes (6,2 Prozent). Im Jahr 2015 belief sich die Quote noch auf 3,8 Prozent. Dies dürfte vor allem daran liegen, dass E-Bikes immer beliebter werden: Letztes Jahr wurden in der Schweiz 75 665 E-Bikes verkauft, im Jahr davor waren es noch fast 20 000 weniger.

Wie schützt man sich vor Langfingern?

Laut AXA kommen Velodieb­stähle im Sommer am häufigsten vor. In den Monaten Juni, Juli und August würden fast 50 Prozent mehr gestohlene Velos gemeldet als im Rest des Jahres. Ob im Sommer oder Winter, elektronisch oder nur mit Muskelkraft betrieben – die Luzerner Polizei gibt diverse Ratschläge, um das Velo vor Langfingern zu schützen: Wenn möglich, sollte das Fahrrad immer in einem abschliessbaren Raum untergebracht werden, zum Beispiel in einer Garage, sagt Simon Kopp. Fehlt diese Möglichkeit, sei es ratsam, das Velo auf einem beleuchteten und belebten Aussenplatz zu deponieren. Und: «Wenn ein Diebstahl bemerkt wird, sollte man sofort die Polizei informieren.»