Studie zeigt: Luzern ist eine Mode-
und Gastrostadt mit hohen Mieten

Der Anteil an Läden mit Schönheitsartikeln und Restaurants ist in Luzern vergleichsweise hoch. Das zeigt eine Studie im Auftrag der Stadt. Und: Die Mieten für Lokale bewegen sich auf Grossstadt-Niveau. 

Stefan Dähler
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Wie steht es um den Branchenmix in Luzern? Und wie viel Miete müssen die Geschäfte bezahlen? Um das herauszufinden, hat der Stadtrat bei der Firma Immocompass ein Monitoring in Auftrag gegeben. Nun liegen die Resultate für das Jahr 2018 vor, wie die Stadt mitteilt.

Diese zeigen, dass es in Luzern 1347 Detailhandelsfilialen gibt. Im Vergleich zu ähnlichen Städten wie Biel, Lausanne, Bern, St. Gallen, Winterthur und Lugano fällt auf: Besonders in den Bereichen Gastronomie (23 Prozent der Lokale gehören zu diesem Segment) und Mode & Schönheit (17 Prozent) ist das Angebot in Luzern gross. Zu Letzterem gehören auch die Schmuck- und Uhrenläden, die total 5 Prozent der Geschäfte in Luzern ausmachen. Nur Lugano weist im Verhältnis mit der Einwohnerzahl mehr Beizen und Mode- & Schönheitsläden aus. Vergleichsweise klein ist in Luzern dagegen der Anteil an Fachmärkten:

Die mittleren Mieten steigen, die höchsten sinken

Das Monitoring, das auf ein SP-Postulat zurückgeht, zeigt weiter die Preisentwicklung der letzten Jahre auf. So sind die Lokalmieten in Luzern bei den teuersten 10 Prozent der Läden gesunken: von 1353 Franken pro Quadratmeter pro Jahr im Jahr 2017 auf 1124 Franken im Jahr 2018. Im tiefsten Segment sind sie stabil (von 241 auf 242), der Medianwert dagegen ist leicht gestiegen (401 auf 429).

«Grundsätzlich widerspiegelt die Entwicklung im Median auch die Entwicklung des Gesamtmarktes. Von 2015 bis 2018 ist dieser um 11 Prozent gestiegen, was im schweizweiten Vergleich ein bemerkenswerter Anstieg ist», sagt Studien-Co-Autorin Tabea Grob von Immocompass. Sie fügt an:

«Die teuersten 10 Prozent  sind mehr Schwankungen ausgesetzt, sie reagieren von Jahr zu Jahr viel sensibler und stärker auf Zukunftserwartungen.»

Das Monitoring zeigt denn auch, dass die Zahl der in Luzern grundsätzlich stark vertretenen Kleiderläden seit 2014 um schätzungsweise über 10 Prozent abgenommen hat, genaue Zahlen gibt es für diese Jahre noch nicht. Die Branche leidet bekanntlich unter dem Onlinehandel. 2018 wurden in der Stadt Luzern aber immer noch 110 Kleiderläden gezählt.

In der Altstadt gehört rund die Hälfte der Läden einer grösseren Kette.

In der Altstadt gehört rund die Hälfte der Läden einer grösseren Kette.

Bild: Manuela Jans-Koch (14. Juni 2019)

Vergleichbar mit Zürich oder Genf

Weiter zeigt die Studie, dass die Mietkosten in Luzern grundsätzlich höher sind als in anderen mittelgrossen Städten. Erfasst wurden diese anhand von Inseraten. «Was die Lokalmieten angeht, bewegt sich Luzern auf Grossstadt-Niveau», so Grob. Diese seien unter anderem vergleichbar mit Basel, Bern, Zürich oder Genf, wie die Stadt mitteilt. «Eine mögliche Erklärung ist, dass Luzern aufgrund der internationalen Bekanntheit viele Leute anzieht und die Nachfrage folglich auch grösser ist», sagt Finanzdirektorin Franziska Bitzi Staub (CVP). Neben dem Tourismus dürfte hier auch die starke Zentrumsfunktion innerhalb der Zentralschweiz eine Rolle spielen, fügt Grob an.

Die Unterschiede sind je nach Quartier jedoch beträchtlich. Wenig überraschend sind die Mieten im Gebiet Schwanenplatz/Grendel (siehe Bild unten) sowie beim Bahnhof am höchsten. Sie betragen 1200 bis zu 3000 Franken pro Quadratmeter und Jahr.

Bild: Boris Bürgisser (Luzern, 27. März 2019)

Erklärbar ist das auch mit der Konzentration auf Luxusprodukte für Touristen, was eine Besonderheit der Stadt Luzern darstelle, heisst es im Monitoring. In der Neustadt bewegen sich die Mieten zwischen 350 bis 650 Franken, in Seitenstrassen seien es eher 250 bis 350 Franken. Letztgenannte Bandbreite wurde auch im Gebiet Tribschen-Langensand erfasst. Ausserhalb dieser Quartiere sei die Miete selten höher als 350 Franken, heisst es im Monitoring.

Ausserhalb der Altstadt viele lokale Geschäfte

Das schlägt sich auch im Branchenmix nieder. In der Altstadt gehört rund die Hälfte der Läden einer grösseren Kette an. Im Gebiet Hirschmatt-Neustadt dagegen sind es nur 21 Prozent, über die ganze Stadt gesehen sind es 32 Prozent.

Aus Sicht des Stadtrats ist der Branchenmix in Luzern ausgewogen, wie er mitteilt. Das Monitoring soll nun jährlich durchgeführt werden, die Zahlen von 2019 sollen im laufenden Jahr dazukommen. «So können wir bei Fehlentwicklungen Massnahmen erarbeiten», sagt Bitzi. «Das Ziel ist, Rahmenbedingungen zu schaffen, damit ein vielfältiger Detailhandel überleben kann.» Wobei der Handlungsspielraum der Stadt begrenzt sei, da es sich um einen privaten Markt handelt. Einige Massnahmen zur Förderung des Detailhandels habe man bereits ergriffen. So geht der Stadtrat aktiv auf Grundeigentümer in der Altstadt zu, um diese zu sensibilisieren, «dass Profit allein nicht förderlich ist für eine attraktive Innenstadt». Es zeige sich beispielsweise, dass in Seitengassen mehrere Lokale leer stehen. Bitzi:

«Offenbar haben einige Vermieter zu hohe Erwartungen bezüglich Einnahmen.»

Weiter will der Stadtrat das Reglement über die Nutzung des öffentlichen Grundes lockern. Zudem hat er sich stark für längere Ladenöffnungszeiten eingesetzt und damit die nun geplante kantonale Gesetzesänderung angestossen.

Das Monitoring zum Branchenmix und den Lokalmieten finden Sie hier.

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